Ich bin für John McObama
Es herrscht Wahlkampf in den Vereinigten Staaten. Und hierzulande? Was sagt uns die deutsche Obamania?
Mein Nachbar hatte 2003, als Amerika Irak befreite noch einen “Fuck Bush!” Plakat im Fenster hängen. Jetzt hängt dort ein selbst gebasteltes Obama-Plakat. Gemeint ist offensichtlich dasselbe. Obama: Ein deutsches Missverständnis unter so vielen, wenn es um Amerika geht.
Die Idee, mit Obama begänne etwas Neues, Reines, Ungesehenes wird natürlich von Obama selbst in den USA verbreitet. Nur hier ist sie Teil einer rituellen, alle vier Jahre statt findenden mystischen Aufführung, die die Neuerfindung der USA zum Inhalt hat.
Kein Mensch in den USA stört es, dass Obama angedroht hat “die Sache in Pakistan selbst in die Hand zu nehmen”, wenn Musharaff weiter ein Doppelspiel mit dem Westen spielt und die paschtunischen Taliban gewähren lässt.
In Deutschland hingegen wird erwartet, dass Obamas zweiter Vorname Ghandi ist und die U.S.S. Independence nach seinem Amtsantritt als Seniorenwohnheim in Miami vor Anker geht.
Die deutsche Obamania wird getragen von Leuten, die glauben, keine Antiamerikaner zu sein, denn sie haben ja immer ihren Lieblingsami der Saison: Michael Moore, Al Gore oder eben jetzt Barack Obama.
Dass deutsche linksliberale Großstadtmenschen ihn gut finden, dafür kann Obama nichts. Ich gebe zu: Ich bin auch begeistert von seiner Rhetorik, ich bin begeistert von seiner Smartness und seinem Charisma.
Unangenehm fällt allerdings seine Michael Moore-Rhetorik auf, in der Angst eine zentrale Rolle spielt. Diese würde instrumentalisiert, um die Amerikaner zu entmündigen.
Der andere Barack-Unsinn, nämlich Abzug aus Irak, wird hoffentlich niemals in die Tat umgesetzt.
Die Sympathie für Barack ist auf jeden Fall da, wenn man die Clintons agieren sieht. Wie so viele edle Ostküsten-Liberale finden sie den schwarzen Mann gut. So lange er wie Jesse Jackson den Pausenclown spielt. Der schwarze Mann gehört in die zweite Reihe. Doch sobald er Anspruch auf die Nr. 1 erhebt, hört der Spaß auf. Was tat Hillary Clinton: Sie zog die Rassismus-Karte.
Etwas ähnlich Unangenehmes steckt in der deutschen Obamania. Es gibt eine Variante des Rassismus, die geht so: Schwarze sind per se gute, edle Menschen.
Ich kenne das aus der Popmusik und dem Jazz. Schwarze, die aus ihrem Talent das machen wollten, was man Weißen klaglos zugesteht: Geld, sind ganz besonders schlimme Verräter, denn: sollten sie es nicht besser wissen und als ehemalige Sklaven jede Form von Ausbeutung und Profit und kapitalistischem Wirtschaften ablehnen?
So geht das auch mit Obama: weil er schwarz ist, wird er Amerika ins glückselige Nirvana führen. Keine Kriege mehr, keine Cruise Missiles, nur noch Sexbomben und Sportskanonen aus Amerika.
Ich würde Barack Obama als Präsident gutheißen. Allerdings mit dem Programm von John McCain.
Schlagworte: Barack Obama, John McCain, US-Wahlkampf


