Nicht zum Chinesen gehen

Sport und Politik sollte man trennen? Sport ist Politik!

Man muss es aussprechen: Es drohen olympische Spiele. Während damit begonnen wurde, den Doping-Saustall Tour de France auszumisten, dürfen die Spritzen-Sportler 2008 ihr Festival diesmal in Peking veranstalten.

Das ist das eine. Die andere unangenehme Seite der Spiele ist die: Es werden die ersten politischen olympischen Spiele seit 1936.

Und bevor er richtig dikutiert wird, ist er auch schon abgeblasen: der Boykott.
Thomas Bach, Chef des deutschen olympischen Sportbundes, hat einen Boykott der Spiele in Peking definitiv ausgeschlossen. Das ist eine Einladung für die chinesischen Schlägertrupps in Tibet noch besser hinzulangen nach chinesischer Art und ihre Prügelorgien vielleicht noch mit besserem Gerät zu veranstalten. Was die Chinesen so drauf haben weiß man ja seit Mai 1989.

Thomas Bach hingegen will das alles nicht wissen. Und gibt den üblichen Dünnpfiff von sich, den man im Usprungsland des “kritischen Dialogs”, der ja schon mit dem Handelspartner Iran so ungeheure Erfolge feierte, so sagt er.

“Der Boykott wäre der falsche Weg, weil dadurch Gesprächsfäden abgeschnitten würden”, sagte der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) der Nachrichtenagentur dpa, “die Geschichte hat gezeigt, dass Boykotte nicht zum Ziel führen.”

Die Geschichte hat auch gezeigt, wozu das Gegenteil führt, nämlich eine Teilnahme und eine Fortführung des “Dialogs”: zu gar nichts außer der Legitimierung der Herren über Leben und Tod.

“Die olympischen Stätten müssen frei von jeder politischen Betätigung sein”.

Wer so etwas sagt, kann nicht Chef eines wichtigen Sportbundes in Deutschland sein. Die olympischen Stätten sind der ZENTRALE ORT der politischen Betätigung. Und zwar der chinesischen Regierung mit ihrer Absicht, ihr diktatorisches Regime als kommode Dikatur mit zehn Prozent Wirtschaftswachstum dastehen zu lassen.

Abgesehen davon, dass Bach seine vorauseilende Boykott-Absage nur deshalb herausposaunt hat, weil er sich den The-Games-Must-Go-On-Ideologen im IOC als künftiger Chef mit Führungskraft empfehlen wollte – die stille Bewunderung für Diktaturen wie China oder Despotenstaaten am Golf begann natürlich schon früher.

Es musste einem immer schon unangenehm aufsrtoßen, wie unterwürfig und bewundernd die deutsche Politik (allen voran der Aufsteiger Gerhard Schröder) Despoten und Diktaturen mit hohen Wachstumsraten gegenübergetreten ist.

Die totale Bewunderung für die Aufbauleistung der Chinesen quer durch alle Parteien ist deshalb so unangenehm, weil sie antidemokratische Reflexe verriet: all die lästigen Genehmigungsverfahren und Bürgeranhörungen bei jeder geplanten Schnellstrasse, die es in China selbstverständlich nicht gibt, das ewige Heranzitieren der berühmten Kröte, die in Deutschland angeblich in Deutschland ganze Bauvorhaben lähmt – all das Polemisieren gegen die “Bürokratie” ist so unangenehm, weil “die Bürokratie”, die Verrechtlichung des Lebens ein wichtiger Teil der Demokratie ist.

Aus diesem Geist heraus kommt die Bewunderung für China und der mangelnde Mumm gegen China vorzugehen.

Nebenbei: Massendemonstrationen für Tibet wurden auf deutschen Straßen noch nicht gesichtet. Das alles zeigt, was die hymnische Zuneigung für den Dalai Lama durch sanfte Studienräte in politischer Münze wert ist: gar nichts.

Der Dalai Lama hat für die Mode-Buddhisten nur eine Rolle auszufüllen: den netten Märchenonkel in Orange zu geben.

Es bleibt dabei: Demonstriert wird in Deutschland nur, wenn es gegen Amerika geht.

Es gibt noch eine charmante Alternative zum Olympiaboykott, die den Chinesen ihre Würde, von der man soviel hört, erhalten würde: ein Ausschluss des chinesischen Teams.

Doch, das wär’s.

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