Ben Wisch you were here
Schröder, Steinmeier, Merkel und der Dalai Lama
So reden Mitglieder einer traditionsreichen Partei, die sich einst die internationale Solidarität auf die Fahnen geschrieben hatte:
Einige Vorfälle, so Gerhard Schröder, hätten jüngst die Gefühle der Chinesen verletzt. Der gegenseitige Respekt und die Souveränität stünden im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen China und Deutschland. Aus diesem Grund hätten seine Vorgänger und er den Dalai Lama nicht getroffen, sagte der Altkanzler der Zeitung zufolge weiter.
Gefühle von Diktaturen, die man nicht verletzen will. Wie weit runtergekommen der Laden, der sich SPD nennt inzwischen ist, lässt sich besser nicht beschreiben.
Das Ganze ging schon früher los: Eine der üblen Erbschaften der Entspannungspolitik der 70er-Jahre ist der SPD-Stabilitätsfetischismus.
So fühlte sich Kanzler Schmidt 1980 von der polnischen Solidarität empfindlich in seinen Entspannungsbemühungen und Reiseplänen in die DDR gestört. Was die internationale Solidarität mit der Solidarnosc angeht, musste dann die CIA einspringen, die SPD fühlte sich dazu nicht in der Lage.
Heute heißt Entspannung “kritischer Dialog” und den findet Steinmeier durch den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt und eine angebliche “Showpolitik” gestört.
Dabei gäbe es kaum einen besseren Begriff für den “kritischen Dialog” als das Wort “Showpolitk”: Man macht einfach weiter Geschäfte wie immer und kleidet das Ganze in eine evolutionäre Theorie an die man wahrscheinlich nicht mal selbst glaubt.
Früher ging es mal anders zu im Gefühlshaushalt der ehemals großen SPD. Daran sollte man an dieser Stelle mal erinnern.
Wie redete der große Sozialdemokrat Hans-Jürgen Wischnewski als Mitglieder der algerischen Befreiungsbewegung FLN ihn in den Fünfzigern um Hilfe baten? Dachte er möglicherweise an verletzte Gefühle der Kolonialregierung?
“Ich habe damals gesagt, ich brauche ein paar Tage, um das genau zu durchdenken, denn es wird wahrscheinlich das Verhältnis zum französischen Nachbarn belasten, und das deutsch-französische Verhältnis war natürlich für uns alle damals von ganz, ganz entscheidender Bedeutung. Ich habe mir das acht Tage überlegt, und dann habe ich gesagt, für das Selbstbestimmungsrecht des eigenen Volkes kann man nur ehrlich eintreten, wenn man auch Verständnis hat für das Streben nach Selbstbestimmungsrecht von anderen Völkern, und habe gesagt, ich will in meinem bescheidenen Rahmen politisch mithelfen, dass dieses Problem eine Lösung findet.”
Im Weiteren verwaltet Ben Wisch die Kriegskasse der FLN. Wer noch weiter eintaucht wird etwas hören von skurrilen Geschichten über Waffenschmuggel für die FLN in sozialdemokratischen Kofferräumen – angeblich mit Ben Wischs Hilfe – und die erste Kabinettsitzung der algerischen Exilregierung fand auch mit Hilfe von Ben Wisch statt: in seiner Kölner Wohnung.
So ging es mal zu bei den Sozialdemokraten, der großen sozialdemokratischen Partei.
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Schlagworte: China, Dalai Lama, Deutschland, Gerhard Schröder, SPD


