Neulich las ich - im Internetportal “Perlentaucher” – die Schlagzeile: “Gaza-Krieg: Linke versagt”.
Beglückt dachte ich: Endlich sagt’s mal einer, genau, richtig. Die Linke hat schließlich ihre Erfahrung gemacht mit Totalitarismus, auch und vor allem mit dem eigenen, die Linke wird ein Gemeinwesen namens Israel, einem liberalen, pluralistischen und demokratischem Staat zur Hilfe kommen, wenn dieser von einem neuen Totalitarismus namens Hamas, Djihadismus oder Hizbollah oder sonstwie angegriffen wird. Dann wäre die Linke bei sich. Dann suchte ich den Artikel. Und dann ging es nicht um die westeuropäische Linke und den Gaza-Krieg, sondern es ging mal wieder um die israelische Linke, die in der kriegslüsternen Mittelmeernation nicht genug tue, um den Kriegstreibern in den Arm zu fallen.
Uns soll immer eingeredet werden, hier wären halt zwei Kriegsparteien ineinander verkeilt, die grundsätzlich gleich schlecht oder gleichgut seien.
Thomas Avenarius hat in einem absolut irren Artikel in der “Süddeutschen” diese Haltung noch auf die Spitze getrieben, indem er westlichen Politikern vorwirft, sie würden zu große Sympathie für eine Kriegspartei zeigen, nämlich Israel:
“Wenn zum Beispiel der Nahost-Beauftragte Tony Blair beim israelischen Verteidigungsminister
Ehud Barak die Chancen einer Waffenruhe in Gaza auslotet, herzen sich
die beiden vor den Kameras nach Männerart: Schulterklopfen, breites Lachen. Wenn auch noch Israels Außenministerin Tzipi Livni auftaucht, gibt es kein Halten mehr für die westlichen Diplomaten: EU-Außen-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner tauscht Küsschen nach Damenart, EU-Chef-Außenpolitiker Solana schließt sich kavaliersmäßig an. (…)
Was wäre, wenn nun der Hamas-Hardliner Machmud Zahar auftauchen würde? Gäbe es für den anderen Gaza-Kombattanten auch Schulterklopfen, Küsschen?”
Tja, das ist die Frage. Dass die Antwort selbstverständlich nein lautet, und dass sie deshalb ohne großes Nachdenken nein lautet, weil der Westen für das westlich geprägte Israel vielleicht sogar etwas wie Sympathie empfindet – eine Sympathie, die es eben schwerfällt für eine Vereinigung zu empfinden, die den Westen samt Israel, könnte sie es, wegbomben, bzw. in ein Kalifat verwandeln würde – auf diese Idee kommt Avenarius nicht. Das Problem ist: auf diese Idee kommen auch viele andere nicht.
Pro-Palästina-Demonstration, 10.1. Berlin. Eine arabische Famile rückt ab. Durch den Hauptbahnhof Berlin hallen Parolen, einer skandiert, alle anderen antworten im shout/response so etwas wie “Tod Israel”. Der Familienpatriarch geht vorneweg, dahinter die Frau mit Schleier, dann das Kind mit Plakat: “Gaza=Holocaust”
Mir ist es unverständlich wie Leute, die auf linksdeutsch in solch “patriarchalen Strukturen” daherkommen, ernsthaft damit rechnen können, von linken Demonstranten, von einem Teil der akademischen Jugend Unterstützung zu erfahren.
Bereits hier lag ein Hauch von politischem Totalitarismus über der Szenerie. Ganz abgesehen davon, dass man sich fragt: Wo sind eigentlich die ganzen Batallone von Kindesmissbrauchs-Anprangerern, wenn man sie braucht? Wenn das kein Kindesmissbrauch ist, kleine Jungs mit großen Hassplakaten durch die Strassen zu schicken.
Djihad! Gesundheit.
Zum Glück geht’s auch so:
