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	<title>Kommentare zu: Das Ende aller Theorie?</title>
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	<description>Joscha Bach, KI-Forscher und Dotcommunarde, fühlt dem Internet den Puls.</description>
	<pubDate>Thu, 17 May 2012 04:05:00 +0000</pubDate>
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		<item>
		<title>Von: bach</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/07/das-ende-aller-theorie/#comment-47</link>
		<dc:creator>bach</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2008 18:43:03 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.vanityfair.de/blog/joscha-bach/?p=74#comment-47</guid>
		<description>Natürlich nehme ich persönlich den Standpunkt der harten KI ein - aber nicht unbedingt mit dieser Aussage. "Maschine" meint nicht unbedingt ein tutendes, knatterndes Rumpelding, das irgendwann von Leuten in Blaumännern montiert wurde, sondern ist ein sehr weiter Begriff.

Grundsätzlich ist &lt;em&gt;jede&lt;/em&gt; naturwissenschaftliche Theorie eine Menge von Informationen (Messungen, Beobachtungen), die in eine regelhafte Struktur gebracht wurden. Eine naturwissenschaftliche (formale) Theorie, die ihren Gegenstandsbereich vollständig beschreibt, ist praktisch ein lauffähiges Computerprogramm, also eine Maschine. Selbst dann, wenn man nicht daran glaubt, dass sich ein Bereich der Natur vollständig wissenschaftlich beschreiben läßt, gilt:

1. Jede Beschreibung ist computational - einfach deshalb, weil jede Sprache und Schrift aus Informationseinheiten besteht.
2. Alles, was erkennbar (sichtbar, wahrnehmbar) ist, besteht aus Informationseinheiten, ist also gleichfalls computational.

Theorien, Modelle, Ontologien, Weltbilder... sind Verdichtungen von Erkennbarem. Sie nehmen die Informationen, aus denen sich unsere Wahrnehmung der Welt zusammensetzt, und strukturieren sie dergestalt, dass die Beschreibung kompakter wird. Um ein grob vereinfachtes Bild zu bemühen: die Astronomen komprimieren die Pixel ihrer Himmelsaufnahmen in Modelle des Weltraums (die sie als Computersimulationen ablaufen lassen können, sobald sie vollständig genug und die Computer groß genug sind). Die Biologen komprimieren die Pixel ihrer Mikroskop-Aufnahmen in Modelle von Zellen und Organismen (die sie als Computersimulationen ablaufen lassen können, sobald sie vollständig genug und die Computer groß genug sind). &lt;em&gt;In diesem Sinne sind wir biologische Maschinen.&lt;/em&gt;

Ich denke nicht, dass die Beschreibung der Welt als Maschine auf irgendwelchen Glaubensüberzeugungen beruht. Im Gegenteil! Wenn ich nämlich behaupte, dass die beobachtbare Welt sich nicht als (computationale) Maschine beschreiben läßt, dann postuliere ich etwas, das sich weder beobachten noch formulieren läßt, also lediglich etwas Geglaubtes.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Natürlich nehme ich persönlich den Standpunkt der harten KI ein - aber nicht unbedingt mit dieser Aussage. &#8220;Maschine&#8221; meint nicht unbedingt ein tutendes, knatterndes Rumpelding, das irgendwann von Leuten in Blaumännern montiert wurde, sondern ist ein sehr weiter Begriff.</p>
<p>Grundsätzlich ist <em>jede</em> naturwissenschaftliche Theorie eine Menge von Informationen (Messungen, Beobachtungen), die in eine regelhafte Struktur gebracht wurden. Eine naturwissenschaftliche (formale) Theorie, die ihren Gegenstandsbereich vollständig beschreibt, ist praktisch ein lauffähiges Computerprogramm, also eine Maschine. Selbst dann, wenn man nicht daran glaubt, dass sich ein Bereich der Natur vollständig wissenschaftlich beschreiben läßt, gilt:</p>
<p>1. Jede Beschreibung ist computational - einfach deshalb, weil jede Sprache und Schrift aus Informationseinheiten besteht.<br />
2. Alles, was erkennbar (sichtbar, wahrnehmbar) ist, besteht aus Informationseinheiten, ist also gleichfalls computational.</p>
<p>Theorien, Modelle, Ontologien, Weltbilder&#8230; sind Verdichtungen von Erkennbarem. Sie nehmen die Informationen, aus denen sich unsere Wahrnehmung der Welt zusammensetzt, und strukturieren sie dergestalt, dass die Beschreibung kompakter wird. Um ein grob vereinfachtes Bild zu bemühen: die Astronomen komprimieren die Pixel ihrer Himmelsaufnahmen in Modelle des Weltraums (die sie als Computersimulationen ablaufen lassen können, sobald sie vollständig genug und die Computer groß genug sind). Die Biologen komprimieren die Pixel ihrer Mikroskop-Aufnahmen in Modelle von Zellen und Organismen (die sie als Computersimulationen ablaufen lassen können, sobald sie vollständig genug und die Computer groß genug sind). <em>In diesem Sinne sind wir biologische Maschinen.</em></p>
<p>Ich denke nicht, dass die Beschreibung der Welt als Maschine auf irgendwelchen Glaubensüberzeugungen beruht. Im Gegenteil! Wenn ich nämlich behaupte, dass die beobachtbare Welt sich nicht als (computationale) Maschine beschreiben läßt, dann postuliere ich etwas, das sich weder beobachten noch formulieren läßt, also lediglich etwas Geglaubtes.</p>
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	<item>
		<title>Von: Max Mustermann</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/07/das-ende-aller-theorie/#comment-46</link>
		<dc:creator>Max Mustermann</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Jul 2008 17:31:31 +0000</pubDate>
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		<description>Mit der Aussage, "schließlich bin ich selbst eine (biologische) Maschine", nimmst du einen ganz bestimmten Standpunkt ein: Den eines Anhängers der harten KI, die es für sicher halten, dass a) Menschen sich vollständig als informationsverarbeitende Systeme beschreiben lassen und b) Maschinen dieselbe Komplexität wie Menschen erreichen können. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch eine Glaubensüberzeugung, da der praktische Beweis fehlt. Ich vermute zwar auch, dass beides richtig ist, aber ich wollte auf etwas anderes hinaus: Wenn heutige Maschinen balancieren oder Bälle fangen, dann entspricht das nicht ihren eigenen Intentionen, bei uns aber schon. Aufgrund unseres Körpers haben wir Bedürfnisse, die wir mit den uns zur Verfügung stehenden geistigen und körperlichen Möglichkeiten befriedigen wollen und können. Hinter jeder Maschine steht heute aber immer ihr Programmierer, seine Wünsche bestimmen ihre Fähigkeiten.

Dein letzter Absatz ist missverständlich formuliert. Er kann auch so gelesen werden, als ob Anderson die Zukunft der Wissenschaft im regelbasierten und versprachlichbaren Wissen sieht.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Mit der Aussage, &#8220;schließlich bin ich selbst eine (biologische) Maschine&#8221;, nimmst du einen ganz bestimmten Standpunkt ein: Den eines Anhängers der harten KI, die es für sicher halten, dass a) Menschen sich vollständig als informationsverarbeitende Systeme beschreiben lassen und b) Maschinen dieselbe Komplexität wie Menschen erreichen können. Zum jetzigen Zeitpunkt ist das noch eine Glaubensüberzeugung, da der praktische Beweis fehlt. Ich vermute zwar auch, dass beides richtig ist, aber ich wollte auf etwas anderes hinaus: Wenn heutige Maschinen balancieren oder Bälle fangen, dann entspricht das nicht ihren eigenen Intentionen, bei uns aber schon. Aufgrund unseres Körpers haben wir Bedürfnisse, die wir mit den uns zur Verfügung stehenden geistigen und körperlichen Möglichkeiten befriedigen wollen und können. Hinter jeder Maschine steht heute aber immer ihr Programmierer, seine Wünsche bestimmen ihre Fähigkeiten.</p>
<p>Dein letzter Absatz ist missverständlich formuliert. Er kann auch so gelesen werden, als ob Anderson die Zukunft der Wissenschaft im regelbasierten und versprachlichbaren Wissen sieht.</p>
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	<item>
		<title>Von: bach</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/07/das-ende-aller-theorie/#comment-45</link>
		<dc:creator>bach</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 18:08:47 +0000</pubDate>
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		<description>Aus Informatikersicht muß man keinen Unterschied zwischen Wissen und Können machen. Ein Roboter, der balancieren kann, verfügt sozusagen über Balancewissen, und ein Roboter, der weiß, wie man balanciert, kann es. Ob man das Balancemodell implizit (z.B. als Gewichte in einem neuronalen Netz) oder explizit (als Regelmenge) realisiert, ist lediglich eine technische Frage. Für Menschen sind Regelmengen natürlich leichter zu handhaben als Netze, weil sie sich leichter und vollständiger versprachlichen lassen.

Eine Aussage wie "den Maschinen fehlt schlicht der Körper" halte ich für irreführend - schließlich bin ich selbst eine (biologische) Maschine. Und natürlich gibt es heute schon eine ganze Menge Roboter, die besser balancieren oder Bälle fangen können als ich.

Andersons Ansatz läuft auf etwas ganz anderes hinaus: er vermutet, dass das versprachlichbare (regelhafte) Wissen zugunsten von nichtversprachlichbarem (korrelativen, bayesischem, vagem, implizitem, nur maschinell handhabbaren) Wissen zum primären Gehalt der Naturwissenschaften wird.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Aus Informatikersicht muß man keinen Unterschied zwischen Wissen und Können machen. Ein Roboter, der balancieren kann, verfügt sozusagen über Balancewissen, und ein Roboter, der weiß, wie man balanciert, kann es. Ob man das Balancemodell implizit (z.B. als Gewichte in einem neuronalen Netz) oder explizit (als Regelmenge) realisiert, ist lediglich eine technische Frage. Für Menschen sind Regelmengen natürlich leichter zu handhaben als Netze, weil sie sich leichter und vollständiger versprachlichen lassen.</p>
<p>Eine Aussage wie &#8220;den Maschinen fehlt schlicht der Körper&#8221; halte ich für irreführend - schließlich bin ich selbst eine (biologische) Maschine. Und natürlich gibt es heute schon eine ganze Menge Roboter, die besser balancieren oder Bälle fangen können als ich.</p>
<p>Andersons Ansatz läuft auf etwas ganz anderes hinaus: er vermutet, dass das versprachlichbare (regelhafte) Wissen zugunsten von nichtversprachlichbarem (korrelativen, bayesischem, vagem, implizitem, nur maschinell handhabbaren) Wissen zum primären Gehalt der Naturwissenschaften wird.</p>
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		<title>Von: Max Mustermann</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/07/das-ende-aller-theorie/#comment-44</link>
		<dc:creator>Max Mustermann</dc:creator>
		<pubDate>Mon, 28 Jul 2008 16:51:38 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://www.vanityfair.de/blog/joscha-bach/?p=74#comment-44</guid>
		<description>Gedankensplitter: Korrelationen kann man nur bilden von Dingen, die man schon kennt. Zusammenhänge in Theorien sollen Vorhersagen machen zu Dingen, die noch nicht sind.

(Für uns) implizites Wissen von Maschinen ist (uns) ziemlich nutzlos (Schachprogramme, Vierfarbensatz), weil es (uns) keine weiteren Erkenntnisse gestattet. Das tun nur die Teilergebnisse, die wir explizieren können. 

Bei mir auf dem Tisch liegt ein (noch ungelesenes) Büchlein: "Sandra Mitchell: Komplexitäten. Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen." Das könnte zum Thema passen.

Vielleicht ist bei implizitem Wissen das Wort "Wissen" irreführend, es sollte eher "Können" verwendet werden: Fahrrad fahren, tanzen. Das erklärt auch die Diskrepanz von typisch menschlichen Fähigkeiten und ihren maschinellen Nachahmungen. Den Maschinen fehlt schlicht der Körper, der einerseits für diese Fähigkeiten notwendig ist und sie andererseits erst möglich macht. Mit Ausnahme der Übersetzungen sehe ich auch wenig Notwendigkeit dafür, warum Maschinen das machen sollten, was nur für uns eine Bedeutung hat und wir sowieso viel besser können.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Gedankensplitter: Korrelationen kann man nur bilden von Dingen, die man schon kennt. Zusammenhänge in Theorien sollen Vorhersagen machen zu Dingen, die noch nicht sind.</p>
<p>(Für uns) implizites Wissen von Maschinen ist (uns) ziemlich nutzlos (Schachprogramme, Vierfarbensatz), weil es (uns) keine weiteren Erkenntnisse gestattet. Das tun nur die Teilergebnisse, die wir explizieren können. </p>
<p>Bei mir auf dem Tisch liegt ein (noch ungelesenes) Büchlein: &#8220;Sandra Mitchell: Komplexitäten. Warum wir erst anfangen, die Welt zu verstehen.&#8221; Das könnte zum Thema passen.</p>
<p>Vielleicht ist bei implizitem Wissen das Wort &#8220;Wissen&#8221; irreführend, es sollte eher &#8220;Können&#8221; verwendet werden: Fahrrad fahren, tanzen. Das erklärt auch die Diskrepanz von typisch menschlichen Fähigkeiten und ihren maschinellen Nachahmungen. Den Maschinen fehlt schlicht der Körper, der einerseits für diese Fähigkeiten notwendig ist und sie andererseits erst möglich macht. Mit Ausnahme der Übersetzungen sehe ich auch wenig Notwendigkeit dafür, warum Maschinen das machen sollten, was nur für uns eine Bedeutung hat und wir sowieso viel besser können.</p>
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