Anti-modern ist modern
Rechte Totschläger, Islam-Konvertiten und wer uns sonst noch alles vernichten will
Wer zynisch ist, würde sagen: Erst wenn wir hier einen ordentlichen Anschlag erlebt haben, wird sich die Dramaturgie des Palavers mal ändern. Eine Dramaturgie, die so geht: Ein Anschlag wird vereitelt. Die Täter sind Muslime, egal ob richtige, den Koran missbrauchende, oder welche auch immer. Sie berufen sich auf ihren Islam. Ehe noch überhaupt der Vorgang in seinem ganzen Ausmaß erhellt worden ist, und natürlich ehe jemand “die Muslime” verantwortlich gemacht hat (jeder, der bis drei zählen kann, würde das nie tun) treten die so genannten Mahner und Warner, eine berufsständisch nicht geschützte aber unglaublich umtriebige Profession, auf den Plan und sagen: Vorsicht! Jetzt bloß nicht “die Muslime” dsikriminieren!
Diesmal war es die sonst keiner Peinlichkeit aus dem Weg gehende Bischöfin Margot Käßmann. Der Käse diesmal: Wir dürfen jetzt nicht zur Islamophobie neigen!
Tiefenpsychologisch ist interessant, dass ständig vor einem Phänomen gewarnt wird, was bis dato noch gar nicht aufgetreten war.
Und natürlich ist es Heribert Prantl, der die angeblich wahre Bedrohung identifiziert hat, ehe die Gefahr in ihrem ganzen Ausmaß erkannt ist: Nicht die terroristischen Täter sind Hauptthema, sondern die Gefahr der angeblichen Überreaktion des Staates (die es, nebenbei, schon beim RAF-Terror nicht gegeben hat, was aber dennoch unablässig behauptet wird).
Ich bekenne, ich bin islamophob in diesem Sinne: Nicht alle Muslime sind Terroristen. Aber der schlimmste Terror der verganenen Jahre wurde von Muslimen begangen.
Ich mache mir Sorgen über das antiwestliche Hasspotential, das offensichtlich zur Zeit mit Erfolg hauptsächlich in zwei Milieus brütet. Bei den Totschlägern ganz rechts, die im übrigen gerade in Umfragen die sächsische SPD überholt haben, und bei den Jungs, die im Namen Allahs unterwegs sind.
Bin Laden hat bekanntlich einmal gesagt: Die westlichen Gesellschaften würden nach außen stark erscheinen, seien aber innerlich schwach. Er hat Recht, insofern, als liberale Gesellschaften, eben weil sie liberal sind, mit ihren Todfeinden nicht so umgehen, wie es diese mit ihnen tun. Das weitere Problem ist ein westlicher Selbsthass, mindestens aber ein Minderwertigkeitskomplex: Warum glauben wir nicht mehr? Wofür würden wir kämpfen, ja sterben? Ist es nicht letztlich beeindruckend, wenn sich Leute für ihren Glauben in die Luft sprengen? Wow! Reeeeeeeeeeeeeeeeeeeeespekt!
Der Liberalismus mobilisiert nicht. Totalitäre Ideologien schon. Für Allah kann man sich gut in die Luft sprengen. Ein Selbstmordattentat im Namen von Karl Popper steht noch aus.
Der Liberalismus hat viele Anhänger, die nur nichts davon wissen, weil ihnen gar nicht mehr klar ist, dass sie Liberale qua ihrer Lebensweise sind. Atheisten. Mode-Katholiken. Homosexuelle. Hedonisten. Esoteriker. Punks. Freaks. Der ganze Quatsch, das ganze Spektrum unserer schön verwirrten, atomisierten Gesellschaft. Wir haben lang daran gerarbeitet, dass sie so schön atomisiert wurde. So soll es bleiben.
Genau dieser Zug der liberalen Gesellschaft ist es, den die Feinde unserer Gesellschaft verachten, ob Islamisten oder die NPD.
Wie die Brüder (Schwestern sind ja selten dabei) ihren Laden nennen, ist fast egal. Ob NPD, Islamischer Djihad oder leuchtender Pfad. Sie haben alle eines gemeinsam: Sie kämpfen gegen die Moderne. Gegen die liberale, atomisierte, verwirrte und deshalb für den Einzelnen so chancenreiche Moderne. Sie sind zu schwach für die liberale Gesellschaft. Sie pflegen ein männerbündisches, apokalyptisches und romantisches Weltbild.
Gerade läuft ja - angestossen durch Rüdiger Safranskis Buch - die Romantik-Welle als neueste Mode der Saison in Deutschland. Um die Romantik ganz gutheißen zu können, muss man sie rehabilitieren von dem Vorwurf, sie sei ein ideengeschichtlicher Wegbereiter der Nazis gewesen.
Wer sich jemals mit den Gedanken etwa von Moeller van den Bruck beschäftigt hat, muss aber zwangsläufig diese Verbindung ziehen. Die deutsche Romantik wollte den unverfälschten, authentischen Menschen. Bedroht sah sie ihn von der entstehenden westlichen Moderne.
Das ist es im übrigen auch, was die neuesten West-Hasser, sei es die NPD oder die Islam-Konvertiten bewegt. Romantik einer bruchlosen, authentischen Gesellschaft der Auserwählten. Gegen die “Entfremdung” der pluralistischen Gesellschaft, in der kaum etwas Identitätsstiftendes vorgegeben wird. Romantik der Aufopferung für das große Ziel.
Solche Leute, die den Westen verachten, sind nur zu beeindrucken, wenn ihnen der Westen in Kämpfermontur gegenübertritt. Deshalb brauchen wir Bilder, die ihre Niederlage bezeugen.
Das martialische Bild der Bundespolizisten mit Sturmmaske und Maschinenpistole und das Bild von den Gefangenen mit Sichtblende, Handfessel und Overall, ist so ein Bild.
Schlagworte: Islam, NPD, Terrorismus


