Das Ende der Anti-Bush-Religion

Der gestrige Tag ist, ohne dass die Anhänger es überhaupt gemerkt haben, das Ende einer Religion. Einer säkularen Religion. Einer negativen Religion. Das Objekt ist weg: George W. Bush.

Die Ära Bush hat eine Pseudo-Politisierung herbeigeführt, in dem Leute, die nur eine Idee hatten, nämlich dass George W. Bush des Teufels ist, ihr in Wahrheit fundamentales Desinteresse an Politik und den Weltkonflikten für acht Jahre kaschieren konnten. Und sich dabei noch gut fühlen konnten, als schwer informierte Fundamentalkritiker und Widerstandskämpfer, wenn der Widerstand auch nur darin bestand, befeuert von Oberstudienräten, als Pennäler für fünf Minuten die Kreuzung in Recklinghausen zu blockieren. Denn egal, was in der Welt an Leid vorhanden ist – weil GWB es benannt hatte, durfte es nicht vorhanden sein. Weil Bush eine Strategie benannt hatte, die, wie im Fall Iran, Gewalt nicht ausschloß – die älteste und erfolgreichste politische Strategie der Welt – konnte sie nicht richtig sein. Weil Bush etwas als “böse” bezeichnet hatte, musste es harmlos sein.

Die Bush-Kritik hat jedes Maß überstiegen. Dass die deutsche Öffentlichkeit sich über Jahre quasi in freiwilliger Gleichschaltung in ihrem Bush-Hass verlor, muss beunruhigen. Es war eine Weltflucht.

Keine Idee, keine Strategie, keine wache Weltwahrnehmung, kein Problembewußtsein, keine Analyse, nur ein seit acht Jahren ununterbrochenes Mantra: George W. Bush ist der Teufel.

Der unfreiwillige Religionsstifter ist jetzt weg. Im Grunde müssen die Anti-Bush-Jünger GWB dankbar sein. Denn solange er da war, konnte die politische Dauerpubertät, die endlose Wirklichkeitsleugnung, etwa, was die Gefahr durch politischen Islamismus oder die iranische Atombombe angeht, weitergehen.

Wie kleinlich, dumm und naiv das alles ist, konnte man gestern auf einer Veranstaltung der “Democrats abroad” in Berlin begutachten. Kein Bild von GWB durfte über den Bildschirm flimmern, ohne das gebuht, gejohlt und gepfiffen wurde.

Dabei ist die Inauguration, die kalifornische Senatorin Feinstein hatte es wunderbar in ihrer kleinen Rede ausgedrückt, also die gewaltlose Übergabe der Macht, die Quintessenz der Demokratie. Und so, wie Amerika das alle vier Jahre macht, ist es auch noch eine wunderbare, großzügige Demonstration der Freiheit, wie sie nur Amerikaner zustandebringen.

Wenn Deutsche ihren Einheitstag feiern, hat es nie den Geschmack von Freiheit, Aufbruch und Großzügigkeit. Es stinkt nach Bratwurst und sieht aus wie die Stände der Arbeiterwohlfahrt.

An einem solchen Tag wie dem der Inauguration noch einmal triumphal auf GWB einzuprügeln, zeigt, welche unfassbare Naivität die Obama-Jünger in sich tragen. GWB hatte die Probleme, mit denen er es zu tun hatte, nicht erfunden.

Man könnte sogar sagen: Beide großen Probleme, die Immobilienkrise und der Beginn des islamistischen Terrors waren Erbschaften der Clinton-Jahre.

Wie auch immer: Man darf jetzt schon gespannt sein, wie die Jünger der Anti-Bush-Religion reagieren werden, wenn ihr junger Messias sich an die Weltprobleme heranwagt, und auch auf Flugzeugträger setzt, statt, wie seine naiven Anhänger glaubten, auf guten Willen, warme Worte und ein bisschen Entwicklungshilfe.

Wahrscheinlich werden die Jünger der Ant-Bush-Religion einfach wieder dahin verschwinden, wo sie herkamen, im Nirvana der politischen Desorientierung und der Schwärmerei.

George W. Bush war ihr Glücksfall, die Möglichkeit mal rauszukommen und sich dabei auch noch schwer politisiert zu fühlen, statt, was der Wahrheit enstpricht: total desinteressiert an der Welt und mit null Mitgefühl mit den Geknechteten der Welt.

Keiner wird sie vermissen. Nichts haben sie befördert, keinen Plan aufgezeigt, keine Idee jemals in die Diskussion geworfen, die es wert gewesen wäre zu bedenken. Der Zustand der akademischen Großstadtjugend und des halbpolitisierten deutschen Bürgertums ist erbärmlich. Ab jetzt bleiben sie zuhause. Zum Glück gibt es dann weniger Staus in den Städten.

Dann gibt bes wenigstens freie Fahrt für freie Bürger wie mich.

6 Kommentare zu „Das Ende der Anti-Bush-Religion“

  1. Guy sagt:

    Jost Kaiser, wo denken Sie hin??? Diese Bushblase hat noch genug vetrottelte Mitglieder, die versuchen könnten Präsident zu werden! Das gilt es, dem amerikanischen Volk in Erinnerung zu halten! No more Bush for the next 100 years!

  2. Stoff für’s Hirn! « abseits vom mainstream - heplev sagt:

    [...] Jost Kaiser macht sich Gedanken über den Amtswechsel in den USA – vor allem über das Verhalten der politisch nicht wirklich interessierten, die sich mit ihrem Hass am alten Präsidenten rieben und damit nicht nur jedes Maß verloren, sondern sich auch jede Sicht auf Probleme und Gefahren willentlich verbauten. Die Frage ist, was aus den Anhängern der Anit-Bush-Religion jetzt wird. [...]

  3. Mel sagt:

    “Wahrscheinlich werden die Jünger der Anti-Bush-Religion einfach wieder dahin verschwinden, wo sie herkamen, im Nirvana der politischen Desorientierung und der Schwärmerei.”

    Höchstwahrscheinlich nicht. Anti-Bushismus ist Teil eines generellen Unbehagens mit der Moderne und wird so fröhliche Wiedergänger haben in anderen primitiven Schemata um jemanden für alle Krisen in der Welt verantwortlich zu machen.
    Ich tippe auf die “zionistische Lobby” als nächstes Paradigma in diesem Wahn, denn ist diese nicht dafür verantwortlich das “der Moslem” uns so hasst und damit für den Terror von Osama und damit den Krieg in Afghanistan und den Überwachungsstaat? Rechtfertigen sie nicht die Greueltaten Israels an palestinensischen Kindern und instrumentalisieren den Holocaust wobei Israel doch heute genau dasselbe macht? Beherrschen sie nicht auch (sowas darf man ja nicht sagen, ne!) die Medien und die Banken?

    Dieser Popanz ist großartig geeignet für die Mob-mobilisierung linker-rechter-islamischer Querfrontstrategen, genau wie der Teufel Bush, um antiimperalistische “sozialistische” Chavezfans mit Faschisten sämtlicher Nationalitäten und Islamisten gemeinsam zu demonstrieren.
    Und das passiert ja auch schon, in Deutschland “wegen Gaza”, da gibt es auch genug Gelegenheit für “mainstream”-Politiker sich bei diesem beträchtlichen Klientel zu profilieren.

    Mal sehen wer alles in Deutschland vor der nächsten Wahl den “Harry van Bommel” macht.

    http://www.youtube.com/watch?v=PLlHPPO25nM

  4. Daniel Cornicius sagt:

    Lieber Jost Kaiser,

    endlich findet sich ein Kommentator in der deutschen Öffentlichkeit - wenn auch nur in einem Außenseiter-Blog -, der die armselige Sinnesleere der deutschen Links-Polit-Popkultur in all ihrer frappierenden Naivität und obszön selbstgerechten Realitätsverweigerung beim Namen nennt und öffentlich anprangert.

    Ob G8-Gegner oder Bush-Exorzisten - an jeder Ecke drängen sich seit längerer Zeit selbsternannte Außen- und Sicherheitsexperten auf, die mit alles übertönender Penetranz ihre akademisch getarnten Stammtischparolen zur Lage der Welt in die Öffentlichkeit grölen und dabei nicht zwischen Iran und Ayran zu unterscheiden vermögen.

    Wer sich beispielsweise an die - abgründige Ahnungslosigkeit offenbarenden - öffentlichen Äußerungen sogar von Prominenten wie Jan Delay oder Smudo seinerzeit in Heiligendamm (2007) erinnert, dem stellen sich heute noch die Nackenhaare in beißendem Fremdschäm-Reflex auf. Dabei entblöden sich die Gegen-alles-was-nicht-Öko-ist-Aktivisten nicht einmal, sich von der antisemitischen Extrem-Rechten - wie im Falle Israel - instrumentalisieren zu lassen.

    Grundsätzlich ist es ja zu begrüßen, wenn kontroverse Debatten zu heiklen Themen geführt werden, die im Idealfall zum Erkenntnisgewinn und zur Meinungsbildung beitragen. Jedoch kann durchaus vorausgesetzt werden, dass alle Diskussionsteilnehmer ein Mindestmaß an Sachkenntnis, vor allem aber ein Interesse am Thema mitbringen. Die Abwesenheit vor allem des letzteren machen die lautstarke Auseinandersetzung über Irak, Afghanistan, Globalisierung und Co. mindestens ebenso absurd wie die auf einer gelungenen PR-Kampagne beruhende Erhebung eines USPolitikers zum Messias der Welt.

    Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der Polit-Prols einen bürgerlich-akademischen Hintergrund haben, zeigt, wie notwendig eine nachhaltige Bildungsreform ist.

    Vielen Dank!

  5. Lata Nocker sagt:

    Krass! Sowas hatte ich niemals gedacht ;)

  6. Shin sagt:

    It’s nothing to write home about.

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