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	<title>Kommentare zu: Die Kreditkrise und das Geheimnis des Geldes</title>
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	<description>Joscha Bach, KI-Forscher und Dotcommunarde, fühlt dem Internet den Puls.</description>
	<pubDate>Thu, 17 May 2012 04:48:43 +0000</pubDate>
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		<item>
		<title>Von: bach</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/10/die-kreditkrise-und-das-geheimnis-des-geldes/#comment-486</link>
		<dc:creator>bach</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Oct 2008 23:06:45 +0000</pubDate>
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		<description>@ Max

Die Blasen entstehen anscheinend nicht dadurch, dass es zuwenig Liquidität gäbe, sondern umgekehrt: zu viel Liquidität sucht nach Anlagemöglichkeiten. Ein Ausdruck davon war die Housing-Bubble: Kapital wird in Immobilien angelegt, und damit das funktioniert, wird über freizügige Kreditvergabe ein Wachstumsmarkt geschaffen. Über diesem Markt schweben dann wie überall die Meta-Anlagen und Derivate. Wenn die Kredite nicht bedient werden können, implodiert der Markt, und durch die Meta-Anlagen reißt es gleich eine Größenordnung Anlagevermögen mehr in den Orkus.

Witzigerweise kann man weder den Kreditnehmern noch -gebern einen Vorwurf machen: alle taten jeweils das, "was alle tun", und fuhren soweit sie sehen konnten gut damit; die Bank folgte dem Ruf des Marktes nach Krediten, und die Verbraucher nahmen die Kreditangebote der Banken an. Eine strengere Kreditvergabe hätte zwar die Ausfallrisiken verringert, aber an der Blasenbildung nichts geändert - irgendjemand muß die Zeche zahlen, wenn das eingesetzte Kapital sich wundersam vermehrt.

Die Tobinsteuer würde die Kapitalflüsse etwas bremsen. Wenn das Getriebe der Börse den Sand der Tobinsteuer überwinden müßte, vergrößert sich die Schwelle zur Kapitalflucht; die Asienkrise wäre deutlich milder ausgefallen. (Es gibt auch konkrete Vorschläge, wie und wohin sie abgeführt werden könnte.) Insgesamt scheint der Nutzen die Nachteile zu überwiegen, aber es ist kein Allheilmittel.
Daran, die Finanzderivate zu regulieren und die Eigenkapitalquote der Privatwirtschaftlichen Banken zu erhöhen, führt kaum ein Weg vorbei, wenn sich etwas ändern soll.

Die grundsätzlichen Probleme der Vermögensasymmetrie sind damit aber auch noch nicht behoben: großes Geld wächst schneller als kleines Geld, und ab einem bestimmten Punkt wächst es schneller als es Werte aus der Realwirtschaft absaugen kann. Wenn die Kurse im großen Stil schneller steigen als die Produktivität, dann ist etwas faul.

Vielleicht sollten wir uns grundsätzlich erinnern, dass wir den ganzen Wirtschaftszirkus, mit Arbeitszwang, Hungerhartz, Umweltverschmutzung, Reklameterror, Müllbergen, Rohstoffkriegen und Dritte-Welt-Ausbeutung ja nicht zum Spaß veranstalten, oder um ein paar reiche Säcke noch reicher zu machen, sondern um uns alle in möglichst guter Qualität mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Wir sollten regelmäßig innehalten und fragen, wie ein Wirtschaftssystem beschaffen sein muß, dass das auch tut. 

Im Moment läuft es leider auch dann schief, wenn gerade keine Krise ausgerufen wird: jedes Jahr steigern wir die Produktivität, aber die Lebens- und Arbeitsbedingungen der meisten Leute verschlechtern sich.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@ Max</p>
<p>Die Blasen entstehen anscheinend nicht dadurch, dass es zuwenig Liquidität gäbe, sondern umgekehrt: zu viel Liquidität sucht nach Anlagemöglichkeiten. Ein Ausdruck davon war die Housing-Bubble: Kapital wird in Immobilien angelegt, und damit das funktioniert, wird über freizügige Kreditvergabe ein Wachstumsmarkt geschaffen. Über diesem Markt schweben dann wie überall die Meta-Anlagen und Derivate. Wenn die Kredite nicht bedient werden können, implodiert der Markt, und durch die Meta-Anlagen reißt es gleich eine Größenordnung Anlagevermögen mehr in den Orkus.</p>
<p>Witzigerweise kann man weder den Kreditnehmern noch -gebern einen Vorwurf machen: alle taten jeweils das, &#8220;was alle tun&#8221;, und fuhren soweit sie sehen konnten gut damit; die Bank folgte dem Ruf des Marktes nach Krediten, und die Verbraucher nahmen die Kreditangebote der Banken an. Eine strengere Kreditvergabe hätte zwar die Ausfallrisiken verringert, aber an der Blasenbildung nichts geändert - irgendjemand muß die Zeche zahlen, wenn das eingesetzte Kapital sich wundersam vermehrt.</p>
<p>Die Tobinsteuer würde die Kapitalflüsse etwas bremsen. Wenn das Getriebe der Börse den Sand der Tobinsteuer überwinden müßte, vergrößert sich die Schwelle zur Kapitalflucht; die Asienkrise wäre deutlich milder ausgefallen. (Es gibt auch konkrete Vorschläge, wie und wohin sie abgeführt werden könnte.) Insgesamt scheint der Nutzen die Nachteile zu überwiegen, aber es ist kein Allheilmittel.<br />
Daran, die Finanzderivate zu regulieren und die Eigenkapitalquote der Privatwirtschaftlichen Banken zu erhöhen, führt kaum ein Weg vorbei, wenn sich etwas ändern soll.</p>
<p>Die grundsätzlichen Probleme der Vermögensasymmetrie sind damit aber auch noch nicht behoben: großes Geld wächst schneller als kleines Geld, und ab einem bestimmten Punkt wächst es schneller als es Werte aus der Realwirtschaft absaugen kann. Wenn die Kurse im großen Stil schneller steigen als die Produktivität, dann ist etwas faul.</p>
<p>Vielleicht sollten wir uns grundsätzlich erinnern, dass wir den ganzen Wirtschaftszirkus, mit Arbeitszwang, Hungerhartz, Umweltverschmutzung, Reklameterror, Müllbergen, Rohstoffkriegen und Dritte-Welt-Ausbeutung ja nicht zum Spaß veranstalten, oder um ein paar reiche Säcke noch reicher zu machen, sondern um uns alle in möglichst guter Qualität mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Wir sollten regelmäßig innehalten und fragen, wie ein Wirtschaftssystem beschaffen sein muß, dass das auch tut. </p>
<p>Im Moment läuft es leider auch dann schief, wenn gerade keine Krise ausgerufen wird: jedes Jahr steigern wir die Produktivität, aber die Lebens- und Arbeitsbedingungen der meisten Leute verschlechtern sich.</p>
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		<title>Von: bach</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/10/die-kreditkrise-und-das-geheimnis-des-geldes/#comment-484</link>
		<dc:creator>bach</dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Oct 2008 22:15:28 +0000</pubDate>
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		<description>@froschfilm

Selbstverständlich brauchen wir Abstraktionen. Aber die Begründung dieser Abstraktionen kann nicht ideologisch, wie bisher, sondern nur empirisch (z.B. durch den Vergleich einer anhand der Abstraktion gebauten Simulation mit der Realität) erfolgen. Im Moment wird die praktische Ökonomie weniger von wissenschaftlicher Erkenntnis als vom Konflikt unterschiedlicher Lobbyinteressen geprägt; Arbeitgeber, einzelne Branchen, Parteien und Gewerkschaften "halten" sich jeweils ihre Institute und Thinktanks und verkaufen ihre jeweilige Wunschvorstellung als Forschungsergebnis.

Wenn die ideologisch gefärbten Auseinandersetzungen zwischen Ordoliberalen, Neoklassikern und Neukeynesianern rein akademisch wären, dann könnten wir uns alle zurücklehnen und seufzen, dass die Herren ihre eigenen Modelle nicht verstehen. 

Wir benutzen aber die schlecht begründeten Aussagen dieser Herren, um konkrete Maßnahmen zu begründen, z.B. verlängern wir Arbeitszeiten, verzichten auf Mindestlöhne, erhöhen die Konsumsteuern, sparen 10 Milliarden bei der Arbeitslosenhilfe, stecken 65 Milliarden in die Rettung einer Bank usw. Je nach "Experte" sind alle diese Maßnahmen entweder grundfalsch oder goldrichtig. Es wäre schon ganz gut, wenn wir wüßten, was wir da tun... Stattdessen geht es zu wie bei den Geisteswissenschaftlern: die Herren bemühen sich um Anschlußfähigkeit statt um Validität.

Naja, vermutlich haben wir keinen Dissens.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>@froschfilm</p>
<p>Selbstverständlich brauchen wir Abstraktionen. Aber die Begründung dieser Abstraktionen kann nicht ideologisch, wie bisher, sondern nur empirisch (z.B. durch den Vergleich einer anhand der Abstraktion gebauten Simulation mit der Realität) erfolgen. Im Moment wird die praktische Ökonomie weniger von wissenschaftlicher Erkenntnis als vom Konflikt unterschiedlicher Lobbyinteressen geprägt; Arbeitgeber, einzelne Branchen, Parteien und Gewerkschaften &#8220;halten&#8221; sich jeweils ihre Institute und Thinktanks und verkaufen ihre jeweilige Wunschvorstellung als Forschungsergebnis.</p>
<p>Wenn die ideologisch gefärbten Auseinandersetzungen zwischen Ordoliberalen, Neoklassikern und Neukeynesianern rein akademisch wären, dann könnten wir uns alle zurücklehnen und seufzen, dass die Herren ihre eigenen Modelle nicht verstehen. </p>
<p>Wir benutzen aber die schlecht begründeten Aussagen dieser Herren, um konkrete Maßnahmen zu begründen, z.B. verlängern wir Arbeitszeiten, verzichten auf Mindestlöhne, erhöhen die Konsumsteuern, sparen 10 Milliarden bei der Arbeitslosenhilfe, stecken 65 Milliarden in die Rettung einer Bank usw. Je nach &#8220;Experte&#8221; sind alle diese Maßnahmen entweder grundfalsch oder goldrichtig. Es wäre schon ganz gut, wenn wir wüßten, was wir da tun&#8230; Stattdessen geht es zu wie bei den Geisteswissenschaftlern: die Herren bemühen sich um Anschlußfähigkeit statt um Validität.</p>
<p>Naja, vermutlich haben wir keinen Dissens.</p>
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		<title>Von: Max Mustermann</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/10/die-kreditkrise-und-das-geheimnis-des-geldes/#comment-470</link>
		<dc:creator>Max Mustermann</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 16:17:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/?p=178#comment-470</guid>
		<description>Es gibt mindestens zwei theoretische Modelle, wie man das Finanzsystem reformieren kann. Nicht mehrheitsfähig ist wahrscheinlich die Tobinsteuer, hier wäre z.B. nicht mal klar, an wen diese Steuer zu zahlen ist. Aber der zweite Vorschlag, jede Finanzaktion einer Bank an einen Mindestansatz an Eigenkapital zu binden, halte ich für bedenkenswert. Die Ackermannschen 25% Rendite kommen ja nur zustande, weil sie auf das Eigenkapital bezogen wird, während die Erwirtschaftung des Ertrages mit dem gesamten eingesetzten Kapital erfolgt.

Auf jeden Fall sind in der nächsten Zeit bestimmte Dogmen der letzten Jahre mausetot: Privatisierung ist per se gut, Deregulierung, der Markt kann sich nicht irren, kapitalgedeckte Altersvorsorge, etc. pp.

Ganz wichtig wäre es mMn auch, bei jeder eingelösten Staatsgarantie die entsprechende Bank zu kaufen, d.h. in Staatsbesitz zu überführen.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt mindestens zwei theoretische Modelle, wie man das Finanzsystem reformieren kann. Nicht mehrheitsfähig ist wahrscheinlich die Tobinsteuer, hier wäre z.B. nicht mal klar, an wen diese Steuer zu zahlen ist. Aber der zweite Vorschlag, jede Finanzaktion einer Bank an einen Mindestansatz an Eigenkapital zu binden, halte ich für bedenkenswert. Die Ackermannschen 25% Rendite kommen ja nur zustande, weil sie auf das Eigenkapital bezogen wird, während die Erwirtschaftung des Ertrages mit dem gesamten eingesetzten Kapital erfolgt.</p>
<p>Auf jeden Fall sind in der nächsten Zeit bestimmte Dogmen der letzten Jahre mausetot: Privatisierung ist per se gut, Deregulierung, der Markt kann sich nicht irren, kapitalgedeckte Altersvorsorge, etc. pp.</p>
<p>Ganz wichtig wäre es mMn auch, bei jeder eingelösten Staatsgarantie die entsprechende Bank zu kaufen, d.h. in Staatsbesitz zu überführen.</p>
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	</item>
	<item>
		<title>Von: froschfilm</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/2008/10/die-kreditkrise-und-das-geheimnis-des-geldes/#comment-466</link>
		<dc:creator>froschfilm</dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2008 10:06:59 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">http://community.vanityfair.de/blogs/joscha-bach/?p=178#comment-466</guid>
		<description>Vielen Dank für diesen hervorragenden Beitrag! Einzig die These, "mehr Empirie in der Ökonomik" ist etwas wohlfeil. Natürlich darf Ökonomik nicht im luftleeren Raum stattfinden. Auf abstrakte Prinzipien wird man aber nicht verzichten können, geschweige denn kann man empirische Abhängigkeiten zur Basis(!) einer Theorie machen. Die Simulationsmodelle stecken da in der Tat noch in den Kinderschuhen, weil man sich völlig uneins ist, wo und auf welche Weise die Empirie in die Modelle eingebaut werden soll. Es gibt auch tatsächlich Forscher, die maximal-empirisch arbeiten wollen, aber die erreichen weder ihr Ziel einer 1:1 Abbildung der Welt, noch verstehen sie ihre eigenen Modelle.</description>
		<content:encoded><![CDATA[<p>Vielen Dank für diesen hervorragenden Beitrag! Einzig die These, &#8220;mehr Empirie in der Ökonomik&#8221; ist etwas wohlfeil. Natürlich darf Ökonomik nicht im luftleeren Raum stattfinden. Auf abstrakte Prinzipien wird man aber nicht verzichten können, geschweige denn kann man empirische Abhängigkeiten zur Basis(!) einer Theorie machen. Die Simulationsmodelle stecken da in der Tat noch in den Kinderschuhen, weil man sich völlig uneins ist, wo und auf welche Weise die Empirie in die Modelle eingebaut werden soll. Es gibt auch tatsächlich Forscher, die maximal-empirisch arbeiten wollen, aber die erreichen weder ihr Ziel einer 1:1 Abbildung der Welt, noch verstehen sie ihre eigenen Modelle.</p>
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