Nike und Missgunst

Amerika verliert die wichtigste Schlacht: Der DFB bleibt deutsch!

Was kostet der wichtigste Teil der deutschen Identität? Die Erinnerung an Fritz Walter und an das Wunder von Bern. An “aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen”. An München 1974, den Bomber der Nation. An Rom 1990 und Klinsi 2006?

Sie kostet genau 18 Millionen Euro. Pro Jahr.
Auf dieses Geld verzichtet der DFB. Freiwillig.
Der amerikanische Sportartikelhersteller Nike hatte dem Deutschen Fussball Bund 500 Millionen Euro ab 2014 für acht Jahre dafür geboten, dass Metze, Schweini und Poldi in Zukunft statt mit den drei Streifen mit dem sogenannten Swoosh, dem Nike-Haken, auf dem Trikot auflaufen.

Adidas hat sein Angebot von im Verhältnis dazu lächerlichen elf jetzt auf bescheidene 22 Millionen Euro pro Jahr erhöht. Und der DFB wird wohl darauf eingehen. Der DFB bleibt deutsch, dem wandernden, ortlosen amerikanischen Kapital ist eine empfindliche Niederlage zugeführt worden, nachdem dem selben schon mit seiner Idee, Kreuzberg mittels Mc Donalds zu unterwandern, kein Erfolg beschieden war.

Noch ist es in Deutschland nicht soweit, dass man alles kaufen kann, werden nun viele sagen.

Der Fehler, den Nike gemacht hat war es, nicht mehr zu bieten, sondern unglaublich viel mehr, ja märchenhaft mehr als der DFB. Vielleicht blitzte für einen Moment die sagenhafte Figur des reichen Onkels aus Amerika auf, der alles kaufen kann, der einem aber auch gleichzeitig tief supekt bleibt.

Die nahezu naturgesetzliche Verbindung zwischen Adidas und dem DFB, die keinem Marktgesetz zu folgen scheint, ist eine der letzten Symbiosen dieser Art, die es in Deutschland noch gibt.

Vielleicht hängen viele deshalb so daran, denn heiß diskutiert war der Nike-Deal in den Fussballforen. Nike und Fussball: Das passt nicht. Nike, das riecht nach spielerisch, aber nicht zielgerichtetem sinnentleertem Ami-Entertainment, das ist nicht Männerschweiss, das sind Jim und John, statt Jupp und Sepp und Turnbeutel und dem Geruch der Umkleidekabine.

Die Monopole wanken, jene symbiotischen Beziehungen zwischen Marke und Produkt lösen sich auf.

Wer in deutschen Großstädten in ein Taxi steigt, konnte jahrzehntelang sicher sein, dass dies ein Mercedes-Benz 200 Diesel war. Jetzt gibt es auch VW Touran oder Opel Meriva oder gar Toyota Corolla. Die Monopole lösen sich auf. Warum nicht?
Doch es existiert noch, das gute alte Deutschland der Markenmonopole, wenn auch ein paar Tausend Kilometer weg.

Wie ein stilisiertes Ideal-Deutschland haben sich in aller Welt kleine Reservate gebildet, in der die Markenwelt noch in Ordnung ist.
Wer in die afghanische Hauptstadt Kabul reist, wird es schwer haben bei Überlandreisen nicht in einen alten Bus der Marke Mercedes-Benz zu steigen. Meistens die Kleinbusse der Baureihe O 309 und die Reisebusse der Serie O 303 (mit diesem Modell war übrigens die Nationalelf 1974 unterwegs)

Die alten Dinger, meist aus den 60er- bis frühen 70er-Jahren sind irgendwie an den Hindukusch gelangt und versprühen den konservierten Geist eines Deutschlands, in dem die Menschen noch Busreisen machten, Willy Kanzler war und Busunternehmen “Reisedienst” hießen. (Und diese Aufschriften stehen da auch noch drauf – dazu nächste Woche mehr.)

Eine konservierte Bundesrepublik mitten in Asien. Man kann sagen: Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt, wie der Mythos der Omnibusmarke Mercedes-Benz.

Der Firma Adidas darf ich die freudige Mitteilung machen, dass sie nicht nur Ausstatter der deutschen Nationalmannschaft ist, sondern auch nahezu aller Einwohner der kirgisischen Hauptstadt Bischkek.

Eine unglaubliche Liebe muss das sein, zwischen Adidas und Bischkek.

Dort war ich im Herbst 2005 und stellte fest, dass es quasi keinen Bischkeker gab, der nicht in drei Streifen herumlief. Und zwar freiwillig, ohne dass Adidas Bischkek dafür 22 Millionen Euro im Jahr zu zahlen hätte.

Wie eine extrem überdrehte Parodie unserer Markenwelt kam einem die ehemals stalinistische Stadt vor.

Auch Fälschungen sagen etwas über die Präferenz der Leute aus, und da muss man sagen: Bischkek ist fest in Adidas-Hand, hier hat Nike nichts zu melden, Bischkek ist wie der DFB für Nike verloren.
Schließlich wurde auch ich schwach und kaufte mir eine Adidas-Hose für drei Euro.

Der DFB und Bischkek sind Adidas-Gebiet. Den Amis überlassen wir da gern die Polenmärkte.

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