Alan Moores Watchmen werden verfilmt

Comic-Verfilmungen sind mittlerweile zu einer der Haupteinnahmequellen Hollywoods geworden: Sin City, V wie Vendetta, Iron Man, Heroes, X-Men, Spidey, Hulk, Incredibles und natürlich die unvermeidliche Fledermaus machen Kasse, und Genre-Folger wie Hancock, Kung-Fu-Panda & Co sind erfolgreich auf den rollenden Zug gesprungen. Es wird also Zeit, dass sich jemand an das Opus Magnus des Erwachsenencomics heranwagt, nämlich an Alan Moores Watchmen.

Nächstes Jahr ist es soweit.

Die meisten Comicfilme orientieren sich an der Psychologie der Marvel-Comics. Die Protagonisten werden zu zweidimensionalen, mit je einer Superkraft ausgestatteten Charakterschablonen zusammengeklopft und dann durch ein erbarmungslos geradliniges Drehbuch gejagt. Persönlichkeiten sind auf jeweils zwei, drei griffige Wesenszüge reduziert, ihr Handeln folgt jeweils einem, mehr oder weniger großbuchstabig auf die Stirn der Figur tätowierten Motiv. Eingebettet wird die Soße in ein schwarzweiß moralisierendes Universum, das entweder erschütternd naiv (Superman, X-Men, Iron-Man, Spiderman) oder in sinistrer Übersteigerung (Sin City, Planet Terror, The Dark Knight) daherkommt.

Ausnahmen stellen übrigens die großen japanischen Trickfilmregisseure dar - Hayao Miyazaki, Katsuhiro Otomo und Mamoru Oshii schöpfen aus einer graphischen Erzähltradition, die über den Pulp-Charme des Marvel-Universums weit hinausgeht. Ihr ästhetischer und kultureller Anspruch zielt allerdings auch auf eine andere Zielgruppe als Hollywoods stromlinienförmige Produktionen. (Unbedingt sehenswert für Freunde japanischer Comic-Kultur: Die Verfilmung von Tayo Matsumotos “Black und White” /Tekkonkinkreet durch Michael Arias. Oh, und natürlich darf man den großen Europäer, Enki Bilal, nicht vergessen.)

Die Watchmen sind sind eigentlich gar kein “richtiger” Comic, jedenfalls nicht im Sinne der Marvel-Comic-Welt, in der sie zu spielen scheinen. Moore hat vielmehr einen gezeichneten Roman geschrieben. Er nimmt sich die Archetypen des Marvel-Comic-Universums vor und stattet sie mit echten Psychologien aus, mit Tiefe, Konflikten, Zweifeln und Neurosen. Und dass jemand, der jahrelang im Keller an geheimen Superwaffen herumlötet/im Stretchkostüm nach Bösewichten jagt/sich als Vigilant außerhalb der Gesellschaft bewegt, schwer einen an der Waffel hat, liegt ja wohl auf der Hand!

Ein Amerika mit Superhelden ist ein anderes Amerika als das, was wir heute vorfinden. Moore zeigt auch das: einerseits haben Supergenies die Energiekrise gelöst und das Land mit Elektroautos und nützlichen Gadgets versorgt. Andererseits sehen wir die anti-aufklärerische, dem Faschismus nahestehende polische Philosophie eines Landes, in dem Nixon nie zurücktreten mußte, den Sieg in Vietnam und Afghanistan, das Superheldentum als Waffe im Kampf der Kulturen. Und natürlich die Resistance: Streiks der Polizei gegen das Vigilantentum; Demonstrationen der Bevölkerung gegen die Übermenschen, die ihre Moral nur noch sich selbst gegenüber vertreten; ein drohender Dritter Weltkrieg gegen ein übermächtig und unheilbar arrogant gewordenes Amerika. Und eine Gruppe von Nicht-mehr-Menschen, die sich gegen menschliche Moral und Maßstäbe, gegen ihr restliches Dazugehören entscheiden müssen.

In der Vergangenheit hatten Comic-Verfilmungen oft damit zu kämpfen, dass die Studios die Intentionen eines als zu sperrig empfundenen Originals glätteten, vereinfachten oder ins Gegenteil verkehrten, um ihr Publikum nicht zu überfordern. Solche Änderungen brachten natürlich jedesmal die Fangemeinde gegen die filmische Umsetzung auf. Die jüngsten kommerziellen Erfolge punktgenauer Comicumsetzungen (z.B. Rodriguez’ Sin City) werden es Zak Snyder aber hoffentlich ermöglichen, sich bei den Watchmen am Geist des Originals zu orientieren.

Übrigens ist die Warner-Brothers-Version nicht der erste Versuch, aus den Watchmen einen Film zu machen - 2005 hat Paramount sich bereits an diesem Stoff versucht, es aber wieder aufgegeben.

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