Koch fordert Todesstrafe
Wann kommt diese Schlagzeile?
Milieus, die es gar nicht mehr gibt, entstehen noch einmal neu, wenn die Profis sich darum kümmern.
Es gab schon kein rot-grünes Milieu mehr im Jahre 2002, bis Gerhard Schröder es ein letztes Mal in einer Art Kulturkampf gegen den “Reaktionär” Stoiber neu erfand. Und das, was eine Erfindung war, raufte sich tatsächlich noch einmal für einen kurzen Augenblick zusammen, bevor wir jetzt, im Jahr 2007 beobachten, dass schwarz und grün, die eine gemeinsame bürgerliche Wurzel haben, sich wirklich näher kommen.
Einer der größten Profis der Polarisierungs-Branche aller Zeiten war Franz-Josef Strauss und auch Helmut Kohl war ein Meister darin, Menschen im Ressentiment zu Gruppen mit einem gemeinsamen Feind zusammenzuschweißen.
Strauss bediente mit Sätzen wie “Lieber ein kalter Krieger als ein warmer Bruder” gleich mehrere Ressentiments auf einmal. Es war der Hass des Landes auf die Stadt (ein politisches Urthema), die sich längst vom “wahren Leben” und den “wahren Sorgen” entfernt habe und sich stattdessen in abgehobenen politischen Traumtänzereien ergehe. (In den USA redet man ganz ähnlich und äußerst verächtlich von “denen in Washington” und das am allerliebsten, wenn man wie George W. Bush, aus der Politik- und Washington-Dynastie schlechthin kommt)
Ähnlich agierte Helmut Kohl, der ebenfalls das Glück hatte, dass seine Gegner immer wieder auf das Spiel hereinfielen und genau das taten, was “der Oggersheimer” wollte: “empört sein”, den Niedergang der Politik und Moral feststellen usw.
Jetzt also Roland Koch. Alles lief bisher wie am Schnürchen für den Hessen und Freund eines ausgeglichenen und friedlichen menschlichen Daseins auf Erden (er ist schließlich ein Freunde des Friedensfürsten Dalai Lama)
Das Beste, was passieren konnte für Koch war, dass die Pfeife schlechthin, das sozialdemokratische Gewissen, dass also Günter Grass aus der Kiste kommt und Denkwürdiges formuliert:
Er warnte in Hamburg vor “Politikern in Verantwortung”, die “die Sprache der NPD” übernähmen.
Dann kam die andere Pfeife, Peter Struck: “Ich glaube, dass Roland Koch ja eigentlich von Herzen froh war, dass dieser schreckliche Vorfall in München in der U-Bahn passiert ist.”
War er? Nein, er war nur froh, dass Struck das gesagt hatte, denn auf einmal war Koch ein Opfer. Das fand auch Ronald Pofalla: “Strucks Unterstellung schlägt dem Fass den Boden aus”, sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla in Berlin. “Ich gehe davon aus, dass Herr Struck weiß, dass er einen schwerwiegenden Fehler begangen hat und er diesen schnell und unmissverständlich ausräumen muss.”
Ich gehe davon aus – viele gehen von vielem aus. Meist zu Unrecht. Und wer muss was ausräumen?
“Hier ist endgültig eine Grenze überschritten”, sagte Pofalla. Von wem? Von Struck? Oder von Koch?
Dann akm Ypsilanti – wer will noch mal? Die hessische SPD-Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti warf Koch (CDU) eine Spaltung der Gesellschaft vor. Die Diskussion über die Jugendkriminalität könne “eine tiefe Spaltung in der Gesellschaft bewirken”, sagte Ypsilanti am Donnerstag in Wiesbaden.
Spaltung der Gesellschaft? Ist ja ein Ding. Ypsilanti hatte gerade bemerkt, aber offensichtlich nicht verstanden, was ein Wahlkampf ist, der von Profis geführt ist.
Denn Wahlkampf ist nichts anderes als Spaltung der Gesellschaft. Oder: Polarisierung. Eine notwendige, ja sogar überlebensnotwendige Sache in der parlamentarischen Demokratie.
Koch ist nicht Strauss. Zudem konnte der große Helmut Schmidt 1980 noch ausrufen:
“Dieser Mann hat keine Kontrolle über sich. Deshalb darf er keine Kontrolle über unseren Staat bekommen.”
Koch hat sehr wohl Kontrolle über sich. Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten, die wieder mal, wie so oft, auf das Koch-Rezept hereingefallen sind. Aber deshalb mögen wir sie ja auch irgendwie.
Schlagworte: CDU, Roland Koch


