Worte, die ich leider nie gesagt
Ich bin Mitglied in einem Fitnessclub. Bekanntlich sind das keine Orte des Geistes und sie sind keine politischen Orte. Oder eben doch. Ich sah jedenfalls einen Mann mit dem T-Shirt-Spruch: “Don’t panic, I’m islamic.”
Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Ihr denkt Ihr werdet in Deutschland diskrminiert, weil Ihr Muslime seid? Meint Ihr das ehrlich? Das T-Shirt ist witzig, aber es ist ein Gratismut. Keinen interessiert es, ob Ihr Muslime seid. Kann sein, dass sich der Verfassungsschutz für junge Männer interessiert, die im Keller mit Nitroglyzerin experimentieren. Oder für ein paar Jungs, die im pakistanischen Grenzgebiet Urlaub machen. Kann sein. Und wenn diese auch noch Muslime sind, nehmen die das zur Erkenntnis. Muslimsein ist kein Straftatbestand. Mitgliedschaft in einer ausländischen kriminellen Vereinigung hingegen schon. Es gibt keinen Generalverdacht gegen Muslime, im Gegenteil: es gibt ein Gerede von Islamophopie, das schon einsetzt, ehe überhaupt jemand den Zusammenhang zwischen dem Terror der letzen Jahreb und einer wie immer missbrauchten (oder auch nicht missbrauchten) Religion hergestellt hat, den es leider gibt.
Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Ihr tragt das lustige T-Shirt und haltet es für eine Provokation. Irrtum: Ihr dürft in einer liberalsten Gesellschaft leben, die es auf dem Erdball gibt.
Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Um herauszufinden, wo es Probleme mit Religionsfreiheit und Religionsphobien auf diesem Erdball gibt, mache ich Euch einen Vorschlag. Ihr zieht Euch ein T-Shirt über mit der Aufschrift: “Don’t panic, I’m a christian” an. Und damit geht Ihr dann durch Riad/Saudi-Arabien. Allerdings geht ihr nicht lange, denn nach spätestens fünf Minuten wird Euch die Religionspolizei verhaften. In Saudi-Arabien ist, wie im Jemen, wie in Afghanistan kein anderer Glauben erlaubt als der Islamische.
Lieber Yussuf, lieber Mustaffa, lieber Ahmed, lieber Tonguc! Worte, die ich leider nie gesagt. Ich ging dann lieber zur Beinpresse.


