Archiv für Oktober 2008

Überraschung! “Neo Cons” für Obama

Freitag, 31. Oktober 2008

Der Begriff “Neo Cons” war in Deutschland von vorneherein ein Kampfbegriff, ohne dass es jemals zu einer Auseinandesetzung mit den Thesen dieser schillernden Gruppe von Leuten gekommen wäre, die dahinterstanden. Sie waren ja – wie Paul Wolfowitz – zum Teil Leute, die mal in der Linken zuhause waren und ehemals linke Ideen durchaus mitgenommen hatten in ihre Renegaten-Welt. Man hätte also darüber diskutieren können, ob es nicht links sei, Freiheit und Demokratie in der Welt verbreiten zu wollen. Nun: Konservativ ist es auf jeden Fall nicht. Am ehesten müsste man ja die Linke in diesem Punkt konservativ bezeichen, ja biedermeierisch und spießig, ich tendiere zu zynisch, die im wesentlichen will, dass es alles so bleibt, wie es ist: Wenn es uns gut geht, ist es wurscht, ob andere Menschen auf der Welt unter Diktaturen und Schlächtern leiden. Und die Globalisierung, die ehemalige Armutshäusen wie Indien zu Wirtschaftmächten gemacht hat, wird als Bedrohung empfunden, statt als Verwirklichung der linken Idee der Teilhabe für alle.

Jedenfalls waren die Neo-Cons von vorneherein diskreditiert, weil alle Begriff, die mit Neo anfangen, in Deutschland schlimme und schlimmste Sachen bezeichnen: neo-liberal oder gar Neo-Nazis zum Beispiel.

Jetzt gäbe es Ansätze für eine Versöhnung: Denn die deutschen Obama-Fanantiker könnten feststellen, dass auch Teile der Neo-Cons Anhänger des Senators aus Illinois sind.

Christopher Hitchens zum Beispiel. Hitchens, der Ur-Punk der Neo Cons bezeichnet McCain als “borderline-Senilen”.

Hitchens über McCain

Vor allem die Wahl Palins als Vize-Kandidat liegt dem Renegaten und Neo-Con-Proll schwer im Magen: die Wahl Palins als “running mate” nennt Hitchens “schändlich”.

Hitchens, gut in Fahrt, weiter: “Das beldeidigenste, was ein Politiker machen ist dafür zu sorgen, dass man sich fragt: Wofür hält der mich? Genau das hat McCain erreicht mit der Wahl Sarah Palins. Ihr Benehmen ist eine nationale Schande.”

Wo er Recht hat hat er Recht. Man will ja alleine deshlab McCain, einen ehemals honorigen Kandidaten, nicht zum Präsidenten, weil man dann vier Jahre lang zitternd aufsteht mit der bangen Frage: Hat McCain die Nacht überlebt?

Schließlich ruft Hitchens – mit Bauchschmerzen zwar, aber deutlich – in seinem Text zur Wahl Obamas auf: “Obama ist bei weitem überschätzt, aber das Duo Obama-Biden besteht nicht aus Kapitulierern (vor autokratischen Regimen, Iran, Russland usw., J.K.) und obwohl es hinnimmt, von der Fraktion der Kapitulierer unterstützt zu werden, gibt es Anzeichen, dass die beiden bereit sind, von Erfahrungen zu profitieren.”

Soweit Christopher Hitchens, der Held der Renegaten mit Schaum vorm Mund, der Bush-Verteiger, der Linken-Hasser.

Es macht Freude, dass Bush endlich wegkommt und zwar deshalb, weil nicht nur endlich seine Historisierung beginnen kann, sondern weil jetzt auch Neo-Cons frei sind zu sagen, dass man dem ehemals guten Kandidat John McCain – übrigens ein Bush-Opfer – nur noch eines wünschen kann: den verdienten Ruhestand.

taz auf dem Jillands-Posten

Montag, 27. Oktober 2008

Trotz der schlimmen taz-Angewohnheit jedes McDonald’s-Restaurant als Angriff auf die deutsche Scholle, in taz-Deutsch “gewachsene Strukturen” zu betrachten – dafür lieben wir halt die taz: Am Samstag machte sie den ja immer erfreulichen Versuch unseren muslimischen Mitbürgern ein wenig Pluralismus beizubringen, hier: Die Freuden des Atheismus. Über einem Text über Moscheebau in Deutschland stand:

“Wenn das Allah noch erlebt hätte”

Großartig. Danke!

Der nette Antidemokrat von nebenan

Freitag, 24. Oktober 2008

“Gehen Sie doch mal in einen Zeitungsstand hinein, jeder hat ‘ne andere Meinung. Wie sollen sich denn die Jugendlichen zurechtfinden?”. Peter Sodann bei “Kerner”

Ja – wie sollen sich da die Jugendlichen zurechtfinden, wenn Peter Sodann das schon nicht schafft?

Es ist toll, wie Ossis, in scheinbaren nebensächlichen Beobachtungen verpackt, mit einem Satz 200 Jahre bürgerliche Errungenschaften schleifen. Zum Beispiel die Meinungsfreiheit. Bisher war mein Ossi-Lieblingssatz, der das ganze Mißverständis Ostdeutsche und westliche Demokratie zum Ausdruck brachte der:

“Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtstaat” (Bärbel Bohley, zum Glück hat sie diesen Satz später revidiert)

Dass jeder ne andere Meinung hat und von mir aus für jede dieser Meinungen eine eigene Zeitschrift gründet – das findet jemand, der 40 Jahre auch mit einer Meinung auskam, die in übersichtlichen Kiosken – allerdings für wenig Geld (toller Sozialstaat) angeboten wurden, natürlich Verschwendung.

In der DDR gab es ja ständig Programme gegen Verschwendung. Im Betrieb. Auf der Baustelle. In der LPG. Genützt haben sie nichts. Erfolgreich waren sie nur, wie man bei Sodann beobachten kann, bei der Herstellung eigener Meinungen. Warum sich eine eigene leisten, wenn es auch ohne geht?

Einst wurde die DDR das deutschere Deutschland genannt, das Gebiet, in dem die deutschen antiwestlichen Ressentiments am ursprünglichsten konserviert wurden.

Jetzt warten wir nur noch, bis Sodann das Parlament eine “Quasselbude” nennt und die 25 Parteien “aus Deutschland herrrrrrausfegen” will.

Wenn der Haider kommt, wird ausgemistet, hieß es einst. Haider ist außer Dienst. Jetzt kommt der Sodann.

Und bald lacht keiner mehr.

Sodann ist nicht Honecker

Dienstag, 21. Oktober 2008

Nicht nur in den USA findet ein Präsidentschaftswahlkampf statt. Auch in Deutschland. Eröffnet wurde er von Peter Sodann. Sodann hatte im Vorwahlkampf wie Hanna Schygulla, Daniela Dahn geführt und Margot Käßmann, Landesbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannover aus dem Feld geschlagen.

Jetzt darf Sodann das sagen, was man in der Linkspartei denkt und sich jedenfalls manchmal nicht zu sagen traut: Josef Ackermann muss verhaftet werden, die Bundesrepublik Deutschland ist keine Demokratie und dass in der DDR nicht alles schlecht war, versteht sich sowieso von selbst.

Ausgerechnet wir von VANITY FAIR müssen Sodann jetzt einen empfindlichen Dämpfer verpassen. Das Volk geht dem Sozialismus ganz schön von der Fahne. In einer Umfrgae für VANITY FAIR kam jetzt heraus, dass nur 51 Prozent der Ossis Sodann wählen würden.

Das war früher schon mal besser. Erich ging jedenfalls nie unter 98,75 Prozent der Stimmen nach Hause.