Dirty Harry gegen Al-Kaida
…und andere Kuriositäten aus einer ereignisreichen Politik-Woche
Ich habe mir – zugegeben mit einiger Verspätung – das Buch “Der Tod wird euch finden” von Lawrence Wright vorgenommen. Das Buch handelt von der Entstehungsgeschichte der Al-Kaida.
Als das Buch im Frühjahr herauskam wurde es vor allem als Enthüllungsbuch über Bin Laden rezipiert: Unfähig sei der Mann gewesen, wenn es, damals in Afghanistan zum Kampf gegen die Russen kam, wurde ihm schlecht vor Angst, ein Hallodri und der 11. September sei sowieso ein Produkt des Zufalls.
Das ist nun aber aus meiner Sicht überhaupt nicht Thema des Buches. Es hat vielmehr eine andere Hauptfigur, den FBI-Mann John o’ Neill. Und das interessanteste an der Figur ist, dass sie ein Hauptthema des amerikanischen Kinos, das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, zur seelenlosen Bürokratie offensichtlich live durchlitten hat.
John o’ Neill, Anti-Terror-Chef des FBI, lässt die ewig gleichen Kämpfer des amerikanischen Kinos WAHR werden. Diese machen die Erfahrung, dass sie sich im Kampf gegen das Böse nur auf sich selbst verlassen können, keineswegs aber auf die seelenlose Bürokratie “derer in Washington” oder eines abstrakten Staates, der sowieso nie da ist, wenn man ihn braucht.
John o’ Neill, ist Clint Eastwoods “Dirty Harry”, ist Gary Coopers Will Kane in “12 Uhr mittags”, ist Robert Redford in “Die drei Tage des Condors”: Helden, die entweder vom Staat in ihrem Kampf alleine gelassen ihren idealistischen Kampf für das Gute kämpfen, oder sich gar einer außer Rand und Band geratetenen Geheimstaatswelt gegenübersehen, wie Redford.
Das Buch beschreibt genau, wie CIA und FBI sich gegenseitig Informationen aus Eifersucht vorenthalten. Informationen, die den 11. September hätten verhindern können. Mittendrin: John o’Neill, der eine Vorahnung hat und dennoch die Katastrophe nicht verhindern kann. Er wird kurz vor dem Anschlag enttäuscht von der Schwerfälligkeit und dem Bürokratenwahnsinn der US-Geheimdienste als Sicherheitschef ins World Trade Center wechseln – und darin umkommen. Ein ungeheurer Plot.
Hollywood ist wahr.
Nun fand zum fünften Male die Verleihung des so genannten Politik-Awards statt. Es ist der Preis eines Magazins, das sich “Politik und Kommunikation” nennt. Ausgezeichnet wird angeblich politische Werbung und die gelungensten PR-Aktionen.
Das macht zwar auch der Art Director’s Club, aber als simple Reklame will man wohl politische Werbung (”Kommunikation gesellschaftlicher Institutionen”) nicht verstanden wissen.
Es ist eine ungeheure Erfolgsgeschichte. Genscher war schon da und Münte und die zweite Reihe der politischen A-Prominenz, die Pofallas und Heils sind immer da. Man ist hier im absoluten Nukleus der viel zitierten “Berliner Republik” von der man nie wusste, ob es sie gibt.
Da passt es gut, dass man auch beim Magazin “Politik und Kommunikation”, das die Sache veranstaltet, nie weiß, worum es eigentlich geht. Es ist ein ungeheures Geraune über “Macher” und “Strategen”, eine Endlos-Schleife aus einer ja eigentlich leicht angestaubten Welt, in der die “Spin-Doktoren”, die man in England schon längst in den Mülleimer der Geschichte getreten hat, eine umjubelte Hauptrolle spielen.
Es ist eine Welt, die, wenn man bösartig wäre, bestätigt, was der kleine Mann über die Politik schon immer gedacht hat: ganz schön abgehoben. Nicht die Politik, die eh schon abstrakt ist, steht im Mittelpunkt, sondern die Feinheiten Politikvermittlung, eine weitere Abstraktion, das Feld selbsternannter Highpotentials.
Gewonnen hat unter anderem Ursula von der Leyen, die bei der Preisübergabe eine Viertelstunde lang von Sabine Christiansen bejubelt wurde, präsentiert wurde die Preisübergabe von Mc Donald’s.
Höhepunkt der Eloge: wie großartig doch Frau von der Leyen Beruf und die Aufzucht ihrer sieben Kinder unter einen Hut gebracht habe. So sei sie selber leuchtendes Beispiel für die von ihr forcierte Politik.
Ist es Populismus gegen “die da oben” anzumerken, dass mit drei Kindermädchen, wie sie Frau von der Leyen das, aus gutem Hause stammend, wohl zur Verfügung hatte, nicht mehr ganz so verwunderlich ist?
Nein das ist Journalismus.
Dann der FDP “Journalistenadvent”. Das Motto des Abends war “Deutschland braucht Bewegung”. Deshalb hatte die FDP überall im Dehler-Haus Stepper und Crosstrainer aufgestellt. Westerwelle spielte Kicker, Brüderle virtuell Golf und an der Bar war sowieso und vor den Hostessen der Firma, die umsonst ZIgaretten verteilten, war auch immer Bewegung.
Und über dem Klo stand “Dopingkontrolle”.
Vielleicht kriegt die FDP dafür ja einen Preis. Beim nächsten Politik-Award.
Schlagworte: 11. September, Al-Kaida, CIA, FBI, Lawrence Wright, Medien


