Die Welt ist eine Mattscheibe
Medienkritik von links: Walter van Rossum lässt die Katze aus dem Sack
Den Autor Walter van Rossum mag ich eigentlich ganz gern. Das heißt: Ich mochte ihn ganz gern. Vor drei Jahren machte Rossum mit seinem Buch “Meine Sonntage mit Sabine Christiansen” die gleichnamige Moderatorin fertig und das auf eine so schöne Weise, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen mochte. Lange bevor die FAZ auf die Idee kam die Titel der Christiansen-Sendung als völlig ausreichendes Psychogramm der trüben deutschen Seele abzudrucken, hatte Rossum den Laden als TV-Endlosschleife aus der Produktion des “Juste Milieu” entlarvt.
Die damals schon sichtbaren Tendenzen von Rossums, sich als Sprachrohr der Gewerkschaften und der Linkspartei zu gebärden wenn es um die Wirtschaftspolitik geht, übersah ich, schließlich ist ALLES besser als die Phrasen der Henkels und Hundts.
Dass van Rossum doch nicht ganz dicht ist beweist sein letztes Werk, das ich unter dem Weihnachtsbaum fand. Diesmal hat sich der Mann an das Allerheiligste des deutschen Fernsehens rangemacht, die Tagesschau. “Tagesshow” nennt er sein Buch, wahrscheinlich ohne Rudi Carrell vorher gefragt zu haben, der ehrlich gesagt mit seiner gleichnamigen Se4ndung sehr viel mehr Freude in mir auslöste als Rossum.
Das Buch ist als Medienkritik getarnt. In Wahrheit sitzt Rossum in der Falle, in der Linke in Deutschland eben gern sitzen: Sie müssen sich zwanghaft von morgens bis abends mit den “Verbrechen” Amerika beschäftigen.
Und das was als van Rossum als Alternative zu der von ihm gegeißelten Tagesschau-Sprachwelt anzubieten hat klingt dann leider wie direkt im Politbüro der SED erdacht.
Schade.
Rossums Medientheorie ist schnell abgearbeitet. Sie stammt direkt aus dem Seminar des Otto-Suhr-Instituts (ca. 1972) und hätte von Andi Baader oder dem Beauftragten im Zentralkomitee der SED für Medienangelegenheiten auch nicht besser formuliert werden können:
“Tag für Tag offeriert die Tagesschau ein groteskes Sammelsurium aus fragmentarisierten Informationen, Halbwahrheiten, Pseudonachrichten, plumpen ideologischen Fanfaren, Platituden, und Fehldeutungen.” (Seite 95)
Schön, dass man sich dann anschließend selbst am “Sammelsurium aus fragmentarisierten Informationen, Halbwahrheiten, Pseudonachrichten, plumpen ideologischen Fanfaren, Platituden, und Fehldeutungen” erfreuen kann. Und zwar an denen des Autors, die den der Tagesschau unterstellten in nichts nachstehen, sondern zeigen wie Linke wirklich denken, wenn sie denn mal die Katze aus dem Sack lassen.
Von Rossum bekrittelt, dass die Tagesschau durch ihre Berichterstattung zu “Irak” die Zuschauer zu Mitwissern eines “ungeheuren Verbrechens macht, nämlich eines barbarischen und durch nichts zu rechtfertigenden und relativierenden Angriffskrieges”. (S. 69)
Ich wüsste zwar ein paar ein Paar Dinge zur Rechtfertigung, zu denen von Saddams Schergen herausgeschnittene Zungen und totgeschlagene Babys gehören, aber das nur nebenbei.
Rossum muss ja nun liefern, wenn die Sprache der Tagesschau als Volksverdummung ablehnt. Tut er auch:
Was zum Beispiel war der Irak? Rossum: “eines der stabilsten Länder der Region”, zudem noch hätten die USA “ein prosperierendes Land zu einem der ärmsten der Erde gebombt”.
Anschließend kommt leider keine Eloge auf Nordkorea, das ja, wenn die USA es weiterhin in Ruhe lassen ebenfalls als eines der stabilsten Länder der Erde gelten darf – aber von Rossum ist kurz davor. Das “barbarische” ist also die Stabilität dieses prosperierenden Landes am Golf gestört zu haben.
Ist ja ein Ding! Da fallen einem gleich noch ein paar Länder neben Nordkorea ein, deren Stabilität bzw. Prosperität im Rossum’schen Sinne dringend gestört werden müssten:
Zimbabwe
China
Iran
Lybien
Usbekistan
Turkmenistan
Im Weiteren deutet von Rossum noch schnell die Geschichte um.
Wie war das also im Golfkrieg II (1991)?
Van Rossum: “Im August besetzte der Irak Teile des Nachbahrlandes Kuwait. Dafür gab es bestimmte Gründe.”
Aha. Zunächst: man beachte die Rossum’sche Sprachregelung: die USA führen bei Rossum “barbarische Angriffskriege”. Der Irak “besetzt” nur ein Land, so wie halt auch Klos ab- und zu besetzt sind.
Und welche Gründe gibt es? Geschichtliche Zwänge und der böse weiße Mann:
“U.a. ging es um seit langem bestehende Grenzstreitigkeiten, eine koloniale Erblast, doch viel wichtiger waren die unterirdischen Erdölfelder und die Rechte der Ausbeutung.” (S. 118)
In dem Fall scheint Rossum aber mit dem Motto “Blut für Öl” wenig Probleme zu haben, denn es war das Motto des Antikolonial-Fighters Saddam Hussein.
Es gibt noch weitere Beispiele: auf Seite 100 feiert van Rossum Ulrich Wickert als Held der “Freigeisterei”, weil der Bush und Bin Laden gleichgesetzt hatte (”Terroristen”).
Und so geht es dahin. Es stimmt: Die Freiheit der Kritiker besteht darin kritisieren zu dürfen und nicht unbedingt gleich sagen zu müssen, wie es besser geht.
Angesichts der Tatsache, das eine Tagesschau nach dem Geschmack von Rossums sich aber eher wie eine “Aktuelle Kamera” der DDR anhören würde (”barbarischer Angriffkrieg”), beschleichen einem aber doch starke Zweifel an der Kritik selbst.
Schlagworte: Linkspartei, Medien, Walter van Rossum



7. April 2009 um 01:28 Uhr
Mein Gott was sind Sie für ein Weichspühler. Eine Klugscheißere nach der anderen ohne sachliche Gegenargumente und Fakten, Fakten, Fakten. Leider machen Sie genau das, was Rossum kritisiert, sie haben keine Ahnung weder von der SED noch von der “Aktuellen Kamera” geben aber vor alles zu wissen.
Kommen mit nur mit einem Halbwissen an.
Sie haben eine allegemeine Gegenmeinung, aber kein konstruktives Argument und auch keine detaillierte Allgemeinbildung.
Ich habe Rossum heute bei der Lesung “Tagesshow” gehört und gebe ihm vor allem in dieser Bloß-nicht-anecken-Mentalität der Tagesschau recht, auch in den kollektiven Beschlüssen, den ständigen Sitzungen der Redakteure, die sich immer wieder mit anderen (amerikanischen) Medien abstimmen oder sogar mit ihren unmittelbaren konkurrenten ehe sie den Mund aufmachen.
Der Krieg im Iraque war ein Angriffskrieg, da gibt es garnichts dran zu rütteln, nur darumgeht es,nicht wer schlechter oder besser war.
Ich finde es weiterhin auch immer wieder spannend, wie junge Leute wiesie immer genau über die DDR und die SED bescheid wissen.
Ich bin weder links noch war ich in der SED, aberich habe 30 Jahre in der DDR gelebt,für solche Pauschalisten wie sie hab ich nur ein müdes Lächeln, andererseits sinds Sie ja ein Kind der Ü-Ei Generation immer drei Wünsche auf einmal erfüllt bekommen, wenn man ihnen dann ihre Heiligtümer: Tagesschau, Lindenstraße, Käpten Blaubär angreift muss der Andere DDR, links oder ein Terrorist sein.
Spühlen Sie bitte weiter weich oder essen Sie Ü-Eier!!!
Ist ja bald Ostern!!!!
28. April 2009 um 21:21 Uhr
Ich habe selten eine pointiertere und umfassendere Medienkritik als die von Rossums gelesen. Und ja, ich muß es wissen, ich bin selbst Medienwissenschaftler und Journalist.
Ihre Rezension hingegen zeichnet sich durch völlig unsachliche Polemik und argumentative Armut aus. Kein Wunder also, dass Sie HIER veröffentlichen.
29. April 2009 um 10:39 Uhr
Sich kann mich den vorherigen Kommentaren nur anschliessen. Schön, dass Sie ein gutes Beispiel für die Kritik von Herrn Rossum abgeben.
29. April 2009 um 11:48 Uhr
Herrlich! Dieser Jost Kaiser kann nicht einmal Libyen schreiben, das lernt man normalerweise in der 8. Klasse. Bloß nicht ernst nehmen diesen Mann. Ich stieß auf dieses Lachwerk durch folgendes Interview:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30203/1.html
29. April 2009 um 16:32 Uhr
Zitat: Ich wüsste zwar ein paar ein Paar Dinge zur Rechtfertigung, zu denen von Saddams Schergen herausgeschnittene Zungen und totgeschlagene Babys gehören, aber das nur nebenbei. Zitat Ende
Sauber…bald 20 Jahre nach der Entlarvung dieser Propagandalüge (tote Babys im Krankenhaus) - es war nicht mal Wochen später klar, das die gute Frau, die dieses damals unter Krokodilstränen im Fernsehen sagte, weder Zeugin, noch “betroffen” war, sie war die Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA…
Das ganze hätte jeder, der reflektiert bevor er andere verreisst, auch problemlos nachlesen können…
http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiter_Golfkrieg#Medienkrieg
Oder direkt hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Brutkastenlüge
Lieber Jost: Hör auf mitm Schreiben, lass es, lass es einfach sein….
29. April 2009 um 21:55 Uhr
aber, aber liebe Mitkommentatoren.
Der Mann hat seinen Arbeitsplatz verloren. Vanity Fair wird eingestellt. Das letzte Postin von Herrn Kaiser liegt schon Wochen zurück.
Was soll man da denn noch auf jemanden einschlagen, der (zu recht) am Boden liegt?
30. April 2009 um 09:11 Uhr
“Ich wüsste zwar ein paar ein Paar Dinge zur Rechtfertigung, zu denen von Saddams Schergen herausgeschnittene Zungen und totgeschlagene Babys gehören, aber das nur nebenbei.”
Das war nicht die offizielle Rhetorik als der Angriffskrieg begann..
Das interessiert uns nur bei Ländern, die Erdöl unterm Sand haben - denk mal drüber nach!
30. April 2009 um 13:35 Uhr
“von Saddams Schergen herausgeschnittene Zungen und totgeschlagene Babys”
Oh je oh je… ist es noch nicht zu ihnen durchgedrungen, dass es sich hier um Kriegspropaganda handelte? Kam das etwa nicht in der Tagesschau? Bitte mal “Brutkastenlüge” googlen…
2. Mai 2009 um 02:29 Uhr
“kommentiert der erfahrene Politik-Journalist Jost Kaiser das aktuelle Geschehen im In- und Ausland” hahahaha
Ist aber doch trotzdem schön, dass alle Komentare stehen gelassen wurden.