Archiv für die Kategorie „Sprache“

Stammeln in Stammheim

Mittwoch, 1. August 2007

Auch ein Opfer der RAF: die Sprache

Es gibt die Basement Tapes von Bob Dylan, die White-House-Tapes von Richard Nixon und jetzt auch noch die Stammheim-Tapes von Andi Baader.

Wirklich Neues vom RAF-Wahnsinn erwartet niemand. Die Bänder “historisch” zu nennen, darauf kommt nur, wer sich tief in den RAF-Schrott hineingewühlt hat, so dass er alleine nicht mehr heraus findet. Dass “Ulrike”, damals sagte, man vertraut nur dem Vornamen, und sich mit Ensslin überworfen hatte - hier ist für Historiker noch ein Beweis. Doch welche Historie ist das? Wozu wird sie braucht?

Offensichtlich gibt es bereits eine Art Binnengeschichtsschreibung der RAF, betrieben von hochspezialisierten RAF-Archiv-Wühlern, die so etwas interessiert.

Es werden sich im RAF-Historien-Fetischismus, der sich immer mehr dem Nazi-Geschichtsschreibungs- Fetischismus nähert, sicher noch viele neue Fragen ergeben. Was der Führer vor seinem Selbstmord aß, wissen wir. Spaghetti mit Tomatensoße. Was aß eigentlich Baader vor seinem Untergang?
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Alptraum Bahn

Donnerstag, 19. Juli 2007

Wie ich einmal fast in Uwe-Karsten Heyes Alptraum endete

Ich bin in letzter Zeit viel Zug gefahren. Ich war in Baden, im Allgäu und im Oldenburgischen.

Der Zug will ja nicht mehr Zug sein, sondern Flugzeug, weil die Bahn einen Minderwertigkeitskomplex hat. Jetzt tragen sogar die Schaffnerinnen sogenannte Pillboxes, das sind Kopfbedeckungen aus den 50er-Jahren. Gerade hat die Lufthansa sie wieder eingeführt. Prompt hat sie auch die Bahn.

Dass der Zug nicht mehr Zug, sondern Flugzeug sein wollte, begann wohl in den späten 70er-Jahren mit dem Großraumwagen, der die Intimität des Abteils samt Butterbrotgeruch ablöste und bereits die Funktionalität der mobilen Angestelltenwelt vorwegnahm: Alle sassen in der gleichen Richtung und ausklappbare Tische für Laptops gabs ebenfalls, nur eben noch keine Laptops. Ein Großraumbüro auf Rädern.

Seit einiger Zeit werden auch Ansagen auf Englisch gemacht. Es ist ein Wahn der Bahnchefs zu meinen, man müsse Internationalität dergestalt unter Beweis stellen, dass beim jeweiligen nächsten Halt jeder Anschlusszug samt Stationen außerdem auf Englisch zu verkünden sei. “Next Stop Hannover Main Station, you have connecting trains to Münster via Osnabrück” - so geht das die ganze Zeit.

Bahnfahren sollte Ruhe sein. Doch Ruhe gibt es keine mehr. Ständig “erwartet” einen irgendein “freundliches Team”, das einen unbedingt mit einem Teller Suppe aus dem Sommerangebot “verwöhnen” möchte. “Team”, “verwöhnen”. Probieren Sie doch mal, kommen Sie, in den Bordtreff, wo unser “Service-Team Sie gern erwartet”. Es ist ein Graus.
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Acht gegen 80 Millionen

Mittwoch, 11. Juli 2007

…aber nur einer muss durchkommen. Für den Terror des 21. Jahrhunderts gilt: Ein bisschen mehr Panik kann nicht schaden

Diese Woche hat der “Spiegel” nach langer Zeit mal wieder seine Lieblingsrolle spielen können. Klar, das Pipi von Radrennfahrern und was da alles drin ist, lohnt auch der Betrachtung. Aber was ist das gegen die Königsdisziplin, nämlich die Demokratie vor denen da oben zu retten, die mal wieder durchdrehen? Das in guter, alter Landsersprache “Sturmgeschütz der Demokratie” genannte Nachrichtenmagazin war lange außer Dienst aber jetzt konnte es sich als letzte Verteidigungslinie der liberalen Demokratie profilieren. Was damals, in den Sechzigern Franz-Josef Strauss, das ist heute Wolfgang Schäuble.

In seinem Titel läßt es sich der Spiegel, das ist so ein Hobby von ihm, zunächst mal nicht nehmen, die Vereinigten Staaten mit dem Nationalsozialismus in einen Zusammenhang zu bringen. “Bushs furchtbare Juristen” heißt es an einer Stelle und mit dem Begriff “furchtbarer Jurist” ist bekanntlich der Nazi-Scherge Roland Freisler gemeint. Wo also, fragen wir uns, steht eigentlich der amerikanische Volksgerichtshof?

In die selbe Kerbe haut auch Heribert Prantl, der von der “Guantanamorisierung” des deutschen Rechts gesprochen hat.

Amerika, das ist auch hier das Land des Bösen, der große Satan. Und da wollen wir nun wahrlich nicht hin.
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68er ermordeten Romy Schneider!

Donnerstag, 24. Mai 2007

Neues vom Wahn: Die Linken haben noch was angestellt – sie verhagelten uns die “Sissi”-Filme und ihre Darstellerin

In Deutschland zu leben, heißt im Irrenhaus zu leben und Berlin ist die Gummizelle: das weiß man. Wolfgang Koeppen hatte für Bonn einst das Wort “Treibhaus” gefunden, aber das war nichts gegen Berlin. Was hier im Ideen- und Thesentheater im angeblichen geistigen Zentrum Deutschlands vor sich hin und ausgedacht wird, da wünscht man sich das unaufgeregte Bonn zurück.

Zur Obsession der Nazi-Aufarbeitung hat sich hier, das ist das Thema der Berliner Republik, längst als Co-Wahn die Aufarbeitung der 68er im Allgemeinen und der RAF im besonderen gesellt.

Keine neue Erkenntnis, kein geöffnetes Archiv ist notwendig, um in immer neuen Wellen über – je nach Geschmack – die Verdienste oder die Verbrechen (darunter machen es die so genannten Neo-Bürgerlichen nicht) “der 68er” zu reden, frei projeziert auf jedes Opfer das sich anbietet.

Und da man sich automatisch auf die Seite der Schwächeren stellen sollte, möchte ich mich heute dem inzwischen nur noch unbegreiflichen Wahn der Anti-68er zuwenden.
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Unser Dorf soll sauber bleiben

Donnerstag, 17. Mai 2007

Neues aus der Provinz – Berlin-Kreuzberg hat ein neues Motto: Kauft nicht bei…Amis!

Das, was früher im deutschen Sprachgebrauch die Scholle hieß, der Ort des authentischen, unverfälschten Lebens, am besten in Selbstversorgung oder umgeben von glücklichen Kleinhandwerkern, die in ihrem Schaufenster sitzend im Schneidersitz Hemden nähen, das wird im Berliner Sprachgebrauch mit dem Wort “Kiez” beschworen. So, oder so ähnlich soll es im “Kiez” auch zugehen, oder so wird er wenigstens zusammenphantasiert, sonst droht der “Ausverkauf”, die “Kommerzialisierung” oder das “Spekulantentum”, der “Zusammenbruch gewachsener Strukturen”.

Natürlich ist die “Kiez”-Idee vom “authentischen Leben” der reinste Kitsch, wie überhaupt das meiste, was als Lebensformen von der Linken propagiert wurde, der reinste Kitsch war. Gerhard Henschel hat dazu schon vor Jahren das Standardwerk vorgelegt (”Das Blöken der Lämmer – die Linke und der Kitsch”).

Nun ist es wieder so weit: Kreuzberg wehrt sich, und man weiß ja, wenn Deutsche sich wehren, ist Obacht angebracht. Der Grund der neuesten Kreuzberger Aufwallung: McDonald’s plant, in der Wrangelstraße (”Wrangel-Kiez”) eine Filiale aufzumachen.

Vom Kiez-Kitsch sind aber keineswegs die üblichen Schwachsinnigen (”Werdet aktiv, Kreuzberg bleibt McDonalds-frei !!!!!!” – indymedia.org) befallen, auf ORB.de, dem Portal des “Rundfunks Berlin Brandeburg” lesen wir dazu: “Die Nachbarschaft ist ein alternativer Kiez mit gewachsenen Strukturen. Viele kleine Unternehmen gibt es hier, darunter Bäckereien und Imbissbuden. Denen könnte es bald schlechter ergehen: In Kreuzberg war McDonalds bisher überhaupt nicht vertreten. Die meisten Wrangelkiezbewohner haben es nicht vermisst.”
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Kein Feind, nirgends

Montag, 23. April 2007

John McCain, Ronald Reagan: Für Deutsche ist das schlimmste Verbrechen brachiale Sprache, nicht brachiale Despoten

“Ich freue mich ihnen mitzuteilen, dass in fünf Minuten der Angriff auf die Sowjetunion beginnt”. Der Satz, den Ronald Reagan bei einer legendären Mikrofonprobe sprach setzte 1983 ein ganzes Land in Aufruhr: Nicht etwa die USA. Sondern natürlich Deutschland.

So ähnlich war das wieder letzte Woche: John McCain, der chancenlose republikanische Präsidentschaftsbewerber hatte bei einer Wahlveranstaltung auf die Frage eines Anhängers “Wann wir den Irabern eine kleine Grußbotschaft senden” geantwortet: “Sie meinen den Song von den Beach Boys?” Dann sang er zum Beach-Boys-Song “Barbara Ann” den Text “Bom, bomb, bomb, bomb, bom Iran”. Wer die Szene auf YouTube sieht, kann sich ein Lächeln nicht verkneifen. Ja, ich bekenne, ich fand die Idee witzig, den Beach-Boy-Song umzudichten. (more…)