Bus- und Bettag in Kabul
Die afghanische Leidenschaft für “Modern Benz” und “De Luxe Comfort”
Wenn man im Kabuler Busbahnhof in einen Bus steigt, dann ist es zumeist ein Mercedes-Benz der Baureihe O302, O303 oder O309, Alter zwischen 30 und vierzig Jahren. Die Afghanen beten diese Gefährte an. Die verblichenen Aufschriften der Uralt-Gefährte haben sie nachgemalt - und zwar mir Wörtern, die für sie am besten das offensichtlich gelobte, heiss geliebte Land, Deutschland, beschreiben: Reisedienst, Modern, Comfort, de luxe, Frankfurt oder München City und vor allem: Benz.
Während im Ursprungsland der Busse, Deutschland, längst die Post-Moderne, die Post-Post-Moderne und wer weiss was sonst noch, die gute alte Moderne abgelöst hat, lebt so die alte Bundesrepublik im Kabuler Strassenstaub weiter. Auf den Bustüren ist noch von einer Bundesrepublik der späten Wirtschaftswunderjahre die Rede, als – kurz bevor das Jet-Zeitalter so richtig in die Gänge kam – die nivellierte Mittelstandsgesellschaft sich in “Comfort-Reisebussen” mit “de luxe”-Comfort auf den Weg zum Gardasee oder wenigstens zum Betriebsausflug in den Harz machte. Eine mondäne Bundesrepublik in der “München-City” oder “Frankfurt-City” vom Versprechen der Großstadt künden – eine Bundesrepublik, die es so in unserem verschnarchten Land nie gegeben hat. So sehen aber offensichtlich die Afghanen die Bundesrepublik.
Dieses konservierte Deutschland, in dem das Wort “modern” ein Versprechen und keine Drohung war, lebt weiter am Busbahnhof in Kabul.
Die “Moderne” und eine mobile Gesellschaft selbstbewusster Bürger – für die Afghanen ist das offensichtlich das größte Versprechen.
Das afghanische Pendant zum Fuchsschwanz hängt schlapp – noch! Denn gleich wird Hamid den Diesel anlassen.
Frankfurt, resp. Frankfurt City, wie der Afghane sagt, genießt in Kabul großen Respekt. Warum, weiß kein Mensch.
Garantiert kein Anschluss unter dieser Nummer – auf jeden Fall nicht in Berlin und auch nicht in Hamburg.
Kennen Sie Flinyg Koblenz Reisen? Ich auch nicht. Sollte man aber mal mit fahren oder fliegen.
Die Wandervogelbewegung hat sich motorisiert und trägt auch keine Kniebundhosen mehr.
Der Good-Your-Journey-Benz ist eine bisher unbekannte Baureihe von Mercedes. Gibt es nur in Kabul.
Das Warndreieck ist aus gutem Grund vorne angebracht. Der Fahrer ist ein bisschen verrückt, aber er liebt seinen Benz über alles.
Auch Afghanen haben ein Grundrecht auf Kitsch – der röhrende Hirsch auf dem Motor des röhrenden MB O302.
Der Wandervogel-Benz wäre bei uns bedauerlicherweise längst auf den Schrott gewandert.
Kabul, mon amour. Ein MB O302. Dasselbe Modell benutzte die deutsche Elf übrigens bei der WM. Bei der von 1974.
Schwarzer Afghane: Die Tür gehört Mullerbus, der Rest Reiter-Reisen. Der Fachmann spricht von joint-venture. Kennt der Afghane schon lange.
Ein Mercedes O309 mit afghanischer Sonderausstattung. Wer in den Weg kommt, wird weggerammt.
Vielleicht eine “comfortable” Tour nach Kundus gefällig?
Ein O302 in afganischer Bestverfassung: er fährt. Und zwar gut.
Ich würde mitfahren. I love Kabul!
Schlagworte: Afghanistan, Bus, Kabul


