Archiv für die Kategorie „Künstliche Intelligenz“

Wieviel Bit hat ein Mensch?

Montag, 29. Dezember 2008

Manchmal kann man lesen, der Mensch (oder sein Gehirn) sei das Komplizierteste Dings im Universum. Schonmal drüber nachgedacht, ob das stimmt?

Wenn es nach dem Umfang unseres Bauplans geht (also nicht nach den paar hundert Gigabyte Erinnerungen und Eindrucken, die wir im Leben in uns behalten), dann sind wir sogar viel weniger komplex als ein Computerbetriebssystem wie WindowsXP. Unsere Gene passen deprimierenderweise komplett auf eine CD!

In den USA veranstaltet die Gen-Analyse-Firma 23andMe “Spuckparties”, bei denen man in gepflegter Umgebung seinen Speichel hinterlassen kann, um sich dann die CD schicken zu lassen…

Wenigstens stürzen wir viel seltener ab als XP, und die meisten von uns sehen auch noch besser aus.

(Nebenbei: Diese Datenmenge definiert die maximale notwendige Grössenordnung für den Umfang eines künstlich intelligenten Programms. Es muss keinesfalls umfangreicher als ein paar hundert Megabytes sein, und vermutlich viel weniger, denn 1. sind unsere Gene nicht alle in Verwendung und 2. codieren die meisten nicht das Nervensystem.)

Computerprogramm schlägt Go-Meister

Freitag, 12. Dezember 2008

Ein großes Problem bei der Künstliche-Intelligenz-Forscherei ist bekanntlich die Suche nach der passenden Aufgabenstellung. Wenn man nicht aufpaßt, findet man ein Problem, zu dessen Lösung man viel Zeit, Energie und Hirnschmalz investiert - und zum Schluß hat man dann doch nix Intelligentes, sondern bloß einen schachspielenden Toaster oder eine wüstentaugliche Einparkhilfe.

Seit einige Zeit gibt es eine Programmierer-Community, die sich dem Go-Spiel zugewandet hat. Bisher eine harte Nuss - die nun aber erste Risse zeigt: das Programm MoGo hat einen Profi-Spieler besiegt (wenn auch mit neun Steinen Vorgabe).

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Auf dem Weg zum Zweitgedächtnis

Freitag, 5. Dezember 2008

Vergessen ist eine lästige Angewohnheit; ich tappe immer wieder durch den dunklen Wald meines Gedächtnisses auf der Suche nach einer Gedankenspur, und die Schnipsel, mit denen ich seinerzeit den Weg markiert habe, sind von den Vögeln gefressen worden.

Warum das Schnipseln nicht automatisieren? Einfach jederzeit, wenn etwas Interessantes geschieht (und meinetwegen auch zwischendurch) eine kurze Bildnotiz aufnehmen und abspeichern - das ist für den Anfang ein guter Kompromiss. Und siehe da, mit dem iPhone kann ich das recht praktisch erledigen.

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Der Lückengott schlägt wieder zu

Montag, 27. Oktober 2008

Im unaufgeklärten Christentum (d.h. vor allem im Mittelalter, in den USA und den Lesern des Onlineforums der Zeitung “Die Welt”) gibt es das Bestreben, die Wirkungsmacht Gottes in diejenige Bereiche zu verlegen, die wissenschaftlich nicht abschließend bearbeitet sind. Dazu gehören beispielsweise der Urknall, die Quantenphysik und die Entstehung des Lebens auf der Erde.

Das hat zwei Effekte:

1. Gott wird mit zunehmendem Wissenszuwachs immer kleiner und machtloser.
2. Die Religionsanhänger fühlen sich verpflichtet, die Lücken zu verteidigen und den Wissenschaftsfortschritt zu bekämpfen, weil das Schließen von Wissenslücken einer Vertreibung Gottes aus der Welt gleichkommt.
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Spielende Computer

Sonntag, 26. Oktober 2008

(Bild: Elbot.de)

Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Erforschung Künstlicher Intelligenz scheint die Wahl der richtigen Aufgabe zu sein. 1950 schlug Alan Turing vor, dass man Intelligenz am besten durch eine Unterhaltung mit dem Probanden feststellen könnte, und die Idee, die Gesprächsfertigkeiten von Menschen und Computern durch eine Jury zu vergleichen, nennt man den Turing-Test.
In Anlehnung an diese Idee wird jedes Jahr der Loebner-Preis-Wettbewerb abgehalten. (Elbot, das diesjährige Gewinnerprogramm hat immerhin ein Viertel der Jurymitglieder ausgetrickst). Leider hat sich herausgestellt, dass die beste Strategie nicht darin besteht, ein besonders kreatives, begabtes, intelligentes, wissensverarbeitendes, planendes, wahrnehmungsfähiges oder einfühlsames Programm zu schreiben, sondern eines, das trickreich mit Bonmots und vorgefertigten Phrasenbausteinen um sich wirft. Das ist wie in der Politik: es geht nicht darum, möglichst gute Lösungen anzubieten, sondern sich nicht in die Karten schauen zu lassen und den Leuten zu sagen, was sie hören wollen…
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Die Singularität der Künstlichen Intelligenz

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Es gibt viele Weisen, auf die eine Zivilisation sterben kann. Die Spannendste nennt sich “KI-Singularität” und wird nicht durch zu viel Dummheit, zu viel Gewalt, zu viel Umweltverschmutzung, zu viel Liquidität auf den Aktienmärken, zu viel Erderwärmung oder ein komplett gebrochenes Herz verursacht, sondern durch zu viel Intelligenz.
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Wo Drohnen dröhnen

Montag, 22. September 2008


(Bild: Quadrokopter auf Motodrone.org)

Am Sonnabend beherbergte der ehemalige Militärflughafen Finowfurt die erste Internationale Open-Source-Flugrobotermeisterschaft. Über 100 Flugrobotiker scharten sich und ließen ferngesteuerte, vor allem aber selbstständige (autonome) Flugmaschinen abheben.
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Semantische Spinnweben

Montag, 22. September 2008


Mæve installation @ Venice Biennale 2008

Wenn unsere Köpfe nur nicht so klein und siebartig wären! Seit vielen Jahren wünsche ich mir eine Erweiterung meiner bröckeligen Hirnrinde, durch gedankenartig funktionierende Programme, die all die Eindrücke, Konzepte und Ideen, denen wir immerfort begegnen, in Bedeutungsfäden einspinnen. Wann immer ich sie brauche, kann ich dann an ein paar Fäden ziehen und die Gedanken wieder hervorholen.

Eine Gruppe von Interface-Designern an der FH Potsdam hat zur Biennale in Venedig eine faszinierende Installation gebaut, die uns in dieser Richtung weiterdenken läßt: Mæve.
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Die Olympiade der Roboter

Mittwoch, 27. August 2008

Der Computerfußball (RoboCup) hat eine ganze Reihe von humanoiden Kleinrobotern an den Start gebracht. Noch fällt es den kleinen Zweibeinern schwer, nicht über ihre Füße zu fallen, und wenn doch, dann wieder aufzustehen. Auf Challenge-Wettkämpfen kann man sehen, welche Fortschritte die Teams dabei machen. Ich könnte mir das den ganzen Tag angucken… Jedenfalls, wenn es draußen regnet und drinnen die Arbeit wartet.

(Via BoingBoing)

Computergrafik im Tal des Grauens

Mittwoch, 20. August 2008

(Diese Dame ist computergeneriert: Image Metrics)

Die Schöpfer von “Emily” hoffen, einen wichtigen Durchbruch gemacht zu haben: ihre Animationen sehen so menschenähnlich aus, dass der Betrachter sich nicht mehr an eine gespenstische Wachspuppe oder einen Zombie erinnert fühlt.

Computergrafik (und Robotik) hat nämlich einen irritierenden Effekt - wenn sie abstrahiert und cartoonhaft bleibt, wirkt sie oft überzeugender als wenn sie sich dem Aussehen realer Menschen stark annähert. Diesen Effekt hat der japanische Robotiker Masahiro Mori “das gruselige Tal” (uncanny valley) getauft.

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Sie sind aus Fleisch

Dienstag, 29. Juli 2008

(Illustration: Mira Voigt)

“Sie sind aus Fleisch.”

“Fleisch?”

“Fleisch. Sie sind aus Fleisch.”

“Fleisch?”

“Da gibt’s keinen Zweifel. Wir haben mehrere eingesammelt, aus verschiedenen Gegenden des Planeten, haben sie an Bord unserer Aufklärungsschiffe geholt und vollständig durchsondiert. Sie sind komplett aus Fleisch.”
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Spieglein, Spieglein im Gehirn?

Mittwoch, 2. Juli 2008


(JUPITERIMAGES, Collage: Vanity Fair Online)

Jonah Lehrer vom Scientific American interviewte gerade den Neurowissenschaftler Marco Iacobini zum berüchtigten Thema “Spiegelneurone”. Spiegelneurone befinden sich im Großhirn, in der Nähe derjenigen Bereiche, die Bewegungen und Sprache steuern. Geht es nach Iacobini und Lehrer, dann können diese Neuronen alles mögliche erklären:

Was diese Zellen so interessant macht: sie werden sowohl aktiv, wenn wir eine bestimmte Aktion ausführen - wie z.B. Lächeln oder das Greifen nach einer Tasse - als auch dann, wenn wir diese Aktion bei jemand anderem beobachten. Mit anderen Worten, sie lassen die Unterscheidung zwischen Sehen und Handeln in sich zusammenfallen.

Huch? - Jawoll. Iacobini gehört zu jenen Leuten, die glauben, dass Spiegelneuronen die gesehen Aktionen anderer Menschen so “spiegeln”, als würden wir sie selbst ausführen.
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Morgen, 15.00 Uhr: elektrische Terminkalender versklaven die Menschheit

Montag, 23. Juni 2008

In seiner 1962 erschienen Erzählung The Creature from Cleveland Depths beschreibt der amerikanische Science-Fiction-Autor Fritz Leiber eine interessante Erfindung: Den “Tickler”. Weil der Held seiner Erzählung seine Lieblingssendung im Fernsehen verpaßt, ersinnt er eine raffinierte Vorrichtung: eine “mechanische Sekretärin”. Und damit sie wenig Platz verbraucht, handelt es sich einfach um ein kleines, handliches Elektrogerät, das direkt am Körper getragen wird, und seinen Besitzer durch einen Vibrationsalarm (Leiber spricht von einem “Zwicken”) an zuvor markierte Verpflichtungen erinnert. Aber nachdem jemand auf die Idee kommt, dass sich dieser Terminkalender mit seinesgleichen zu einem sozialen Netzwerk synchronisieren kann, sind die Pforten zu einer Weltuntergangskatastrophe geöffnet. Ob Leiber die globale Bedrohung durch Google Calendar und Microsoft Exchange vorausgeahnt hat?
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Wenn Roboterkinder nach Schönheit suchen

Sonntag, 22. Juni 2008

Gestern hatte ich einen interessanten Artikel in meiner Mailbox: Der japanische Universitätsprofessor Tetsuo Suga plant, Computern das Sprechen beizubringen. Nicht etwa, dass er ihnen die Fähigkeit einprogrammiert, irgendwelche Wortfolgen nachzuplappern wie ein Callcenter-Programm, sondern indem er ihnen das Vermögen gibt, Sprache so zu lernen wie ein kleines Kind. Sein Ziel ist ganz anders als das beim Entwickeln von Übersetzungsprogrammen: Er möchte nicht, dass sein Programm so tut, als sei es ein Erwachsener. Wenn Tetsuo Sugas Roboterkind einfache Geschichten verstehen und wiedergeben kann, zunächst so wie ein Zweijähriger, dann wie ein Dreijähriger, und schließlich wie ein Vorschulkind, dann hat er Erfolg gehabt.
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Maschinenmensch und Menschmaschine

Sonntag, 1. Juni 2008

“Robonova-I” am 30. November 2005 in Tokyo, Japan. Bild: Getty Images

„L’homme machine“ – das ist der maschinenfreundliche Mensch, und der Mensch, der sich selbst als eine Maschine begreift: als eine ineinander- und in die Welt greifende Ansammlung von informationsverarbeitenden Teilen. „L’homme machine“ ist natürlich der Titel eines Nerd-Blogs.

Vor genau 260 Jahren schrieb ein der französische Aufklärer Julien Offray de La Mettrie schon einmal eine größere Menge Text unter dem Titel „L’homme machine“. La Mettrie war ein Verfechter der Idee der Künstlichen Intelligenz (KI) – dass man nämlich den menschlichen Geist als Maschine nachbauen kann. Und zwar deshalb, weil der Mensch durch und durch eine Maschine ist – genau so, wie der Rest des Universums auch.

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