Gaza-Nachlese

Viele gequälte Deutsche wachen morgens mit einem Gerdanken auf und gehen abends mit demselben Gedanken ins Bett: Was, verdammt, darf man gegen Israel sagen?

Dabei müsste die Frage, angesichts der durchweg negativen Berichterstattung über Israel lauten: Was darf man zugunsten Israels sagen? Betrachtet man den deutschen Leserbrieffuror, sieht man die Norbert Blüms und Norman Paechs, die mit Schaum vorm Mund und hochaufgerissenen Augen gegen Israel loslegen, lautet die Antwort: Nichts.

Einer versucht doch noch, mit gewisser Grundsympathie an den jüdischen Staat ranzugehen und deshalb ist der Artikel Bernard-Levys in der Samstags FAZ so bemerkenswert. Lévy war im Gazastreifen und hat ein paar Dinge beobachtet. Der Text ist eine absolute Ausnahme in der deutschen Presse. Es geht um einen israelischen Piloten namens Asaf:

„Nichts rechtfertigt den Tod eines Kindes“, sagt Asaf, der Anfang dreißig ist, in New York ein Restaurant hat und seinen Reservedienst als Pilot eines Cobra-Hubschraubers versieht. „Wenn ich sehe, dass ich bei meinem Einsatz statt eines militärischen Ziels auch Zivilisten treffen könnte, breche ich die Mission ab und kehre zum Stützpunkt zurück.“

Ich habe Asaf aufgefordert zu beweisen, was er da sagt. So kommt es, dass ich mich in Palmachim wiederfinde, dem Allerheiligsten der israelischen Militärtechnologie. Hier wurden die Antiraketenraketen Arrow getestet. Nun sehe ich hier Asafs Bordvideoaufnahmen. Ich höre seinen Funkverkehr vom 3. Januar, in dem man ihm befiehlt umzukehren, weil sein Ziel, der Terrorist, von einem Kind begleitet wird. Ich sehe vier dieser unglaublichen Filme, auf denen bereits abgefeuerte Raketen auf ein braches Feld umgelenkt werden, weil im letzten Moment ein Zivilist im Bildschirm erscheint oder das anvisierte Auto in die Tiefgarage eines Hauses fährt, dessen Bewohner nicht gewarnt wurden.

Ich ahne, dass nicht alle dieselben Skrupel haben wie Asaf, wie soll man sonst die viel zu zahlreichen und völlig unakzeptablen Blutbäder erklären? Aber dass es in den israelischen Streitkräften einen Asaf gibt und dass deren Richtlinien seine Haltung eher stützen, dass Asaf nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, darauf hinzuweisen ist wichtig, weil es dem Klischee zuwiderläuft, nach dem diese Armee ein Haufen von Schlägertypen sei, die nur auf Frauen und Greise losgehen.”

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