Dirty Harry gegen Al-Kaida
Freitag, 30. November 2007…und andere Kuriositäten aus einer ereignisreichen Politik-Woche
Ich habe mir – zugegeben mit einiger Verspätung – das Buch “Der Tod wird euch finden” von Lawrence Wright vorgenommen. Das Buch handelt von der Entstehungsgeschichte der Al-Kaida.
Als das Buch im Frühjahr herauskam wurde es vor allem als Enthüllungsbuch über Bin Laden rezipiert: Unfähig sei der Mann gewesen, wenn es, damals in Afghanistan zum Kampf gegen die Russen kam, wurde ihm schlecht vor Angst, ein Hallodri und der 11. September sei sowieso ein Produkt des Zufalls.
Das ist nun aber aus meiner Sicht überhaupt nicht Thema des Buches. Es hat vielmehr eine andere Hauptfigur, den FBI-Mann John o’ Neill. Und das interessanteste an der Figur ist, dass sie ein Hauptthema des amerikanischen Kinos, das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, zur seelenlosen Bürokratie offensichtlich live durchlitten hat.
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Der Türöffner
Donnerstag, 18. Oktober 2007Dreißig Jahre nach Mogadischu – Interview mit GSG-9-Gründer Ulrich K. Wegener
Gespräch mit Generalmajor Ulrich K. Wegener, Maritim-Hotel Bonn, 5.10.2007
JOST KAISER: Ich bin mit einer Boeing 737 hergeflogen. Wenn Sie das Flugzeug sehen, denken Sie sofort: Ah ja, so und so kriegt man die Eingänge auf?
ULRICH WEGENER: (lacht) Ach nein. Ich weiß natürlich schon, wie man so was macht, wobei die jetzige 737 ja eine ganz andere Maschine ist als die älteren Versionen.
J.K.: Haben Sie noch Kontakt mit Jürgen Vietor, dem Kopiloten der Landshut?
U.W.: Ja, sehr guten. Ich sehe ihn diese Woche wieder bei der Veranstaltung der Lufthansa zum 30. Todestag von Kapitän Schumann.
J.K.: Vietor ist nie wieder eine andere Maschine geflogen als die 737. Er konnte sich nicht umstellen, und wollte auch für größere Maschinen und die Menschen darin nicht die Verantwortung übernehmen.
U.W.: Dass er da sehr mitgenommen war, ist mir klar. Diese Tage in der Maschine müssen furchtbar gewesen sein. Er musste ja alleine die Verantwortung tragen, nachdem Schumann tot war.
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Anti-modern ist modern
Montag, 10. September 2007Rechte Totschläger, Islam-Konvertiten und wer uns sonst noch alles vernichten will
Wer zynisch ist, würde sagen: Erst wenn wir hier einen ordentlichen Anschlag erlebt haben, wird sich die Dramaturgie des Palavers mal ändern. Eine Dramaturgie, die so geht: Ein Anschlag wird vereitelt. Die Täter sind Muslime, egal ob richtige, den Koran missbrauchende, oder welche auch immer. Sie berufen sich auf ihren Islam. Ehe noch überhaupt der Vorgang in seinem ganzen Ausmaß erhellt worden ist, und natürlich ehe jemand “die Muslime” verantwortlich gemacht hat (jeder, der bis drei zählen kann, würde das nie tun) treten die so genannten Mahner und Warner, eine berufsständisch nicht geschützte aber unglaublich umtriebige Profession, auf den Plan und sagen: Vorsicht! Jetzt bloß nicht “die Muslime” dsikriminieren!
Diesmal war es die sonst keiner Peinlichkeit aus dem Weg gehende Bischöfin Margot Käßmann. Der Käse diesmal: Wir dürfen jetzt nicht zur Islamophobie neigen!
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Saudi-Arabien: Ein Witz!
Freitag, 31. August 2007Lawrence Wright in der American Academy/Berlin
Lawrence Wright hat einen Bestseller geschrieben. “Der Tod wird euch finden”. Darin beschreibt er die Anschläge des 11. September als von Stümpern durchgeführte durch viel Zufall und mit viel Glück erfolgreiche Operation. Die Stümperei in der Vorbereitung des Anschlages wurde nur durch eines noch übertroffen: Die noch größere Stümperei der amerikanischen Geheimdienste.
Vielgerühmt wurde das Werk als nüchterne unpathetische Geschichtserzählung eines großen Stilisten.
Gestern nun stellte Lawrence Wright das Buch in der American Academy in Berlin-Wannsee vor.
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Stammeln in Stammheim
Mittwoch, 1. August 2007Auch ein Opfer der RAF: die Sprache
Es gibt die Basement Tapes von Bob Dylan, die White-House-Tapes von Richard Nixon und jetzt auch noch die Stammheim-Tapes von Andi Baader.
Wirklich Neues vom RAF-Wahnsinn erwartet niemand. Die Bänder “historisch” zu nennen, darauf kommt nur, wer sich tief in den RAF-Schrott hineingewühlt hat, so dass er alleine nicht mehr heraus findet. Dass “Ulrike”, damals sagte, man vertraut nur dem Vornamen, und sich mit Ensslin überworfen hatte - hier ist für Historiker noch ein Beweis. Doch welche Historie ist das? Wozu wird sie braucht?
Offensichtlich gibt es bereits eine Art Binnengeschichtsschreibung der RAF, betrieben von hochspezialisierten RAF-Archiv-Wühlern, die so etwas interessiert.
Es werden sich im RAF-Historien-Fetischismus, der sich immer mehr dem Nazi-Geschichtsschreibungs- Fetischismus nähert, sicher noch viele neue Fragen ergeben. Was der Führer vor seinem Selbstmord aß, wissen wir. Spaghetti mit Tomatensoße. Was aß eigentlich Baader vor seinem Untergang?
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Acht gegen 80 Millionen
Mittwoch, 11. Juli 2007…aber nur einer muss durchkommen. Für den Terror des 21. Jahrhunderts gilt: Ein bisschen mehr Panik kann nicht schaden
Diese Woche hat der “Spiegel” nach langer Zeit mal wieder seine Lieblingsrolle spielen können. Klar, das Pipi von Radrennfahrern und was da alles drin ist, lohnt auch der Betrachtung. Aber was ist das gegen die Königsdisziplin, nämlich die Demokratie vor denen da oben zu retten, die mal wieder durchdrehen? Das in guter, alter Landsersprache “Sturmgeschütz der Demokratie” genannte Nachrichtenmagazin war lange außer Dienst aber jetzt konnte es sich als letzte Verteidigungslinie der liberalen Demokratie profilieren. Was damals, in den Sechzigern Franz-Josef Strauss, das ist heute Wolfgang Schäuble.
In seinem Titel läßt es sich der Spiegel, das ist so ein Hobby von ihm, zunächst mal nicht nehmen, die Vereinigten Staaten mit dem Nationalsozialismus in einen Zusammenhang zu bringen. “Bushs furchtbare Juristen” heißt es an einer Stelle und mit dem Begriff “furchtbarer Jurist” ist bekanntlich der Nazi-Scherge Roland Freisler gemeint. Wo also, fragen wir uns, steht eigentlich der amerikanische Volksgerichtshof?
In die selbe Kerbe haut auch Heribert Prantl, der von der “Guantanamorisierung” des deutschen Rechts gesprochen hat.
Amerika, das ist auch hier das Land des Bösen, der große Satan. Und da wollen wir nun wahrlich nicht hin.
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Das Gift der RAF
Samstag, 7. April 2007Auch 30 Jahre nach dem Deutschen Herbst fordert die Terrortruppe Opfer: wenn auch nur intellektuelle
Vor dreißig Jahren wurde der Generalbundesanwalt Siegfried Buback ermordet. Normalerweise würde es jetzt losgehen, das deutsche Erinnerungstheater. Indes, es läuft schon. Schuld daran sind Klar und Mohnhaupt. Und weil die Talkshows schon seit Wochen heiß laufen, kann man inzwischen schon eine Zwischenbilanz des RAF-Erinnerungsjahrgangs 2007 ziehen. Die letzen zwei Opfer der RAF heißen Gerhart Rudolf Baum und Claus Peymann. Von beiden wird gern in diesen Tagen gesagt, auch 30 Jahre danach sei die Zeit nicht aufgearbeitet. Wie immer verwechseln die Protagonisten ihre spezielle Befindlichkeit mit der allgemeinen. Baum und Peyman haben IHRE Siebziger noch nicht aufgearbeitet. In Wirklichkeit gibt es nichts aufzuarbeiten. Die meisten Deutschen sind wahrscheinlich der Meinung, und das zurecht, die RAF sei eine Mörderbande gewesen, und zwar von Anfang an. Irre, die wirklich geglaubt haben, und zwar ausgerechnet in der glücklichsten Ära der Bundesrepublik (ach käme sie wieder!), diese sei ein faschistischer Staat. Peymann findet wohl tatsächlich immer noch: Ja, das hat man damals tatsächlich glauben können, denn: Klar, aber auch er selbst, Peymann, seien Angehörige einer “tragischen Generation.” Was meint er damit? Tragik, das klingt nach unausweichlicher Verstrickung, nach Verlust der Entscheidungsfähigkeit, nach griechischem Drama, nach düsteren Kräften, gegen die man nichts ausrichten kann und die einen in den Untergrund hätten ziehen können. Was aber war an der Generation Klar/Peymann tragisch? Die Antwort lautet selbstverständlich: nichts.
Talibanausen
Mittwoch, 4. April 2007Die Kurt-Beck-Idee, mit den apokalyptischen Galgenvögeln der Taliban zu verhandeln, ist nicht nur naiv: Es ist Verrat an der Sozialdemokratie
Zunächst: Wenn es darauf ankommt, das muss man sagen, kann man sich verlassen auf die Sozialdemokratie: Schröder stellte 2002 die Vertrauensfrage, als es darum ging, die Beteiligung der Bundeswehr am Aufbau in Afghanistan durchzusetzen. Immer wieder hat die SPD das Afghanistan-Mandat später verlängert. Dennoch ist da mehr: Eine tiefe Sehnsucht prägt die Partei, der große Irrtum, die Welt könne ausschließlich durch guten Willen, Entwicklungshilfe und Verhandlungen verbessert werden. Der Vulgärpazifismus der SPD ist nicht nur falsch, er ist Verrat an einer Partei, die eigentlich wissen müsste, was Totalitarismus ist, sie hat nämlich in ihrer Geschichte selbst unter ihm gelitten. Man muss die Taliban, den Antisemiten Ahmadenidschad und die enthemmten Menschenschlächter in Irak nicht alle in einen Topf werfen, aber es ist unverkennbar, dass der neue Totalitarismus in dieser Welt aus der “islamischen Welt” kommt. Leider schlägt die SPD ihr antitotalitäres Erbe aus. Wer in die Ortsvereine der SPD geht, wird mit vulgärpazifistischen Sprüchen konfrontiert wie: “Kriege haben noch nie etwas gutes bewirkt” und ähnliches. Ich kenne da ein paar Kriege in der Geschichte, die haben etwas Gutes bewirkt. Der in Afghanistan ist jedenfalls eines: gerecht. Wir sind der pathetischen Sprache in Deutschland aus guten Gründen entwöhnt. Aber es muss gesagt werden: Wir müssen diesen Krieg unbedingt gewinnen.


