Googles offenes Fesselphone G1


Soeben ist in New York die Präsentation von Googles Android-Telefon, dem G1, zu Ende gegangen.

Das Design ist ein Bastard aus iPhone, Sidekick und N95 und wird vermutlich zu gleichen Teilen Zuspruch und Abneigung ernten. Der respektierte Nerdpopautor Douglas Rushkoff hat es ausprobiert und sowohl Außen- wie Innenleben lieber als beim iPhone gemocht:

Es fühlt sich nicht an, als müßte man ein Laptop durch einen Zwei-Zoll-Bildschirm fernsteuern.

Am besten gefällt Rushkoff die Offenheit von Googles Ansatz.
Spannende Frage: wie offen ist das GPhone wirklich?


Die Präsentation war da sehr erhellend: sie bestand einerseits aus leidenschaftlichen Beteuerungen, wie offen das neue Telefon sein wird - jeder soll alles dafür programmieren können, und andererseits dann doch aus ernüchternden Antworten auf die entscheidenden Fragen aus dem Publikum:

Q: Kann man es als Laptop-Modem verwenden? - Kann man es auch ohne Internet-Vertrag kaufen?
A: Keine Modemnutzung, und der Datenvertrag ist erforderlich.

Q: Irgendeine Unterstützung für Microsoft Office? Ist es gesimlocked?
A: Kann Word, PDF und Excel lesen, aber ist nicht mit Exchange kompatibel. (…) Es wird fest an T-Mobile gebunden sein.

Q: Wird es Push-Mail unterstützen?
A: G-Mail kann Push.

Q: Wird es Skype dafür geben?
A: Vorerst kein Skype.

Q: Glauben Sie, dass Unlocker das Telefon freischalten werden?
A: Es ist wert, sich vor Augen zu halten, dass 179$ ein attraktiver Preis sind. Wir wollen sicher sein, dass die Verbraucher es auf dem Netz verwenden, für das es optimiert wurde. [düsteres Gewittergrollen über New York einfügen]

Und wenn wir versuchen, den Klauen T-Mobiles zu entkommen: sind wir dann Raubtelefonierer? Und sind Raubtelefonierer Verbrecher?

Das GPhone wird auch keine Desktop-Software mitbringen, mit der man es mit Outlook, Apple Mail etc. synchronisieren könnte - es ist für die Online-Anwendungen des Google-Kosmos optimiert.

Ich bin unschlüssig, ob ich das gut oder schlecht finden soll. Ich mag die meisten Google-Anwendungen, und ich gehe davon aus, dass irgendjemand bald Programme für die Synchronisation mit “richtigen” Programmen zusammenbasteln wird. Andererseits habe ich den Eindruck, dass sich Apples und Googles Strategien für die Bindung der Nutzer an die jeweils eigene Verwertungskette in der Praxis kaum unterscheiden.

Das Googletelefon wird ab 22. Oktober in den USA erhältlich sein. Im November kommt es nach Großbritannien, und nächstes Jahr auch zu uns.

Update: Inzwischen war zu erfahren, dass T-Mobile in den USA plant, eine vertragsfreie Version des G1 für 399 Dollar herauszubringen, die nach drei Monaten ge-unlockt werden kann. Und obwohl die eigenständigen Freischaltbemühungen von Hackern natürlich nicht gern gesehen sind, hat T-Mobile nicht vor, massiv dagegen vorzugehen - unabhängige Programmierer sollen möglichst freie Hand behalten.
(Nebenbei: die Reviewer beklagen in Chor, dass das G1 keine Kopfhörerbuchse hat…)

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