Der Blick des Cyborgs

Die kalifornische Künstlerin Tanya Vlach hat auf der Fahrt zum Burning-Man-Festival ihr linkes Auge in einem Autounfall verloren. Wie ca. ein Viertel aller US-Amerikaner hatte sie zwar keine Krankenversicherung und deshalb jetzt mehr Schulden als Fannie Mae, aber auf der Haben-Seite stehen jede Menge Energie, Grips und - Stil!
Sie hat daher beschlossen, sich anstelle des fehlenden Auges eine Kamera einsetzen zu lassen. Mit Bluetooth, Flash-Speicher und eigenständiger Energieversorgung. Ingenieure ans Werk!


Mir fallen dazu zwei Dinge ein:

  • Das Boston Retinal Eye Project, bei dem der intakte Sehnerv durch eine künstliche Retina befüttert werden soll.
  • Samuel Delanys großartiger Roman “Stars in my pocket, like grains of sand”, in dem unter vielem anderem beschrieben wird, welche Entwicklungen Zivilisationen in der Prothetik nehmen. Sie beginnen mit krudem Ersatz, erreichen in der nächsten Stufe perfekte Imitation von Form und Funktion und gehen schließlich darüber hinaus, indem sie aus dem künstlichen Körperteil einen Kunstgegenstand machen.
  • Tanya Vlachs künstliches Auge wird sicher nicht an ihren visuellen Kortex oder ihren Sehnerv angeschlossen werden, aber vielleicht ans Internet, oder an einen Datenspeicher, der dadurch zu einem externen Gedächtnis ihrer Tage wird. Es ist nicht notwendig, dieses Gedächtnis schon heute zu organisieren und zu nutzen - ich bin sicher, dass in wenigen Jahrzehnten Software existiert, die all diese Daten in ähnlicher Weise auswerten kann wie ein Gehirn. Die Energie (und Verrücktheit) von Leuten wie Tanya Vlach wird dazu sicherlich beitragen.

    (Via Engadget)

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