Archiv für die Kategorie „Deutschland“

“Weil er herausragt”

Mittwoch, 30. Januar 2008

Koch hat verloren. An der “F.A.Z.” lag das garantiert nicht

Von Hans-Joachim Friedrichs wird nur ein Satz überliefert, der aber ist ganz gut: “Ein Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen. Auch nicht mit einer guten.”

Angenommen, die gute Sache sei Roland Koch. Dann sieht man das bei der “F.A.Z.” mit dem gemein machen wohl fundamental anders: “Folgten Landtagswahlen den Gesetzmäßigkeiten der Politikwissenschaft, dann wäre die Bestätigung der Regierung Koch am Sonntag eine Formsache gewesen.” (29.1.)

Dass Wahlen aber nicht den Gesetzmäßigkeiten der Politikwissenschaft folgen, das mussten vor der F.A.Z. schon Generation von Studenten schmerzlich erlernen. Und zum Glück ist Demokratie auch keine Formsache. Es geht um Sympathie. Um Stil. Um spontane Zuneigung oder Ablehnung. Ja, wir haben die Fernsehdemokratie. Auch, wenn man darüber in der elitären F.A.Z. - wie ja traditionell im libertären Bürgertum - die Nase rümpft.
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Clement ist nicht dement

Mittwoch, 23. Januar 2008

Auch ein Irrer kann Recht haben – zumindest ein kleines bisschen

Wolfgang Clement ist ein Irrer, der mit Laptops wirft, joggt und gleichzeitig Kettenraucher ist. Und Clement reimt sich auf Zement und auf dement. Aus Zement wird Beton hergestellt und damit hat die fortschrittsgläubige Partei SPD das Land bis in die siebziger Jahre überzogen mit all ihren Gesamtschulen, Bildungszentren und den so genannten Mehrzweckhallen. Deshalb war der Mann an der Betonmischmaschine immer SPD-Klientel.

Zement ist also ein ganz hübsches Symbol für eine Partei, die in erster Linie immer eine Facharbeiterpartei war. Und Demenz, so könnte man meinen, ist in der überalterten Partei ein leider immer öfter auftretendes Phänomen.
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Koch fordert Todesstrafe

Mittwoch, 16. Januar 2008

Wann kommt diese Schlagzeile?

Milieus, die es gar nicht mehr gibt, entstehen noch einmal neu, wenn die Profis sich darum kümmern.

Es gab schon kein rot-grünes Milieu mehr im Jahre 2002, bis Gerhard Schröder es ein letztes Mal in einer Art Kulturkampf gegen den “Reaktionär” Stoiber neu erfand. Und das, was eine Erfindung war, raufte sich tatsächlich noch einmal für einen kurzen Augenblick zusammen, bevor wir jetzt, im Jahr 2007 beobachten, dass schwarz und grün, die eine gemeinsame bürgerliche Wurzel haben, sich wirklich näher kommen.

Einer der größten Profis der Polarisierungs-Branche aller Zeiten war Franz-Josef Strauss und auch Helmut Kohl war ein Meister darin, Menschen im Ressentiment zu Gruppen mit einem gemeinsamen Feind zusammenzuschweißen.
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Die Welt ist eine Mattscheibe

Mittwoch, 2. Januar 2008

Medienkritik von links: Walter van Rossum lässt die Katze aus dem Sack

Den Autor Walter van Rossum mag ich eigentlich ganz gern. Das heißt: Ich mochte ihn ganz gern. Vor drei Jahren machte Rossum mit seinem Buch “Meine Sonntage mit Sabine Christiansen” die gleichnamige Moderatorin fertig und das auf eine so schöne Weise, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen mochte. Lange bevor die FAZ auf die Idee kam die Titel der Christiansen-Sendung als völlig ausreichendes Psychogramm der trüben deutschen Seele abzudrucken, hatte Rossum den Laden als TV-Endlosschleife aus der Produktion des “Juste Milieu” entlarvt.

Die damals schon sichtbaren Tendenzen von Rossums, sich als Sprachrohr der Gewerkschaften und der Linkspartei zu gebärden wenn es um die Wirtschaftspolitik geht, übersah ich, schließlich ist ALLES besser als die Phrasen der Henkels und Hundts.
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“Text nicht gelesen, aber…”

Samstag, 8. Dezember 2007

In Bezug auf den Iran erklingt mal wieder deutsches Triumphgeheul

Wer eine deutsche Universität schon mal von innen gesehen hat, der kennt den Klassiker unter den Seminaristensätzen: Ich habe den Text nicht gelesen, aber…

Meistens folgen dann umfangreiche Ausführungen, die irgendwie mit dem Thema zusammenhängen. Soweit ich weiß, geht nichts über das gute alte Quellenstudium. Offensichtlich ist es aber genau das, was für die deutschen Großkommentatoren vor allem wenn es über Amerika geht – und über heisst immer: gegen – völlig überflüssig ist.

Jörg Lau von der Zeit etwa kann offensichtlich eine ganze Zeit-Seite vollmachen, ohne eine Zeile des CIA-Berichts über die iranische Atombombe gelesen zu haben.
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Ben Wisch you were here

Donnerstag, 22. November 2007

Schröder, Steinmeier, Merkel und der Dalai Lama

So reden Mitglieder einer traditionsreichen Partei, die sich einst die internationale Solidarität auf die Fahnen geschrieben hatte:

Einige Vorfälle, so Gerhard Schröder, hätten jüngst die Gefühle der Chinesen verletzt. Der gegenseitige Respekt und die Souveränität stünden im Mittelpunkt der Beziehungen zwischen China und Deutschland. Aus diesem Grund hätten seine Vorgänger und er den Dalai Lama nicht getroffen, sagte der Altkanzler der Zeitung zufolge weiter.

Gefühle von Diktaturen, die man nicht verletzen will. Wie weit runtergekommen der Laden, der sich SPD nennt inzwischen ist, lässt sich besser nicht beschreiben.
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“Gute soziale Mischung”

Dienstag, 6. November 2007

“Studenten, Handwerker, Künstler, Arme”: Bürger lieben’s anti-bürgerlich

Wir lesen im “Tagesspiegel” über die Wandlung des Berliner Touristenviertels am Hackeschen Markt: Das Viertel sei früher (vor 18 Jahren) “sehr lebendig” gewesen, mit einer “guten sozialen Mischung: Studenten, Handwerker, Künstler, Arme”.

Leben Sie auch in einer solchen “guten sozialen Mischung”, also mitten unter “Studenten, Handwerkern, Künstlern, Armen”?

Ich nicht. Ich lebe in einer äußerst unguten sozialen Mischung. Ich gestehe: Ich lebe in einem Viertel, in dem, ich wage es kaum auszusprechen, das Bürgerliche die dominante Rolle spielt.
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Der bewaffnete Kampf…

Donnerstag, 25. Oktober 2007

...muss weitergehen. Jedenfalls in Afghanistan – auch wenn er bei der Linken einen gewissen Ruf genießt

Der bewaffnete Kampf genießt bei der deutschen Linken immer noch einen gewissen mystischen Ruf. Nur leider den Falschen. Den von Andreas. Ulrike. Holger. Dabei stand der bewaffnete Kampf nicht nur “gegen den Willen des Staates sondern gegen den Willen des gesamten Volkes” (Helmut Schmidt).

Es gibt aber ein Volk, das nahezu begeistert ist von jungen Deutschen, die sich den bewaffneten Kampf auf die Fahnen geschrieben haben. Es ist das afghanische Volk. Und die jungen Deutschen, die mit der Waffe in der Hand kämpfen, gehören nicht zur RAF, sondern zur ISAF (International Security Assistance Force).
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Der Türöffner

Donnerstag, 18. Oktober 2007

Dreißig Jahre nach Mogadischu – Interview mit GSG-9-Gründer Ulrich K. Wegener

Gespräch mit Generalmajor Ulrich K. Wegener, Maritim-Hotel Bonn, 5.10.2007

JOST KAISER: Ich bin mit einer Boeing 737 hergeflogen. Wenn Sie das Flugzeug sehen, denken Sie sofort: Ah ja, so und so kriegt man die Eingänge auf?

ULRICH WEGENER: (lacht) Ach nein. Ich weiß natürlich schon, wie man so was macht, wobei die jetzige 737 ja eine ganz andere Maschine ist als die älteren Versionen.

J.K.: Haben Sie noch Kontakt mit Jürgen Vietor, dem Kopiloten der Landshut?

U.W.: Ja, sehr guten. Ich sehe ihn diese Woche wieder bei der Veranstaltung der Lufthansa zum 30. Todestag von Kapitän Schumann.

J.K.: Vietor ist nie wieder eine andere Maschine geflogen als die 737. Er konnte sich nicht umstellen, und wollte auch für größere Maschinen und die Menschen darin nicht die Verantwortung übernehmen.

U.W.: Dass er da sehr mitgenommen war, ist mir klar. Diese Tage in der Maschine müssen furchtbar gewesen sein. Er musste ja alleine die Verantwortung tragen, nachdem Schumann tot war.
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Die Juden und der “Stern”

Montag, 8. Oktober 2007

Die guten Deutschen und das obsessive Kreisen um das Eine

Es gibt etwas, das lässt dem “Stern”, dem Flaggschiff des linksliberalen Bürgertums, der so schön die Verwirrung seiner Klientel abbildet (mal wird das Pilgern gelobt, dann war Gott neulich auf einmal tot, wie der “Stern” bewies), einfach keine Ruhe:

Wie ist das jetzt mit den Juden? Was darf gegen sie gesagt werden, ohne gleich ein Antisemit zu sein?

Der “Stern” will es unbedingt ausloten, es scheint ihm ein tiefes inneres Bedürfnis zu sein, so als gäbe es am Ende doch nichts Schöneres und Fälligeres, als endlich gegen Israel sein zu dürfen. Das allein ist schon ein wunderbares Abbild der deutschen Obsession, sich immer und immer wieder mit “den Juden” und Israel zu beschäftigen.

Mal nennen die Deutschen ihre Kinder obsessiv Sara und Esther und finden “das Jüdische” so schön melancholisch und gleichzeitig fröhlich (Klezmer!), dann ist Scharon wieder Hitler und macht das mit den Palästinensern, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben.
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