Saudi-Arabien: Ein Witz!
Lawrence Wright in der American Academy/Berlin
Lawrence Wright hat einen Bestseller geschrieben. “Der Tod wird euch finden”. Darin beschreibt er die Anschläge des 11. September als von Stümpern durchgeführte durch viel Zufall und mit viel Glück erfolgreiche Operation. Die Stümperei in der Vorbereitung des Anschlages wurde nur durch eines noch übertroffen: Die noch größere Stümperei der amerikanischen Geheimdienste.
Vielgerühmt wurde das Werk als nüchterne unpathetische Geschichtserzählung eines großen Stilisten.
Gestern nun stellte Lawrence Wright das Buch in der American Academy in Berlin-Wannsee vor.
Der Ort erinnert an eine amerikanische Campus-Universität und amerikanisch ging es auch in der anschließenden Diskussion zu: kein deutscher Hysterie-Überschuss, sondern nüchterner, mit trockenem Witz angereicherter amerikanischer Pragmatismus. Auch was man sonst auf deartigen deutschen Veranstaltungen findet: Den Irren der Woche, der in langen Referaten das erzählt, was er immer schon mal sagen wollte und dem man schließlich das Mikrofon entziehen muss, fehlte hier. Die Quartalsirren, die man auf derartigen Veranstaltungen der Ebert- und Adenauer-Stiftung findet, werden wohl durch die Sprachbarriere abgehalten. Sehr gut.
Das schöne an der gestrigen Veranstaltung war: Wright ist ein Entertainer.
Wenn er erklären will, dass alle arabischen Staaten, zöge man die Öleinnahmen ab, ein geringeres Bruttosozialprodukt haben, als die Firma Nokia an Umsatz macht, zieht er ein Handy und hält es in die Luft.
Ansonsten bedient sich Wright an Versatzstücken, die man schon kennt: Seine Beschreibung des Dilemmas der arabischen - männlichen Jugend - bedient sich der sogenannten “Youth Bulge”-Theorie, die besagt, dass der Terror alleine deshalb nicht verschwinden wird, weil der Geburtenüberschuss in Arabien unablässig junge Männer produziert, die nicht wissen, wo sie bleiben sollen.
Auch meint man in seiner Theorie den “radikalen Verlierer” Hans-Magnus Enzensberger wiederzuerkennen: junge Männer sprengen sich in die Luft und bringen sich um, weil es eine Möglichkeit für sie sei, Mitspieler in der großen, historischen Auseinandersetzung Islam gegen den Westen zu sein.
Dann aber erzählte Wright noch einen schönen Witz. Oft habe er bei seinen Aufenthalten in Saudi-Araben nach einem saudischen Witz gefahndet, sei doch das Witzemachen über sich selbst ein Ausweis für einen gewissen Standard an Zivilisation. Doch der saudische Humor liegt brach, so wie das ganze Land ein gelähmtes, klimatisiertes Edelgefängnis ist.
Dann fand er doch noch einen saudischen Witz. Der allerdings ist gut. Sehr gut.
Treffen sich ein Somali, ein Ägypter und ein Saudi um über das Essen zu philosophieren: “Was ist Eure Meinung zum Thema Fleischessen?” ist die Frage.
Der Somali fragt: “Was ist Essen?”
Der Ägypter fragt: “Was ist Fleisch?”
Und der Saudi fragt: “Was ist eine Meinung?”
Schlagworte: Lawrence Wright, Medien, Saudi-Arabien


