Archiv für die Kategorie „Wissenschaft“

Wieviel Bit hat ein Mensch?

Montag, 29. Dezember 2008

Manchmal kann man lesen, der Mensch (oder sein Gehirn) sei das Komplizierteste Dings im Universum. Schonmal drüber nachgedacht, ob das stimmt?

Wenn es nach dem Umfang unseres Bauplans geht (also nicht nach den paar hundert Gigabyte Erinnerungen und Eindrucken, die wir im Leben in uns behalten), dann sind wir sogar viel weniger komplex als ein Computerbetriebssystem wie WindowsXP. Unsere Gene passen deprimierenderweise komplett auf eine CD!

In den USA veranstaltet die Gen-Analyse-Firma 23andMe “Spuckparties”, bei denen man in gepflegter Umgebung seinen Speichel hinterlassen kann, um sich dann die CD schicken zu lassen…

Wenigstens stürzen wir viel seltener ab als XP, und die meisten von uns sehen auch noch besser aus.

(Nebenbei: Diese Datenmenge definiert die maximale notwendige Grössenordnung für den Umfang eines künstlich intelligenten Programms. Es muss keinesfalls umfangreicher als ein paar hundert Megabytes sein, und vermutlich viel weniger, denn 1. sind unsere Gene nicht alle in Verwendung und 2. codieren die meisten nicht das Nervensystem.)

Ethik kontra Hirnforschung

Montag, 17. November 2008

Der Neurobiologe Andreas Kreiter leistet großartige Grundlagenforschung an der Uni Bremen, aber wenn es nach der Bremer Gesundheitsbehörde geht, wird er sich bald umstellen müssen: er bohrt dazu nämlich Kabelanschlüsse in Primatenköpfe, um die Aktivität der Gehirne bei Wahrnehmungsprozessen zu messen. Durch sogenannte Einzelzell-Ableitung kann gemessen werden, was einzelne Neurone tun, was wesentlich aufschlußreicher ist, als die heutigen fMRI-Scanner es zulassen. Soll er das dürfen?

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Der Lückengott schlägt wieder zu

Montag, 27. Oktober 2008

Im unaufgeklärten Christentum (d.h. vor allem im Mittelalter, in den USA und den Lesern des Onlineforums der Zeitung “Die Welt”) gibt es das Bestreben, die Wirkungsmacht Gottes in diejenige Bereiche zu verlegen, die wissenschaftlich nicht abschließend bearbeitet sind. Dazu gehören beispielsweise der Urknall, die Quantenphysik und die Entstehung des Lebens auf der Erde.

Das hat zwei Effekte:

1. Gott wird mit zunehmendem Wissenszuwachs immer kleiner und machtloser.
2. Die Religionsanhänger fühlen sich verpflichtet, die Lücken zu verteidigen und den Wissenschaftsfortschritt zu bekämpfen, weil das Schließen von Wissenslücken einer Vertreibung Gottes aus der Welt gleichkommt.
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Spielende Computer

Sonntag, 26. Oktober 2008

(Bild: Elbot.de)

Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Erforschung Künstlicher Intelligenz scheint die Wahl der richtigen Aufgabe zu sein. 1950 schlug Alan Turing vor, dass man Intelligenz am besten durch eine Unterhaltung mit dem Probanden feststellen könnte, und die Idee, die Gesprächsfertigkeiten von Menschen und Computern durch eine Jury zu vergleichen, nennt man den Turing-Test.
In Anlehnung an diese Idee wird jedes Jahr der Loebner-Preis-Wettbewerb abgehalten. (Elbot, das diesjährige Gewinnerprogramm hat immerhin ein Viertel der Jurymitglieder ausgetrickst). Leider hat sich herausgestellt, dass die beste Strategie nicht darin besteht, ein besonders kreatives, begabtes, intelligentes, wissensverarbeitendes, planendes, wahrnehmungsfähiges oder einfühlsames Programm zu schreiben, sondern eines, das trickreich mit Bonmots und vorgefertigten Phrasenbausteinen um sich wirft. Das ist wie in der Politik: es geht nicht darum, möglichst gute Lösungen anzubieten, sondern sich nicht in die Karten schauen zu lassen und den Leuten zu sagen, was sie hören wollen…
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Bringen Sie Ihr Gedächtnis in Ordnung!

Samstag, 25. Oktober 2008

Müssen Sie eine schmerzvolle Erfahrung bewältigen? Gehen Sie vielleicht sogar mit Magenschmerzen und Atemnot durch den Alltag, weil Trauer, Panik oder Liebesleid Sie bedrücken? Lacuna Incorporated könnte Ihnen möglicherweise helfen und die störende Erinnerung spurlos und ganz ohne Nebenwirkungen aus Ihrem Gedächtnis tilgen!
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Die Singularität der Künstlichen Intelligenz

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Es gibt viele Weisen, auf die eine Zivilisation sterben kann. Die Spannendste nennt sich “KI-Singularität” und wird nicht durch zu viel Dummheit, zu viel Gewalt, zu viel Umweltverschmutzung, zu viel Liquidität auf den Aktienmärken, zu viel Erderwärmung oder ein komplett gebrochenes Herz verursacht, sondern durch zu viel Intelligenz.
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Die Kreditkrise und das Geheimnis des Geldes

Dienstag, 7. Oktober 2008


(Bild: Max von Bock)

In den USA geschieht gerade Rätselhaftes: Blühende Konsumlandschaften implodieren, und rätselhafte Schwarze Löcher tun sich auf, um urplötzlich unvorstellbare Geldbeträge zu vernichten. Keiner scheint zu wissen, wieviel genau - selbst die Zahl von 700 Milliarden Dollar (mit denen George Bush die Banken stützen will) ist frei aus der Luft gegriffen:

“Das beruht nicht auf konkreten Daten,” sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums am Dienstag zu Forbes.com. “Wir wollten einfach eine richtig große Zahl nehmen.”

Unsere Systemlenker sitzen ratlos im Führerstand eines Kraftwerks mit Unmengen rot blinkender Alarmlämpchen. Verzweifelt und erratisch werfen sie hier und da Schalter herum und gießen Treibstoff in die Turbinen, weil sie wissen, dass sonst wahrscheinlich überall gleich das Licht ausgeht. Es fehlt an Erfahrungswerten und Wissen: Es gab zwar schon mehrere Krisen, aber es ist erst das zweite Mal, dass das Kraftwerk so kurz vor dem totalen Kollaps steht - und beim ersten Mal (1929) ist es leider explodiert.

Dabei war die Katastrophe bereits seit vielen Jahren angekündigt - und spätestens seit 2005 praktisch in aller Munde. Und beunruhigenderweise ist auch manchen “Experten” unklar, warum das passiert ist; selbst unser Außenminister macht irgendwelche diffusen schlechten Emotionen bei den beteiligten Finanzmenschen als Ursache aus: er spricht von Leichtsinn, Gier und Unvernunft als den Ursachen des Debakels. Das ist vergleichsweise albern, ungefähr so, als würde man die unverantwortliche Gier der Stromkunden für einen landesweiten Stromausfall verantwortlich machen, oder den hemmungslosen Fortbewegungsdrang der Autofahrer für den Zusammenbruch einer Brücke. Das Banksystem ist eine systemische, maschinelle Angelegenheit, in der Menschen nur als lokale Nutzenmaximierer vorkommen. Und wenn deren lokale Tätigkeit zum globalen Zusammenbrechen führt, dann liegt der Konstruktionsfehler im System. Die Lösung kann weder in mahnenden Worten an Herrn Ackermann noch in einer kurzfristigen Geldspritze bestehen, sondern nur in einer Neuordnung des Wirtschaftssystems.

Zeit, mal kurz über eine der alltäglichsten Sachen überhaupt nachzudenken: das Geld.
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Wie Reddit einmal die Welt rettete

Donnerstag, 11. September 2008

(Bild: Spiegel Online)

Wie Sie bestimmt wissen, findet in diesem Tagen am CERN das Weltuntergangsexperiment statt. Wahnsinnige Wissenschaftler blasen unschuldige Atome mit Karacho durch einen magnetischen Nürburgring, bis sie ineinandernageln. Sie selbst stehen fusselbärtig und weißbekittelt an der Bande, schwenken die Notizblöcke und dokumentieren das Crashgeschehen. Der Spiegel hat ein ganz großartiges Interview mit dem Tübinger Chaostheorie-Professor Otto Rössler, in dem derselbe anschaulich und mit bebender Stimme erklärt, wie der Large Hadron Collider uns die Erde unter dem Allerwertesten wegreißen wird.

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Quantenspuk in der Schweiz

Freitag, 15. August 2008

(Illustration: Steven Notley)

Schweizer Physiker Nikolas Gisin wundert sich, dass die Welt mal wieder so funktioniert, wie die Quantenphysik es voraussagt:

“Ehrlich gesagt, das Ganze ergibt keinen Sinn.”
Nikolaus Gisin

Was hat Gisin gemacht? Er und seine Genfer Kollegen haben Paare von “verschränkten” Photonen erzeugt, ein 18km langes Glasfaserkabel zwischen den Dörfern Satigny und Jussy verlegt und je ein Photon in eines der Dörfer geschickt. Wenn man nun Eigenschaften eines der Photonen in Jussy bestimmte, dann beeinflußte das die Eigenschaften des zugehörigen Photons in Satigny, und umgekehrt. Diese Beeinflussung breitete sich nicht mit Lichtgeschwindigkeit aus (es ist also nicht so, dass das eine Photon dem anderen eine Nachricht zukommen lassen konnte), sondern erfolgte augenblicklich.
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Der Large-Hadron-Collider-Rap

Montag, 11. August 2008

Schon immer gewundert, was die Physiker am Schweizer CERN den ganzen Tag tun, und warum? Hier eine konzise Erläuterung:

- Rappende Physiker, sozusagen das Beste zweier Welten. Obwohl, naja.

(Via Engadget)

Wie entsteht Erdöl? - Der russisch-westliche Konflikt über die richtige Theorie

Donnerstag, 7. August 2008


Die russische Presseagentur RIA-Novosti tickerte gestern abend, dass eine Gruppe von russischen Wissenschaftlern dabei sei, dem Rätsel der Erdölentstehung auf den Grund zu gehen.

Und zwar auf den Grund des Baikalsees, in den fortwährend Öl aus unterirdischen Quellen leckt (um dort von Mikroorganismen verzehrt zu werden).

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Gibt es Hoffnung für die Wasserstoffwirtschaft?

Donnerstag, 7. August 2008

Irgendwann werden wir mit unseren ungläubigen Enkeln vorm Kamin sitzen und ihnen vom Erdöl erzählen: “Kinder, das Zeug war so billig, das haben wir damals verbrannt.” - Die Frage ist nur, womit werden wir in Zukunft herumfliegen, fahren und heizen? Selbst wenn es uns gelingt, unsere Energieversorgung auf nichtfossile Weise sicherzustellen, müssen wir die Energie noch immer speichern und verteilen. Und Akkus sind nicht nur teuer, sondern auch sehr schwer.

Der Energieträger der Zukunft ist Wasserstoff - und wird es auch immer sein, wie manche witzeln. Mit Wasserstoff kann man Autos und Generatoren betreiben, und dabei entsteht kein Kohlendioxyd, sondern nur Wasserdampf. Problematisch sind allerdings Lagerung, Verteilung und vor allem Erzeugung: Die Herstellung von Wasserstoff aus Wasser benötigt extrem viel Energie und ist daher ziemlich teuer.

Daniel Nocera vom MIT hat möglicherweise einen Teil der Lösung - zumindestens für das Herstellungsproblem.
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Physik und Metaphysik

Mittwoch, 30. Juli 2008

- Mädchen ergeben gar keinen Sinn.
- Religion auch nicht, aber die Leute schlucken’s trotzdem.

- Glaubst du an Wahre Liebe?
- Mindestens so sehr wie an den Schneemenschen und den Amerikanischen Traum.

- Warum klammern wir uns unentwegt an Sachen, die wir nicht sehen können?
- Die Schwerkraft bringt uns von klein auf bei, auf den Arsch zu fallen.

Das Webcomic Dieselsweeties verhandelt seit einigen Jahren zuverlässig die Probleme pixeliger Nerds, robotischer Liebhaber, misanthropischer Toaster und alternder Computer. Weil Richard Stevens immer mal wieder ein Geniestreich gelingt, lohnen gelegentliche Besuche.

Ferien auf dem Jupiter

Dienstag, 29. Juli 2008

Vulkanausbrüche auf Jupitermond Io (Bild: NASA/JPL/University of Arizona)

Der Boston Globe nimmt den Umstand, dass Jupiters Großer Roter Fleck kürzlich einen seiner kleinen Cousins verzehrte, zum Vorwand, um eine wunderschöne Fotoserie unseres voluminösesten Nachbarn im Sonnensystem zusammenzustellen. (Beim Großen Roten Fleck handelt es sich um einen riesigen Sturm, der mindestens seit dem 17. Jahrhundert anhält.)

(via Nerdcore)

Das Ende aller Theorie?

Freitag, 25. Juli 2008


Vielleicht haben wir den Punkt erreicht, an dem Wissenschaftler aufhören, Theorien zu entwerfen, die sie dann experimentell überprüfen können. Stattdessen begnügen wir uns mit den Daten, die uns ja überreichlich zur Verfügung stehen, und werten diese Daten dann je nach Bedarf aus. Nicht im Hinblick darauf, was für eine Wahrheit hinter diesen Daten verborgen liegt, sondern einzig und allein mit Blick darauf, ob das Resultat für unseren konkreten Zweck funktioniert.

Das meint jedenfalls Chris Anderson auf Wired:

Alle Modelle sind falsch, aber zunehmend können wir ohne sie auskommen.
Peter Norvig (KI-Wissenschaftler, z.Zt. Director of Research bei Google)

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