Archiv für Februar 2009

Warum ich Deutschland mag

Mittwoch, 25. Februar 2009

Anruf beim Einsatzführungskommando der Bundeswehr, Nachfrage, warum ein bestimmter Kontakt bei Flugbereitschaft in Köln-Wahn seit Tagen quasi nicht erreichbar ist. “Probieren Sie’s frühestens am Mittwoch oder Donnerstag, da ist jetzt Karneval.”

Liebe Taliban, Angriff auf deutsche Truppen in Afghanistan bitte auf die Nach-Karnevalszeit verschieben, Bundeswehr-Nachschubwege aus westdeutschem Kernland wegen komischem Kostumfest, sie nennen es Karneval, unterbrochen.

Übrigens, Taliban, bei Euch ist ja kostümmäßig immer fünfte Jahreszeit. Nur liebe Taliban, in Köln haben die auch noch Spass dabei und gepopt uind gesungen wird auch.

Viele Grüße aus Westdeutschland, dem besten Land der Welt. Es war ein langer Weg von Stalingrad hin zur eingeschränkten Dienstbereitschaft wegen Karneval. Und gerade deshalb lieben wir dieses nur bedingt abwehrbereite Land.

Ich suche einen Job

Donnerstag, 19. Februar 2009

Deutschland – ein Psycho-Krieg

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die Nachfolgerin der Religion ist die Psychologie. An nichts wird geglaubt – außer an die Psychologie. Ihr bringt man all das entgegen, was man der Religion, die ein leichtes Opfer von kritischem Bewußtsein ist, verweigert: ihr wird alles geglaubt, vor ihr wird gekuscht, sie ist unfehlbar, sie ist der Heilsbringer. Man sieht das zum Beispiel daran, dass in Kummer-Sendungen wie “Domian” die Gebückten und Bedrückten regelmäßig an “meine Psychologin” weitergereicht werden. Und regelmäßig klingt das wie eine Weiterleitung an den Messias, der die Sache schon lösen wird.

Dieses Land hat eine Obsession mit der Psychologie. Es sind Kleinigkeiten, die das belegen. Hat irgendwo ein schwerer Unfall stattgefunden, wird seit einigen Jahren nicht nur diese Tatsache gemeldet, sondern auch dass “Psychologen” vor Ort seien, die fassungslose Angehörige betreuen. Worin der Nachrichtenwert dieser Tatsache besteht, bleibt zweifelhaft. Vielleicht ist es die Leistungsschau einer Branche, vielleicht soll auch nur gesagt werden: alles paletti, die Profis sind vor Ort.

Oft wird die Berichterstattung über die Psychologisierung unserer Gesellschaft als “Tabubruch” gekennzeichnet. Das ist zum Beispiel bei der Berichterstattung über traumatisierte Soldaten der Bundeswehr der gängige Sound.

Vorweg: Die Entdeckung und Behandlung dieser Krankheit (posttraumatisches Stressyndrom) ist ein Fortschritt der Medizin und zu begrüßen. Das ist das eine.

Dennoch hat die journalistische Modewelle, sich dem Aghanistan-Einsatz über das Thema “Traumatisierung der Soldaten” zu nähern etwas Seltsames. Nicht nur ist es kein Tabubruch, das Thema anzusprechen, wie immer behauptet wird: Da seien “Kämpfertypen”, gefangen in ihrer Männlichkeit, deren Selbstbild es widerspräche zum Psychiater zu gehen, so raunt es aus den Blättern. Seit 40 Jahren wird Männlichkeit demontiert. Von Tabubruch kann also gar keine Rede sein, wenn über traumatisierte Soldaten berichtet wird.

Böse Zungen würden behaupten: Das mit dem Gefangensein in der eigenen Männlichkeit kann so nicht stimmen, den genau dieser Typus ist in der Bundeswehr selten anzutreffen. Wiederum böse Zungen behaupten: zu selten. Stattdessen herrscht in der Bundeswehr der sozialwissenschaftliche Sound der “interkulturellen Kompetenz”. Der “Staatsbürger in Uniform” ist weit entfernt von den Fightern, deren Aufgabe Donald Rumsfeld einst so umschrieben hatte: “To killl as many Talibans as possible”.

Nicht der Traumatisierte ist, wenn es um die Bundeswehrberichterstattung geht, das Tabu, sondern der gut ausgebildete Kämpfer, der um das Risiko des Einsatzes weiß, und sich sogar in ihm beweisen will.

Das Tabu ist, dass Soldaten dazu ausgebildet werden, um zu töten, und dass das evtl. auch in bestimmten weltpolitischen Konstellationen eine nützliche Fähigkeit ist. Das ist in Deutschland das Tabu, ganz abgesehen davon, dass es auch ein Tabu ist, deutsche Interessen zu definieren, und was wir bei der Durchsetzung dieser Interessen auch an Menschenleben zu opfern bereit sind. Das ist das allergrößte Tabu in diesem Land.

Auch ist es ein seltsamer psychologisierender Monolog dieser Gesellschaft, angesichts der Tatsache, das ganze Völker traumatisiert sind, zum Beispiel das afghanische, sich wieder nur selber zum Opfer zu erklären. Diese Gesellschaft hat eine weitere Obesession: Sie will Opfer sein.

Die Amerikaner hatten 58.000 Tote in Vietnam und bis heute ca. 2300 Tote in Irak. Es rühmt Deutschland und es ist ein Glück, dass wir in dieser furchtbaren Statistik mit unter 30 Toten zurückfallen. Trotzdem ist es seltsam, dass wir – auch mittels Spielfilm – bereits so tun, als sei Afghanistan unser Vietnam. Eine komische Selbststilisierung.

Vielleicht gibt es ja eine psychoanalytische Erklärung für das deutsche Suhlen im Leid – ausschließlich dem eigenen natürlich.

Geht es um eine deutsche Armee im Krieg, kann es gar nicht anders sein, als dass die deutsche Vergangenheit in der Berichterstattung mitschwingt.

Die obsessive Berichterstattung über die traumatisierte Armee, von durch Tod und Töten traumatisierten jungen Männern ist eine als “Tabubruch” hochstilisierte nachgeholte Widerstandshandlung, die nichts kostet. Sie kommt 65 Jahre zu spät. Aber die nachgeholten, unfassbar mutigen Widerstandshandlungen sind auch eine deutsche Spezialität.

Hitler hat man nicht gestürzt. Deshalb muss man 64 Jahre später Eva Herrmann mutig aus der Talkshow schmeißen. Eiine ganze Generation von Deutschen hat einst nicht nur einen ganzen Kontinent traumatisiert, sondern auch sich selbst. Deshalb müssen wir jetzt bei der Bundeswehr drüber reden. Obwohl es um eine andere Zeit und andere Armee geht, nämlich die demokratischste und zivilste deutsche Armee aller Zeiten geht. Seltsames Land.

Noch mal Papst

Mittwoch, 4. Februar 2009

So geht es allerdings auch nicht: Der Italien-Korrespondent der FAZ, Heinz-Joachim Fischer, ist in den Papst quasi hineingekrochen. Wieder herausgeschafft hat er es nicht.

Heinz-Joachim Fischer tickt so: Wenn “Intelektuelle” (also, um mit dem Papst, dem Fischer zu 100 Prozent und immer zustimmt, zu sprechen “Relativisten”) gegen etwas oder jemanden sind, dann ist derjenige oder die Sache grundsätzlich gut.

So wie der Papst. Eine andere Argumentation verfolgt Fischer nicht. Mit diesem, seinem einzigen Grundgedanken, betreibt Fischer nun seit Jahren seine Korrespondentenstelle in Rom. Genauso macht er es übrigens mit Berlusconi, dem anderen Fischer-Idol. Auch der hat das Glück von den Falschen, dem “intelektuellen Europa” angefeindet zu werden – also ist er einer der größten lebenden Politiker.

Woran liegt es also, dass der Papst so angefeindet wird? Fischer:

“Es muss wohl daran liegen, dass Joseph Ratzinger vor allem eines ist: grundzufrieden katholisch. Dies ist im intellektuellen Europa eine relativ seltene, und wenn, dann meist verborgene Geisteshaltung; damit zieht man wie der heilige Sebastian die Pfeile bei jeder Gelegenheit auf sich.Katholisch - und dann noch zufrieden damit. Welche Provokation. Aber so ist er.”

Aber so ist er. Ein Fels in der Brandung des widerlichen Zeitgeistes. Wenn jemand das ist, dann ist alles andere scheißegal. Erst recht, dass angeblich, laut Vatikan,  eine Wiedereingliederung eines Sektierers erfolgen kann, ohne dass dabei der Eindruck entstünde, man mache sich mit dessen Ansichten gemein oder dulde sie zumindest. Wiederaufnahme und Urteil über Bewertung der kruden Ansichten eines Sektierers können angeblich völlig getrennt werden. Das können die päpstlichen Theolgen und Kirchenrechtsexperten in ihren Oberseminaren erzählen – ein normaler Mensch kapiert sowas nicht.

Sich darüberhinaus aber wie Fischer einzureden “Katholisch-Sein” sei eine Provokation im “intelektuelen Europa”, ist natürlich erstens Selbstbeweihräucherung und Selbststilisierung als Widerstandskämpfer und zweitens totaler Realitätsverlust.

Kein Schwein interessiert es “im intelektuellen Europa” ob jemand Katholik ist oder irgendwas anderes. Eine zeitlang war es im “intelektuellen Europa”, Unterabteilung Berlin sogar der neueste heiße Scheiss, ein wenig den Katholiken zu spielen. In Wahrheit haben Intelektuelle genau diese Schwäche: Weil sie zuweilen haltlos sind, fühlen sie sich von Totalitarismen oder Religionen nicht selten angezogen.

Am liebsten würde man diesem Salon-Katholiken Fischer in die 70er Jahre zurückversetzen, ein Schild mit der Aufschrift “Ich bin Katholik und auch noch zufrieden damit” umhängen, und dann durch bestimmte Stadtteile von Belfast schicken. Dann wüßte er dem Unterschied zwischen zusammenphantasierter Salon-Provokation und eine einer richtigen Provokation.

Sonst aber herrscht in unserer Gesellschaft, was relgiöse Fragen angeht, eine angenehme, totale Gleichgültigkeit. Vielleicht schafft es Fischer ja doch noch regelmäßig, irgendwo einen altlinken Sozialkundelehrer aufzutreiben, der bei dem Bekenntnis “Ich bin Katholik und auch noch zufrieden damit” in Ohnmacht fällt. Die meisten werden sagen bei diesem bahnbrechenden, mutigen Bekenntnis wohl sagen: “Ja mei.”

Für die FAZ ist dieser Fischer erstaunlich unterkomplex.

Aber mich hat an der deutschen Konservativen immer gestört, dass sie so etwas wie Identität nur aufbauen können, in dem sie sich als Widerstandskämpfer gegen eine angebliche linke Weltverschwörung inszenieren.

Der Liberalismus, das darf man nie vergessen, ist von Kulturpessimisten von links und rechts gleichermaßen unter Feuer.

Die Papstkritiker-Industrie

Dienstag, 3. Februar 2009

Es ist nur ein Nebenaspekt der gegenwärtigen Papst-Krise mit dem nichts entschuldigt wird, was der alte Mann im Vatikan und seine Brüder versäumt haben:

Aber es gibt einen ganzen Berufszweig, dessen gesamte Tätigkeit und gesamte Berufsidentität nur einen Inhalt hat – gegen den Papst zu sein. Und es muss Ihnen gesagt sein, wie schlimm sie sind.

Diese Papstkritiker-Industrie um Hans Küng, Eugen Drewermann und Uta Ranke-Heinemann macht nicht nur Millionenumsätze mit dem Heiligen Vater, bzw. gegen ihn, er ist ihr in Wahrheit ihr ein und alles, ohne ihn wären sie nichts, er ist ihr spiritus rector, ihr Brötchengeber, er gibt ihnen Halt. Diese negative Berufsidentität “Papst-Kritiker”, auch “Kirche von unten” gehört dazu, ist das Feld hemmungsloser, narzistisch extrem gestörter Dauerbeschaller der Talkshows. Man mag dem Papst allerlei Unsinn unterstellen. Nie würde der Papst aber am Abend des 11. September 2001 die Geschmacklosigkeit und Ungeheuerlichkeit produzieren, die Tat von New York als Botschaft verzweifelter junger Männer zu bewerten, die in Wahrheit um Liebe betteln, die wir ihnen aber in westlicher Hybris und Arroganz verwehrt haben. Nein, der Papst würde sowas nicht sagen. Eugen Drewermann schon. Ich war live dabei vor dem Radiokasten.

Ist man erstmal in den moralischen Stand des Papstkritikers aufgestiegen, dann gilt offensichtlich das, was die Papstkritiker-Industrie dem armen Objekt ihrer Machenschaften nicht zugestehen wollen: Unfehlbarkeit.

Dabei gäbe es eine klare und saubere Lösung für die Papstkritiker-Industrie, aber die ist für diese schwer gestörten Narzissten nicht gangbar – ist doch der Titel des Opfers und Widerstandskämpfers der am meisten begehrte.

Sie sind gegen das Zölibat. Sie sind gegen die Unfehlbarkeit des Papstes. Sie sind gegen das Verbot Frauen als Priester zu weihen. Sie bezweifeln die Jungfrauengeburt. Es gab schon mal einen, der gegen all das war.

Er hieß Martin Luther und gründete einen neuen Verein, in dem das alles abgeschafft war. Der hieß evangelische Kirche und kann noch Mitglieder gebrauchen.

Wäre es dann nicht naheliegend, endlich Ruhe zu geben und aus dem Verein, dessen fundamentale Prinzipien man ablehnt, einfach auszutreten und in den neuen Verein, der ist ja immerhin auch 500 Jahre alt, einzutreten?

Ich trete ja auch nicht in die FDP ein um anschließend einen Arbeitskreis Kommunismus-Jetzt! zu gründen.

Aber das ist wohl zu einfach gedacht. Die Umsätze der Papstkritiker-Industrie und der narzistische Gewinn als Opfer des bösen Katholizismus zu gelten, der ist einfach zu hoch.

Aber muss man mit der eigenen narzisstischen Störung unablässig unschuldige Christen belästigen?