Archiv für April 2007

Petting statt Putin

Freitag, 27. April 2007

Der neue Ausfall des Russen-Präsidenten zeigt endgültig: Er ist ein Machtmensch schlimmster sowjetischer Art

“Undiplomatisch” – so lautete der Vorwurf an die amerikanische Außenministerin Condolleezza Rice, nachdem diese folgendes gesagt hatte: “Die Vorstellung, dass zehn Abfangraketen und ein paar Radarschirme in Osteuropa die sowjetische strategische Abschreckung bedrohen, ist schlichtweg lächerlich und jeder weiß das”. Lächerlich. In der Tat. Nur in Deutschland mag man nicht lachen.

Warum Rice bei allzeit sensiben deutschen Friedensfreunden vor allem in der Sozialdemokratie als “undiplomatisch” gilt, während das unverhohlene Drohen des russischen Staatspräsidenten gegen die ehemals unterdrückten Satellitenstaaten und den Westen als irgendwie berechtigt, zumindest verständlich angesehen wird, das muss äußerst beunruhigen.

Es zeigt, dass Putins Spiel, die blanke Machtpolitik samt Einschüchterung in Deutschland, aber nicht nur hier auf fruchtbaren Boden fällt. Der Ami ist halt tendenziell immer der böse.
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Kein Feind, nirgends

Montag, 23. April 2007

John McCain, Ronald Reagan: Für Deutsche ist das schlimmste Verbrechen brachiale Sprache, nicht brachiale Despoten

“Ich freue mich ihnen mitzuteilen, dass in fünf Minuten der Angriff auf die Sowjetunion beginnt”. Der Satz, den Ronald Reagan bei einer legendären Mikrofonprobe sprach setzte 1983 ein ganzes Land in Aufruhr: Nicht etwa die USA. Sondern natürlich Deutschland.

So ähnlich war das wieder letzte Woche: John McCain, der chancenlose republikanische Präsidentschaftsbewerber hatte bei einer Wahlveranstaltung auf die Frage eines Anhängers “Wann wir den Irabern eine kleine Grußbotschaft senden” geantwortet: “Sie meinen den Song von den Beach Boys?” Dann sang er zum Beach-Boys-Song “Barbara Ann” den Text “Bom, bomb, bomb, bomb, bom Iran”. Wer die Szene auf YouTube sieht, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ja, ich bekenne, ich fand die Idee witzig, den Beach-Boy-Song umzudichten. (more…)

War Hitler letztlich Antifaschist?

Montag, 16. April 2007

Nicht alle agierten im Widerstand gegen Hitler so unklug wie die “Weiße Rose” oder Georg Elser

Zum Beispiel Hans Filbinger, der durch subversivste Überanpassung rebellierte.

Wer auch Widerstandskämpfer war, aber leider nicht mit einer Trauerrede von Günther Oettinger gewürdigt werden konnte:

Albert Speer
Leni Riefenstahl
Kurt-Georg Kiesinger
Hans Globke
Herrman-Josef Abs
Werner Höfer
Arno Breker
Herrmann Gehlen
Martin Heidegger
Josef Neckermann

Es läuft eben doch auf den Satz von Wiglaf Droste hinaus, der schon vor Jahren die Frage stellte: War auch Hitler letztlich Antifaschist?

German Angst

Donnerstag, 12. April 2007

Selbstkritik war einmal die größte Stärke des Westens – übriggeblieben davon ist ein leeres Ritual

Ich kenne Menschen, die mit großer Distinktionsfähigkeit ausgestattet sind. Mit Bestimmtheit unterscheiden sie in ihrem täglichen Leben zwischen Gut und Böse, zwischen dem, was sie wollen und dem, was sie ablehnen. Sei es bei Filmen, Turnschuhmarken, Musik, Jeans, Freunden. Ein kleines fehlerhaftes Detail: Und diese Jeans geht nicht mehr, oder dieser Mensch hat ausgespielt und wird nicht als seinesgleichen akzeptiert. Komischerweise versagt bei diesen Menschen, es handelt sich zumeist um großstädtische Milieus um die 30, in der Politik dieses hoch ausdifferenzierte Bewertungssystem völlig. Nicht nur einmal musste ich mir auf Berliner Partys Weltsichten anhören, die mich erschaudern ließen, und zwar von Menschen, die ich sonst schätze. Diese Weltsicht geht so: Ja, vieles ist von Übel auf der Welt, Kriege, Hunger, Ungerechtigkeit. Es gibt Kim Jong-Il und Ahmadenidschad und George Bush. Aber irgendwie hängt alles mit allem zusammen und letztlich sind alle die gleichen Banausen, große Unterscheidungen zwischen den Weltbanausen lohnen nicht. Ahmadenidschad=Bush. Im Zweifelsfall aber ist Bush noch schlimmer als Ahmadenidschad. Atomwaffen für Iran? Wieso? Israel hat doch auch welche. Iran=Israel. Ahmadenidschad ist gefährlich? Wieso? Bush doch mindestens genauso. (more…)

Das Gift der RAF

Samstag, 7. April 2007

Auch 30 Jahre nach dem Deutschen Herbst fordert die Terrortruppe Opfer: wenn auch nur intellektuelle

Vor dreißig Jahren wurde der Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordet. Normalerweise würde es jetzt losgehen, das deutsche Erinnerungstheater. Indes, es läuft schon. Schuld daran sind Klar und Mohnhaupt. Und weil die Talkshows schon seit Wochen heiß laufen, kann man inzwischen schon eine Zwischenbilanz des RAF-Erinnerungsjahrgangs 2007 ziehen. Die letzen zwei Opfer der RAF heißen Gerhart Rudolf Baum und Claus Peymann. Von beiden wird gern in diesen Tagen gesagt, auch 30 Jahre danach sei die Zeit nicht aufgearbeitet. Wie immer verwechseln die Protagonisten ihre spezielle Befindlichkeit mit der allgemeinen. Baum und Peyman haben IHRE Siebziger noch nicht aufgearbeitet. In Wirklichkeit gibt es nichts aufzuarbeiten. Die meisten Deutschen sind wahrscheinlich der Meinung, und das zurecht, die RAF sei eine Mörderbande gewesen, und zwar von Anfang an. Irre, die wirklich geglaubt haben, und zwar ausgerechnet in der glücklichsten Ära der Bundesrepublik (ach käme sie wieder!), diese sei ein faschistischer Staat. Peymann findet wohl tatsächlich immer noch: Ja, das hat man damals tatsächlich glauben können, denn: Klar, aber auch er selbst, Peymann, seien Angehörige einer “tragischen Generation.” Was meint er damit? Tragik, das klingt nach unausweichlicher Verstrickung, nach Verlust der Entscheidungsfähigkeit, nach griechischem Drama, nach düsteren Kräften, gegen die man nichts ausrichten kann und die einen in den Untergrund hätten ziehen können. Was aber war an der Generation Klar/Peymann tragisch? Die Antwort lautet selbstverständlich: nichts.

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Talibanausen

Mittwoch, 4. April 2007

Die Kurt-Beck-Idee, mit den apokalyptischen Galgenvögeln der Taliban zu verhandeln, ist nicht nur naiv: Es ist Verrat an der Sozialdemokratie

Zunächst: Wenn es darauf ankommt, das muss man sagen, kann man sich verlassen auf die Sozialdemokratie: Schröder stellte 2002 die Vertrauensfrage, als es darum ging, die Beteiligung der Bundeswehr am Aufbau in Afghanistan durchzusetzen. Immer wieder hat die SPD das Afghanistan-Mandat später verlängert. Dennoch ist da mehr: Eine tiefe Sehnsucht prägt die Partei, der große Irrtum, die Welt könne ausschließlich durch guten Willen, Entwicklungshilfe und Verhandlungen verbessert werden. Der Vulgärpazifismus der SPD ist nicht nur falsch, er ist Verrat an einer Partei, die eigentlich wissen müsste, was Totalitarismus ist, sie hat nämlich in ihrer Geschichte selbst unter ihm gelitten. Man muss die Taliban, den Antisemiten Ahmadenidschad und die enthemmten Menschenschlächter in Irak nicht alle in einen Topf werfen, aber es ist unverkennbar, dass der neue Totalitarismus in dieser Welt aus der “islamischen Welt” kommt. Leider schlägt die SPD ihr antitotalitäres Erbe aus. Wer in die Ortsvereine der SPD geht, wird mit vulgärpazifistischen Sprüchen konfrontiert wie: “Kriege haben noch nie etwas gutes bewirkt” und ähnliches. Ich kenne da ein paar Kriege in der Geschichte, die haben etwas Gutes bewirkt. Der in Afghanistan ist jedenfalls eines: gerecht. Wir sind der pathetischen Sprache in Deutschland aus guten Gründen entwöhnt. Aber es muss gesagt werden: Wir müssen diesen Krieg unbedingt gewinnen.