Israel und die sogenannnte “Unverhältnismäßigkeit”

Mit seinen Feinden hat Israel gelernt zu leben – und zu kämpfen. Mindestens genauso unangenehm sind aber seine falschen Freunde – Schreibtisch-Strategen, die vom warmen Abgeordneten- und Redakteursbüro in Paris oder Berlin aus Israels Kriegsstrategie kritisieren. Dabei gibt es zwei rethorische Klassiker. Klassiker eins: Man erweise Israel keinen Gefallen, wenn man es unterstütze. Diese interessante Denkfigur adelt auch noch eine Haltung als Freundschaft, die Israel Solidarität verweigert: Nur wer Israel kritisiere, sei ein wahrer Freund (Deutschlandfunk-Kommentar, 5.1.08). So gedacht ist Israel wohl das Land mit den meisten Freunden auf der Welt. Klassiker zwei: Israels Reaktion auf den Dauerbeschuss, der einen ganzen Landesteil quasi unbewohnbar macht, sei „unverhältnismäßig“ (SPD-Fraktionsvize Walter Kolbow, 5.1.08 und viele, viele andere, darunter Sarkozy und EU-Außenpolitikerin Ferrero-Waldner). Was aber wäre „verhältnismäßig“? Unausgesprochen betätigen sich die Kolbows als Leichenzähler: Einer ins Töpfchen, einer ins Kröpfchen – erst wenn ein israelischer Bürger tot ist, darf Israels Militäraktion auch ein Opfer fordern. Dann steht es sozusagen eins zu eins. Bei jetzigem Stand, angeblich 530 palästinensische Opfer (wenn diese, von der Hamas herausgegebenen Zahlen denn stimmen) haben wir bei drei toten israelischen Soldaten und ein dutzend Toter durch Raketenbeschuss mindestens 500 tote Israelis zu wenig. Da muss doch noch was gehen! In Wahrheit ist die Verteidigung des eigenen Staatsgebiets, bei dem die israelische Armee sehr behutsam vorgeht und die Bewohner von angegriffenen Häusern vorher warmt (ein einmaliger Vorgang in der Kriegsgeschichte), Kernaufgabe eines Staates. Der Schutz der eigenen Bürger misst sich nicht nach Toten. Er ist Staatsräson. Ein Staat, der seine Bürger nicht mehr schützen kann, hat aufgehört zu existieren. Aber vielleicht ist das ja das wahre Ziel der so genannten Israel-Freunde.

1 Kommentar zu „Israel und die sogenannnte “Unverhältnismäßigkeit”“

  1. HeinrichPeters sagt:

    Ein wichtiger moralischer Grundsatz der selbsternannten Antizionisten und uneingestandenen Antisemiten ist:

    Greifen 10 Nazis einen Juden an, um ihn zu töten, dann ist eine erzwungene Notwehr, bei der mehr als ein Nazi sein Leben verliert, unverhältnismässig und nicht zu rechtfertigen.

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