Irak spiegelverkehrt

Ist im Zweistromland doch alles ganz anders?

Wo steht dieser Satz?

“Ramadi ist ein irritierender Widerspruch zu fast allem, was die Welt über die Situation zu wissen glaubt. Ramadi ist ein Beleg dafür, dass das US-Militär erfolgreicher ist, als es die Welt wahrhaben will. Ramadi zeigt, dass große Teile des Irak, nicht nur die Anbar-Provinz, auch viele andere ländliche Gegenden entlang Euphrat und Tigris heute so gut wie befriedet sind.”

Nein, es ist nicht der “Weekly Standard”, das publizistische Schlachtschiff der sogenannten Neocons.

Es ist der “Spiegel”.
Völlig verwundert liest man die Irak-Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins. Steht das da wirklich? Steht das da, in einem Magazin, das die amerikanische Irak-Invasion von Anfang an zur Apokalypse geschrieben hat?

Es war nie das Problem, die Situation im Irak zu beschreiben, sie als katastrophal zu beschreiben, dort wo sie es ist und war.

Das Problem war immer, dass es eine nicht unerhebliche Zahl von Deutschen gab und gibt, die ein großes Vergnügen kennen: Sie wollen die USA im Dreck liegen sehen. Sie wollen die Vereinigten Staaten verlieren sehen.

Es eine große Dummheit, ein Reflex aus dem tiefsten Innern der deutschen Seele. Es ist das Vergnügen der selbsternannten Friedensmacht und seiner Bürger.

Sollte es am Ende alles ganz anders sein im Irak?

Spricht man mit linken Menschen über die Schurkenstaaten dieser Welt, dann heißt es oft: “Man muss da sehr differenziert rangehen”.

Die Floskel heißt übersetzt: Ob im Iran 13-Jährige gesteinigt werden, interessiert uns nicht. Es ist die Floskel der Stabilitäts-Fetischisten, die Friedhofsruhe einem wie auch immer gearteten Wandel vorziehen.

Es sind Zyniker.

Nur wenn es um die USA und ihre Politik geht, wird jeglicher Wille zur Differenzierung aufgegeben.

Es könnte sein, dass der “Spiegel” in Deutschland den Anfang gemacht hat, endlich auch in Bezug auf die Irak-Politik der USA genau das Walten zu lassen: den Willen zur Differenzierung.

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