Get Carter!

Die amerikanische Nervensäge: Jimmy Carter spielt Weltpolitik – wie schon zu seiner Amtszeit als US-Präsident

Was von Jimmy Carter zu halten ist, das hat der Größte unter den Grossen, Helmut Schmidt schon ganz früh gewusst.

Dass Carter zur Zeit durch den Nahen Osten irrlichtert und mit der Hamas spricht, davon phantasiert, die Hamas würde Israel anerkennen, was diese umgehend und logischerweise sofort dementiert (”Niemals!”), das passt zum Mann aus Georgia.

Der hat immer schon auf die Erdnuss bekommen: Zu Recht.
1976, Carter führte Wahlkampf gegen den Schmidt-Kumpel Gerard Ford, sprach sich Schmidt offen für Ford aus. Ein Affront.

Als Carter schließlich Präsident war, düste Schmidt doch tatsächlich nach Washington. Nicht um sich zum Gruppenfoto vor dem weissen Haus aufzustellen – sondern um die Entlassung von Carters Sicherheitsberater Breszinski anzuregen.

Schmidt war schwer genervt, dass Carter ihm, den größten Staatsmann aller Zeiten in die Ostpolitik reinregierte. Schmidt über Carter: “quaekerhaftes” Auftreten und “völlig unberechenbar”. Letztere Einschätzung resultierte daraus, dass Carter die Neutronenbombe bauen wollte. Schmidt akzeptierte und setzte unter Bedingungen, wie sie nur eine SPD-Fraktion bieten kann (also die aller schwersten) deren Stationierung in Deutschland durch. Kaum geschehen, da hatte es sich Carter anders überlegt. Jetzt wollte er die Neutronenbombe doch nicht mehr bauen, die Schmidt als Faustpfand bei den Verhandlungen mit den Sowjets über die SS-20 nutzen wollte. Da dachte sich Schmidt den NATO-Doppelbeschluss aus.

Auch da brauchte Carter Nachhilfeunterricht in Geostrategie: Der Mann aus Georgia hatte nicht erkannt, dass die sowjetischen Mittelstreckenraketen die strategische Abkoppelung Westeuropas von den USA bedeutet hätte und deshalb einen Angriff der Sowjets auf Westeuropa wahrscheinlicher gemacht hätte.

Schmidt musste Carter zum Jagen tragen.

Später, schickte Schmidt dem Wirren aus Georgia noch schöne vergiftete Komplimente über den Atlantik.

Der Spiegel 1979:

“Mit Carter laufe es jetzt immer besser, so der deutsche Weltpolitiker jovial. Der Präsident habe viel dazugelernt und sollte die Chance einer weiteren Amtsperiode haben. Schließlich sei, so Schmidt sarkastisch, eine zweite Amtszeit Carter das kleinere Übel: Einem Neuen im Weißen Haus müsse dann wieder erst mühselig alles beigebracht werden.”

Zumindest mit dem dazugelernt hat Schmidt sich getäuscht. Noch heute gilt für den moralisierenden Amokläufer aus Georgia: Get Carter!

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