Archiv für Februar 2008

Wir sind John Rambo

Samstag, 23. Februar 2008

Birma ist allen egal. Doch dann kam Sylvester Stallone

Es gibt eine Tendenz im Kriegsfilm der letzten Jahrzehnte, den Kampf vor allem als inneren Kampf zu sehen.

In der Schlussequenz von “Platoon” (1985) sagt die Off-Stimme des Helden: “We didn’t fight the enemy. We fought ourselves.” Und in einer Szene des - im übrigen grossartigen - Ridley Scott-Films “Black Hawk Down”, das Geschehen ist schon zu einem apokalyptischen Gemetzel geraten, sagt ein Soldat zum anderen: “Warum machen wir das hier? Es ist für die Kameradschaft.”

Damit ist der Kriegsfilm ganz auf der Höhe der Zeit einer so genannten Postmoderne, die ebenfalls keine zu bekämpfenden äußeren Feinde mehr zu kennen vorgibt, sondern der Mensch, seine inneren psychischen Prozesse sind seine eigentlichen Feinde. Der äußere Feind ist der innere Feind. Nur in diesem Sinne konnte André Glucksmann 1989 zum hundertsten Geburtstag von Adolf Hitler allen Ernstes schreiben: “Hitler bin ich.”
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Ich bin für John McObama

Mittwoch, 13. Februar 2008

Es herrscht Wahlkampf in den Vereinigten Staaten. Und hierzulande? Was sagt uns die deutsche Obamania?

Mein Nachbar hatte 2003, als Amerika Irak befreite noch einen “Fuck Bush!” Plakat im Fenster hängen. Jetzt hängt dort ein selbst gebasteltes Obama-Plakat. Gemeint ist offensichtlich dasselbe. Obama: Ein deutsches Missverständnis unter so vielen, wenn es um Amerika geht.

Die Idee, mit Obama begänne etwas Neues, Reines, Ungesehenes wird natürlich von Obama selbst in den USA verbreitet. Nur hier ist sie Teil einer rituellen, alle vier Jahre statt findenden mystischen Aufführung, die die Neuerfindung der USA zum Inhalt hat.

Kein Mensch in den USA stört es, dass Obama angedroht hat “die Sache in Pakistan selbst in die Hand zu nehmen”, wenn Musharaff weiter ein Doppelspiel mit dem Westen spielt und die paschtunischen Taliban gewähren lässt.

In Deutschland hingegen wird erwartet, dass Obamas zweiter Vorname Ghandi ist und die U.S.S. Independence nach seinem Amtsantritt als Seniorenwohnheim in Miami vor Anker geht.
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Gulaschkanonenpolitik

Mittwoch, 6. Februar 2008

Die Ungarn sind ein sympathisches Volk, das zwar ständig überrollt und besetzt wird, aber dennoch nicht den Humor verliert

1242 kamen die Mongolen über das Land und verwüsteten es. Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die Türken mit einschlägigen Absichten an die Donau und 1945 die Russen.

1954 schließlich kam Fritz Walter. Er drang in den ungarischen Strafraum ein, aus dem Hintergrund musste Rahn schießen und er tat es auch. 3:2 für Deutschland. All das musste das kleine Land ertragen und brachte sympathischerweise doch nie anderes gegen seine Feinde in Stellung als Gulaschkanonen.

In einer Werbekampagne namens “Budapest Winter Invasion” fassen die Ungarn nun ihre eigene Geschichte, die eine Geschichte der Invasionen ist, unglaublich spaßig zusammen. Diese Sätze haben es nun wirklich in sich: “Nach 400 Jahren Römern, 150 Jahren Ottomanen und 45 Jahren Sowjets werden Sie die ersten sein, die wir einladen, länger in Budapest zu bleiben.”
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