Der nette Antidemokrat von nebenan

“Gehen Sie doch mal in einen Zeitungsstand hinein, jeder hat ‘ne andere Meinung. Wie sollen sich denn die Jugendlichen zurechtfinden?”. Peter Sodann bei “Kerner”

Ja – wie sollen sich da die Jugendlichen zurechtfinden, wenn Peter Sodann das schon nicht schafft?

Es ist toll, wie Ossis, in scheinbaren nebensächlichen Beobachtungen verpackt, mit einem Satz 200 Jahre bürgerliche Errungenschaften schleifen. Zum Beispiel die Meinungsfreiheit. Bisher war mein Ossi-Lieblingssatz, der das ganze Mißverständis Ostdeutsche und westliche Demokratie zum Ausdruck brachte der:

“Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtstaat” (Bärbel Bohley, zum Glück hat sie diesen Satz später revidiert)

Dass jeder ne andere Meinung hat und von mir aus für jede dieser Meinungen eine eigene Zeitschrift gründet – das findet jemand, der 40 Jahre auch mit einer Meinung auskam, die in übersichtlichen Kiosken – allerdings für wenig Geld (toller Sozialstaat) angeboten wurden, natürlich Verschwendung.

In der DDR gab es ja ständig Programme gegen Verschwendung. Im Betrieb. Auf der Baustelle. In der LPG. Genützt haben sie nichts. Erfolgreich waren sie nur, wie man bei Sodann beobachten kann, bei der Herstellung eigener Meinungen. Warum sich eine eigene leisten, wenn es auch ohne geht?

Einst wurde die DDR das deutschere Deutschland genannt, das Gebiet, in dem die deutschen antiwestlichen Ressentiments am ursprünglichsten konserviert wurden.

Jetzt warten wir nur noch, bis Sodann das Parlament eine “Quasselbude” nennt und die 25 Parteien “aus Deutschland herrrrrrausfegen” will.

Wenn der Haider kommt, wird ausgemistet, hieß es einst. Haider ist außer Dienst. Jetzt kommt der Sodann.

Und bald lacht keiner mehr.

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