Noch mal Papst
Mittwoch, 4. Februar 2009So geht es allerdings auch nicht: Der Italien-Korrespondent der FAZ, Heinz-Joachim Fischer, ist in den Papst quasi hineingekrochen. Wieder herausgeschafft hat er es nicht.
Heinz-Joachim Fischer tickt so: Wenn “Intelektuelle” (also, um mit dem Papst, dem Fischer zu 100 Prozent und immer zustimmt, zu sprechen “Relativisten”) gegen etwas oder jemanden sind, dann ist derjenige oder die Sache grundsätzlich gut.
So wie der Papst. Eine andere Argumentation verfolgt Fischer nicht. Mit diesem, seinem einzigen Grundgedanken, betreibt Fischer nun seit Jahren seine Korrespondentenstelle in Rom. Genauso macht er es übrigens mit Berlusconi, dem anderen Fischer-Idol. Auch der hat das Glück von den Falschen, dem “intelektuellen Europa” angefeindet zu werden – also ist er einer der größten lebenden Politiker.
Woran liegt es also, dass der Papst so angefeindet wird? Fischer:
“Es muss wohl daran liegen, dass Joseph Ratzinger vor allem eines ist: grundzufrieden katholisch. Dies ist im intellektuellen Europa eine relativ seltene, und wenn, dann meist verborgene Geisteshaltung; damit zieht man wie der heilige Sebastian die Pfeile bei jeder Gelegenheit auf sich.Katholisch - und dann noch zufrieden damit. Welche Provokation. Aber so ist er.”
Aber so ist er. Ein Fels in der Brandung des widerlichen Zeitgeistes. Wenn jemand das ist, dann ist alles andere scheißegal. Erst recht, dass angeblich, laut Vatikan, eine Wiedereingliederung eines Sektierers erfolgen kann, ohne dass dabei der Eindruck entstünde, man mache sich mit dessen Ansichten gemein oder dulde sie zumindest. Wiederaufnahme und Urteil über Bewertung der kruden Ansichten eines Sektierers können angeblich völlig getrennt werden. Das können die päpstlichen Theolgen und Kirchenrechtsexperten in ihren Oberseminaren erzählen – ein normaler Mensch kapiert sowas nicht.
Sich darüberhinaus aber wie Fischer einzureden “Katholisch-Sein” sei eine Provokation im “intelektuelen Europa”, ist natürlich erstens Selbstbeweihräucherung und Selbststilisierung als Widerstandskämpfer und zweitens totaler Realitätsverlust.
Kein Schwein interessiert es “im intelektuellen Europa” ob jemand Katholik ist oder irgendwas anderes. Eine zeitlang war es im “intelektuellen Europa”, Unterabteilung Berlin sogar der neueste heiße Scheiss, ein wenig den Katholiken zu spielen. In Wahrheit haben Intelektuelle genau diese Schwäche: Weil sie zuweilen haltlos sind, fühlen sie sich von Totalitarismen oder Religionen nicht selten angezogen.
Am liebsten würde man diesem Salon-Katholiken Fischer in die 70er Jahre zurückversetzen, ein Schild mit der Aufschrift “Ich bin Katholik und auch noch zufrieden damit” umhängen, und dann durch bestimmte Stadtteile von Belfast schicken. Dann wüßte er dem Unterschied zwischen zusammenphantasierter Salon-Provokation und eine einer richtigen Provokation.
Sonst aber herrscht in unserer Gesellschaft, was relgiöse Fragen angeht, eine angenehme, totale Gleichgültigkeit. Vielleicht schafft es Fischer ja doch noch regelmäßig, irgendwo einen altlinken Sozialkundelehrer aufzutreiben, der bei dem Bekenntnis “Ich bin Katholik und auch noch zufrieden damit” in Ohnmacht fällt. Die meisten werden sagen bei diesem bahnbrechenden, mutigen Bekenntnis wohl sagen: “Ja mei.”
Für die FAZ ist dieser Fischer erstaunlich unterkomplex.
Aber mich hat an der deutschen Konservativen immer gestört, dass sie so etwas wie Identität nur aufbauen können, in dem sie sich als Widerstandskämpfer gegen eine angebliche linke Weltverschwörung inszenieren.
Der Liberalismus, das darf man nie vergessen, ist von Kulturpessimisten von links und rechts gleichermaßen unter Feuer.












