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	<title>Jost Kaiser - Politik-Blog - VANITYFAIR.DE</title>
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	<description>Ein neues WordPress-Weblog</description>
	<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 17:20:37 +0000</pubDate>
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		<title>Mike und Ron – wie zwei Jungs den Ostblock fertigmachten</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Jun 2009 17:20:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[1988 kam es in der Ostberlin, direkt an der Mauer, zu einem bemerkenswerten Ereignis. Die Eurythmics, ein englisches Pop-Duo, das durchaus nicht zum aufregendsten geh&#246;rte, was der Pop damals zu bieten hatte, spielte in Westberlin vorm Reichstag auf.
Auf der Ostseite, in H&#246;rweite, versammelte eine Menschenmenge in Stonewashed Jeansjacken um wenigstens ein paar B&#228;ssen und Gitarren, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>1988 kam es in der Ostberlin, direkt an der Mauer, zu einem bemerkenswerten Ereignis. Die Eurythmics, ein englisches Pop-Duo, das durchaus nicht zum aufregendsten geh&#246;rte, was der Pop damals zu bieten hatte, spielte in Westberlin vorm Reichstag auf.</p>
<p>Auf der Ostseite, in H&#246;rweite, versammelte eine Menschenmenge in Stonewashed Jeansjacken um wenigstens ein paar B&#228;ssen und Gitarren, die bei gutem Wind vom Reichtsg her&#252;berwehten, lauschen  zu k&#246;nnen, wenn sie schon nicht selbst dabei sein konnten.</p>
<p>Als die Vopos die Versammlung auseindanderkn&#252;ppelten, erst da wurde sie politisch, bzw. ihr schon vorher vorhandener politischer Inhalt, brach sich Bahn: &#8220;Die Mauer muss weg&#8221;, skandierten die Stonewashed-Tr&#228;ger. Popmusik ist politisch. Und wie gro&#223; muss die Sehnsucht der Ostdeutschem nach IHM gewesen sein, welche Wirkung muss ER gehabt haben, wenn die mittelm&#228;&#223;igen Eurythmics schon, den richtigen Impuls nach Freiheit ausl&#246;sten? Was hat Michael Jackson zum Ende des Ostblocks beigetragen?</p>
<p>Wir haben uns angw&#246;hnt, Widerstand gegen ein Unrechtsregime nur dann f&#252;r wertvoll zu halten, wenn er sofort mit politischen Begriffen artikuliert wird. Dabei ist die Sehnsucht Coca-Cola zu trinken oder eben sich eine Michael-Jackson-Platte kaufen zu k&#246;nnen auch Teil der Freiheit. Die Sehnsucht danach war nichts L&#228;cherliches. Es war die gr&#246;&#223;te Schmach des Otto Schily, als er einst eine Banane in die Kamera hielt, um Konsum als Motiv einer politischen Wahlentscheidung zu diskreditieren.</p>
<p>Auch Popmusik ist ein solches Sehnsuchts-Konsumgut, aber Popmusik ist auch ein Emanzipationsmedium. Ich behaupte, dass die J&#228;mmerlichkeit der ostdeutschen Popmusikproduktion, man erinnere sich nur an so schw&#252;lstig, bombastrocklastig aufspielende Bands wie Karat, jedem Ostdeutschen noch k&#252;mmerlicher erscheinen musste, als ER, der Gr&#246;&#223;te der Gro&#223;en am Horizont erschien.</p>
<p>Ein Regime, in dessem Land nur schlechte Popmusik produziert wird, und sie war deshalb so schlecht, weil sie nicht Medium der Rebellion sein konnte und weil sie nicht den Geist der Emanzipation in sich tragen konnte – ein solches Regime ist schon genau aus diesem Grund entlarvt.</p>
<p>Diktaturen haben nur schlechte Musik hervorgebracht, und sie f&#252;rchteten die Entdeckung des K&#246;rpers, denn wenn der K&#246;rper sich befreit, will sich auch das Individium befreien. Deshalb hassten die Nazis Jazz.</p>
<p>Jedenfalls haben die Ostdeutschen und die Osteurop&#228;er insgesamt die Tatsache, dass ihnen Michael Jackson vorenthalten wurde, und dass einer wie Jackson eben nur vom Westen hatte hervorgebracht werden k&#246;nnen, genau richtig gedeutet: dass ihnen die Freiheit insgesamt vorenthalten wurde.</p>
<p>Michael Jackson hat durch seine amerikanische L&#228;ssigkeit und seine ironische K&#246;rperbeherrschung, wie sie in den grandiosen Choreographien zum Ausdruck kommt, die zum Teil &#228;usserst komisch sind, dem Ostblock seinen eigenen Mangel noch st&#228;rker deutlich gemacht.</p>
<p>Diktaturen sind nicht l&#228;ssig. Sie sind nicht ironisch. K&#246;rper sind bei ihnen vor allem dazu da, in der Masse unterzugehen, anstatt sich in l&#228;ssigen, das Individuum feiernden Tanzschritten auszutoben.</p>
<p>Michael Jackson hat die Mauer mit zum Br&#246;seln gebracht. Den Rest besorgte der Mann rechts neben ihm.<img class="aligncenter" src="http://www.nypost.com/photos/galleries/gossip/celebp/20080829_michael_jackson/photo10.jpg" alt="" /></p>
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		<title>Auf dem Amt</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 12:01:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Heute war ich auf dem sogenannten B&#252;rgeramt Charlottenburg.
An folgenden Bekundungen gesellschaftlicher Spezialinteressen bin ich vorbeigeschritten, um schlie&#223;lich ins Heiligste staatlicher Hoheitsaufgaben vorzudringen, der Passausstellung: Vor dem Rathaus hing die Regenbogenfahne. Im Gang hingen nacheinander: Der Schaukasten des Seniorenvereins. Der Kasten der SPD. Der Kasten der Migrationsbeauftragten. Der Kasten der Gleichstellungsbeauftragten. Der Kasten der Landsmannschaft Pommern/Schlesien.
Nun [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Heute war ich auf dem sogenannten B&#252;rgeramt Charlottenburg.</p>
<p>An folgenden Bekundungen gesellschaftlicher Spezialinteressen bin ich vorbeigeschritten, um schlie&#223;lich ins Heiligste staatlicher Hoheitsaufgaben vorzudringen, der Passausstellung: Vor dem Rathaus hing die Regenbogenfahne. Im Gang hingen nacheinander: Der Schaukasten des Seniorenvereins. Der Kasten der SPD. Der Kasten der Migrationsbeauftragten. Der Kasten der Gleichstellungsbeauftragten. Der Kasten der Landsmannschaft Pommern/Schlesien.</p>
<p>Nun war es ein weiter Weg, vom irren deutschen Gedanken, dem Kern des deutschen Antiwestlertums, es g&#228;be nur ein Volk und darin keine verschiedenen Interessen. Und durchaus bin ich Fan der amerikanischen Staatsidee, dass eine Gesellschaft nicht nur nicht Parallelgesellschaften bek&#228;mpfen soll – sondern dass sie aus diesen besteht, und zwar ausschlie&#223;lich. Nur: die Amerikaner haben ja auch eine Staatsidee und zwar eine schillernde, die das alles am Ende zusammenf&#252;hrt unter &#8220;E pluribis unum&#8221;.</p>
<p>Statt auf einem gut gef&#252;hrten Berliner Amt landet man also auf dem Jahrmarkt der Subkulturen. Im B&#252;rgeramt Charlottenburg ist man dem unbedingten Modernismus verfallen und denkt wohl, die Summe der Spezialinteressen erg&#228;be schon das Ganze. Und all das w&#228;re nicht so schlimm, w&#252;rde es nicht auf den G&#228;ngen am Ende doch nach schlimmstem preu&#223;ischem Amtsschimmel stinken.</p>
<p>Jedenfalls musste ich erst zur Kenntnis nehmen, was der Seniorenverein und die Landsmannschaft Schlesien so denken – dabei wollte ich doch nur einen Pa&#223;!</p>
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		<title>Der Totalitarismus der Sensiblen</title>
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		<pubDate>Tue, 16 Jun 2009 19:48:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich mache seit einiger Zeit Yoga bei einer sehr netten Frau. Arme hoch, der Hund, die Cobra, alles gut, alles entspannend. Doch manchmal werde ich sehr unentspannt.
Was eben doch st&#246;rt an der ganzen b&#252;rgerlich-neofern&#246;stlichen-Kontemplationschose f&#252;r sensible Studenten, esoterische Omas und den Neuen Mann sind Ungeheurlichkeiten wie die folgende. Bestenfalls ist es der &#252;bliche Kitsch, wie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich mache seit einiger Zeit Yoga bei einer sehr netten Frau. Arme hoch, der Hund, die Cobra, alles gut, alles entspannend. Doch manchmal werde ich sehr unentspannt.</p>
<p>Was eben doch st&#246;rt an der ganzen b&#252;rgerlich-neofern&#246;stlichen-Kontemplationschose f&#252;r sensible Studenten, esoterische Omas und den Neuen Mann sind Ungeheurlichkeiten wie die folgende. Bestenfalls ist es der &#252;bliche Kitsch, wie er in der Bibel der Kitischiers, dem &#8220;Kleinen Prinzen&#8221; zu finden ist.</p>
<p>Das Milieu ist eben doch geneigt, das war schon immer so, die Welt aus einem Punkt erkl&#228;ren zu wollen. So habe ich bereits den Satz geh&#246;rt, wenn nur alle Yoga machten, g&#228;be es keine Kriege mehr. Das unterscheidet unsere sensiblen Grossstadtenstpanner &#252;berhaupt nicht von den roten Khmer oder den Sowjets. Die wollten die Welt dadurch erl&#246;sen, dass sie alles B&#252;rgerliche vernichten wollten. Und unsere Grossstadtentspanner glauben, der Welt mangele es an Yoga. Das Prinzip ist dasselbe: Die Welt wirtd durch eine einzige Idee erl&#246;st von allem Leid.</p>
<p>Der lustige Esoteriktotalitarismus ist nat&#252;rlich harmlos, zeugt aber dennoch von der &#252;berraschenden Verwirrungszust&#228;nden im b&#252;rgerlichen Milieu.</p>
<p>Heute dann also dies: Jeder Mensch ist spirituell vollkommen, JEDER.</p>
<p>Und tritt einem jemand aggressiv gegen&#252;ber, dann bettele er eigentlich um Liebe.</p>
<p>War Adolf Hitler spirituell vollkommen?</p>
<p>Bettelt Al-Qaeida um Liebe?</p>
<p>Das Schlimme ist, dass Menschen, die mindestens ein Gymnasium, wenn nicht die Universit&#228;t durchlaufen haben, bei solchen Ideen nicht in Gel&#228;chter ausbrechen, sondern in wissend l&#228;chelnder Ehrfurcht erstarren, als sei etwas unfassbar Kluges, Tiefgr&#252;ndiges gesagt worden.</p>
<p>Ich hingegen verlasse mich beim L&#246;sen der Probleme, die der spirituell vollkommene Adolf oder die um Liebe bettelnde Al Qaeida hervorrufen auch weiterhin auf die Streitkr&#228;fte der Vereinigten Staaten.</p>
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		<title>Magazin-Journalismus</title>
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		<pubDate>Fri, 15 May 2009 17:13:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

		<category><![CDATA[Vergangenheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein Magazin des G-36-Sturmgewehrs hat ca. 30 Patronen. Ich bin jetzt wieder da und was da so alles los ist beim Bund, dazu werde ich sp&#228;ter was sagen. Nur soviel: ich denke jedenfalls bei Sturmgesch&#252;tz der Demokratie nicht nur mehr an den Spiegel aus Hamburg. Sondern auch an die Panzerhaubitze 2000. Auch der Vorwurf, Journalisten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Magazin des G-36-Sturmgewehrs hat ca. 30 Patronen. Ich bin jetzt wieder da und was da so alles los ist beim Bund, dazu werde ich sp&#228;ter was sagen. Nur soviel: ich denke jedenfalls bei Sturmgesch&#252;tz der Demokratie nicht nur mehr an den Spiegel aus Hamburg. Sondern auch an die Panzerhaubitze 2000. Auch der Vorwurf, Journalisten d&#252;rfen nicht in Uniform rumlaufen wird noch besprochen. Keine Angst.<a href="http://community.vanityfair.de/blogs/jost-kaiser/wp-content/uploads/2009/05/cimg0462.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-127" title="cimg0462" src="http://community.vanityfair.de/blogs/jost-kaiser/wp-content/uploads/2009/05/cimg0462.jpg" alt="" width="500" height="666" /></a></p>
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		<item>
		<title>Ich r&#252;cke ein</title>
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		<pubDate>Mon, 04 May 2009 06:49:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ab morgen spiele ich f&#252;r 11 Tage Soldat: Die &#8220;31. Dienstliche Veranstaltung zur Information (InfoDVag) f&#252;r Medienvertreter an der Offiziersschule der Luftwaffe (OSLw)&#8221; beginnt in F&#252;rstenfeldbruck. Das ist eine Art PR-Veranstaltung der Bundeswehr., bei der die Armee sich den sogenannten Medienvertretern vorstellt. Offiziell werde ich f&#252;r diese Zeit Soldat sein, Reservist im Range eines Oberleutnants. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!--StartFragment--></p>
<p class="MsoNormal">Ab morgen spiele ich f&#252;r 11 Tage Soldat: Die &#8220;31. Dienstliche Veranstaltung zur Information (InfoDVag) f&#252;r Medienvertreter an der Offiziersschule der Luftwaffe (OSLw)&#8221; beginnt in F&#252;rstenfeldbruck. Das ist eine Art PR-Veranstaltung der Bundeswehr., bei der die Armee sich den sogenannten Medienvertretern vorstellt. Offiziell werde ich f&#252;r diese Zeit Soldat sein, Reservist im Range eines Oberleutnants. Gemustert worden bin ich auch: Zwanzig Jahre nachdem ich zum ersten mal von der Truppe in Augenschein genommen worden war,<span>  </span>sa&#223; ich letzte Woche wieder mit pickeligen 20-j&#228;hrigen mit Stefan-Effenberg-Frisuren und den falschen Jeans, wie sagt man – beim Kommi&#223;. – nachdem ich vorher den „Steuerkopf“ aufgesucht hatte, das ist der Raum, von dem man weitergeleitet wird zur &#196;rztin, vor der ich dann Kniebeugen machen musste. Nur gab es zu damals zwei Unterschiede: 1989 war ich, wenn schon nicht pickelig, ein trotzdem verwirrter 20-j&#228;hriger und diesmal wollte ich auch nicht ausgemustert werden. Ob ich es damals wollte, wei&#223; ich nicht mehr so genau, aber unangenehm war es mir, als es so kam auch nicht. Bundeswehr war mir egal.</p>
<p class="MsoNormal">Zweimal war ich als Journalist mit der Bundeswehr unterwegs und ich jetzt guck ich mir das Ganze noch mal von innen an. Und geh&#246;re sozusagen dazu.</p>
<p class="MsoNormal">Wie das so ist in Berlin war das bereits in den letzten Tagen ein riesiger Gag im eigenen lustig-ironischen Medienmilieu, in dem man sich halt so bewegt. Ich r&#252;cke ein. Haha. Ich krieg eine Uniform, und zwar eine andere als Sakko, offenes Hemd und Jeans, die Uniform meines lustig-ironischen Medienmilieus.</p>
<p class="MsoNormal">Ich bin kein Renegat. Soweit ich wei&#223; und mich erinnern kann, war ich nie gegen den Bund. Ich bin in einer Garnisionsstadt aufgewachsen und hatte ein Poster mit den „Waffensystemen“ der Bundeswehr an der Wand. Das h&#246;rte sich an, wie ein Zoo: Fuchs, Wiesel und Wolf sind mir jedenfalls schon l&#228;nger als Fahrzeuge der Bundeswehr bekannt und nicht nur als lustige Gesellen in Wald und Flur. Aber genau das war der Dreh der Bundeswehr: die wollte nicht anders sein als die lustigen Gesellen in Wald und Flur und da war es kein Wunder, dass in den achtziger der Igel als Bundeswehr-Maskottchen eingef&#252;hrt wurde. S&#252;&#223;, aber bedingt abwehrbereit: Bis heute zeugt der Igel-Matsch auf unseren Landstra&#223;en davon.</p>
<p class="MsoNormal">Heute ist die Bundeswehr die interessanteste staatliche Institution, in der vieles sich konzentriert, was es an Widerspr&#252;chen gibt im Verh&#228;ltnis Deutschlands zur Welt und in unserem Selbstverst&#228;ndnis. Mischen wir uns ein, weltweit und wenn ja zu welchem Preis, den man zum Beispiel in S&#228;rgen messen kann. Was sind deutsche Interessen (Ja, die gibt es, zum Beispiel Rohstaffversorgung, deshalb war „Kein Blut f&#252;r &#214;l“ immer schon die verlogendste Parole – in Wahrheit hie&#223; sie: Wir lassen die Amis das machen, demonstrieren dagegen und fahren dann mit dem Auto nach Hause) und was setzen wir daf&#252;r ein. Sowas alles Gro&#223;es halt. Ich gebe auch zu, dass der ca. 20-j&#228;hrige MG-Sch&#252;tze, der mir in Afghanistan sagte, er tue das alles, damit M&#228;dchen in Afghanistan in die Schule gehen k&#246;nnen, mich mehr &#252;berzeugt hat als die gleichzeitig stattfindenden Anti-Afghanistan-Einsatz-Demontstrationen der deutschen Linken. Naiv? Ja, vielleicht. Aber der deutsche Wille, der in den Demonstrationen zum Ausdruck kommt, n&#228;mlich der fanatische Versuch unschuldig zu sein, unber&#252;hrt von den Widerspr&#252;chen, die etwa so ein Einsatz hervorruft, das hat mich abgesto&#223;en.</p>
<p class="MsoNormal">Das alles hab ich mir halt so gedacht, als ich mich entschloss zur Luftwaffe einzur&#252;cken.</p>
<p class="MsoNormal">Ich r&#252;cke ein: ein alter Kamerad, sozusagen.</p>
<p><!--EndFragment--></p>
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		<title>Ab nach Afghanistan!</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/jost-kaiser/2009/04/ab-nach-afghanistan/</link>
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		<pubDate>Wed, 08 Apr 2009 09:22:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Vom Rechtsstaat profitieren am meisten die, die ihn ablehnen.
M&#246;rder werden nicht ermordet. Diebe nicht enteignet. Brandstiftern und brutalen Pr&#252;glern wird nicht die Bude angez&#252;ndet und die Arme gebrochen.
Deshalb ist es so lustig in der Demokratie Krieg zu spielen: die vom Londoner B&#252;rgermeister Boris Johnson v&#246;llig zutreffend als &#8220;Heinis mit Nasenringen&#8221; bezeichneten Mittelschichtskinder, die so gern [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vom Rechtsstaat profitieren am meisten die, die ihn ablehnen.</p>
<p>M&#246;rder werden nicht ermordet. Diebe nicht enteignet. Brandstiftern und brutalen Pr&#252;glern wird nicht die Bude angez&#252;ndet und die Arme gebrochen.</p>
<p>Deshalb ist es so lustig in der Demokratie Krieg zu spielen: die vom Londoner B&#252;rgermeister Boris Johnson v&#246;llig zutreffend als &#8220;Heinis mit Nasenringen&#8221; bezeichneten Mittelschichtskinder, die so gern Krieg spielen, wie jetzt beim Nato-Gipfel, sie wissen ja: passieren wird ihnen nichts. Selbst wenn sie noch so brutal gegen die Polizei vorgehen, bis hin zum Mordversuch – der Gegenseite bei diesen Gel&#228;ndespielen f&#252;r Erwachsene sind im demokratischen Rechtsstaat die H&#228;nde gebunden. So bleibts beim Kriegsspiel mit Krankenversicherung und Grundrechten. Lustiger als Gotcha ist das auf jeden Fall. Vereinzelte Heinis mit Nasenringen, die im Graben zur&#252;ckbleiben, so wie in Genua, sind die Ausnahmen, die die Regel best&#228;tigen. Und sie werden von der &#8220;Bewegung&#8221; heftig bejubelt, scheinen sie doch der Beweis zu sein, dass es doch um den herbeifantasierten realen Krieg unter M&#228;nnern geht und nicht um einen Klassenausflug von erlebnisarmen Oberstufenkindern.</p>
<p>Es ist das Hobby der Erlebnisarmen. Der erste Mai in Kreuzberg und Besuche des amerikanischen Pr&#228;sidenten als August 1914 f&#252;r gelangweilte Gymnasiasten und kryptofaschistische Autonomenbanden. Egal, wie sie sich sich jeweils nennen: Sie sind der Mob. Endlich gehts los. Endlich die gro&#223;e Reinigung. Endlich Krieg, bei dem man die wahrscheinlich vor dem Spiegel einge&#252;bten kitschigen, theatralischen Streetfighter-Posen vor den Fernsehkameras in Szene setzen kann.</p>
<p>Weil es keine Gewalt gibt in b&#252;rgerlichen Rechtsstaaten, jedenfalls nicht so fl&#228;chendeckend wie von den &#8220;Heinis mit Nasenringen&#8221; herbeigeredet und gesehnt, muss welche erfunden werden.</p>
<p>Die geniale Erfindung der extremen Linken: Dinge zu sehen, die sonst keiner sieht, weil sie nicht da sind. Nicht nur, dass hinter jedem Gartenzwerg der &#8220;Faschismus&#8221; lauert. Auch, wo der nicht steht, sondern der gute Geschmack der Mittel- und erst recht der Oberschicht regiert, ist erst recht alles im Argen. Denn: dort wird &#8220;strukturelle Gewalt&#8221; ausge&#252;bt.</p>
<p>Mit dieser Fata Morgana l&#228;&#223;t sich noch jede Gegengewalt begr&#252;nden. Auch wo Hase und Igel sich Gute Nacht sagen, Kinder in blumen&#252;bersehten G&#228;rten spielen und gl&#252;ckliche K&#252;he grasen – dort ist keineswegs alles in Ordnung, denn die &#8220;strukturelle Gewalt&#8221; f&#252;hrt ihr bitterb&#246;ses Regiment!</p>
<p>Es ist ein bitterb&#246;ses Erbe der Linken, dass deren f&#252;hrende Vertreter sich mental von diesem Unsinn eben doch nicht v&#246;llig losgesagt haben. Warum Christian Str&#246;bele am Kinderkriegsschauplatz auftaucht, um irgendwie zu vermitteln, so, als seien Mob und Polizei gleichberechtigte Sparringspartner, ist v&#246;llig unverst&#228;ndlich.</p>
<p>Wichtiger ist aber etwas anderes: Bin Laden hatte recht. Der Kriegsphilosoph aus Arabien hat einmal gesagt: &#8220;Der Westen ist innerlich schwach&#8221;.</p>
<p>Seit vierzig Jahren phantasiert sich die linke Gro&#223;stadtjugend einen Feind zusammen, den es nicht gibt. Sie war in diesen letzten Jahrzehnten so ziemlich gegen alles, von dem sie entscheidend profititierte. Demonstrationen gegen die Taliban-M&#246;rderbanden oder gegen Nordkorea oder gegen die iranische Todesstrafe sind hingegen v&#246;llig unvorstellbar. Stattdessen richtet sich die westliche Jugend gegen sich selbst: Sie warf Steine gegen die Marktwirtschaft, sie verlachte die lang erk&#228;mpfte Demokratie als &#8220;formal&#8221;, B&#252;rgerlichkeit war allweil &#8220;faschistisch&#8221;, die Nato unter deren Schirm sich so pr&#228;chtig leben lie&#223; war &#8220;imperialistisch&#8221; und die USA sowieso. Jetzt ist die Globalisierung der Feind, die unter anderem dazu gef&#252;hrt hat, dass die indische Volkswirtschaft nicht mehr ausschlie&#223;lich davon abh&#228;ngig ist, ob westliche B&#252;rgerkinder-Hippies dort ihre wallenden Gew&#228;nder bestellen.</p>
<p>Bis heute wird dieser Gro&#223;stadtjugend irgendwie zugute Gehalten, mit ihrem jugendlichen Furor und erh&#246;hter Empfindsamkeit &#252;ber die Str&#228;nge zu schlagen und nur die Gewalt sei das Problem, nicht die Empfindsamkeit.</p>
<p>In Wahrheit ist diese Jugend nicht besonders empfindsam f&#252;r die Probleme der Welt, sondern sie ist gefangen in totaler Wahrnehmungsverweigerung. Die realen Probleme einer realen Welt interessieren sie einen Dreck.</p>
<p>Sie ist das, wovor sie andere immer warnt: eine ignorante Masse von Spie&#223;b&#252;rgern, die nichts kennt au&#223;er ihre dumpfen Rituale.</p>
<p>Nicht die Nato ist auf der Welt das Hauptproblem, sondern Nordkorea und Iran.</p>
<p>Nicht die irgendwie abstrakt bleibenden Ausgbeuteten und Unterdr&#252;ckten dieser Welt brauchen unsere &#8220;Solidarit&#228;t&#8221;, sondern konkret die Menschen in Afghanistan.</p>
<p>Sie wollen Krieg. Warum gehen die Streetfighter nicht nach Afghanistan? Dort haben sie ihren Krieg. Echten. Und nat&#252;rlich kann geschossen werden.</p>
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		<item>
		<title>Ein Mann, der einfach nicht geht</title>
		<link>http://community.vanityfair.de/blogs/jost-kaiser/2009/03/neues-von-althaus/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 13:16:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Immer dann, wenn pers&#246;nliche Schuld nicht ertragen werden kann, m&#252;ssen wolkige Kategorien her, philosophisch-luftige Begriffe, die pers&#246;nliche Schuld aufl&#246;sen und quasi in Naturereignisse uminterpretieren, &#8220;Ungl&#252;cke&#8221;, die &#252;ber einen gekommen sind, so wie Tsunami oder St&#252;rme einen heimsuchen k&#246;nnen.
Die Deutschen sind da ja Fachleute: Wer auf Kriegsdenkm&#228;ler schreibt &#8220;F&#252;r die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft&#8221; wo [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Immer dann, wenn pers&#246;nliche Schuld nicht ertragen werden kann, m&#252;ssen wolkige Kategorien her, philosophisch-luftige Begriffe, die pers&#246;nliche Schuld aufl&#246;sen und quasi in Naturereignisse uminterpretieren, &#8220;Ungl&#252;cke&#8221;, die &#252;ber einen gekommen sind, so wie Tsunami oder St&#252;rme einen heimsuchen k&#246;nnen.</p>
<p>Die Deutschen sind da ja Fachleute: Wer auf Kriegsdenkm&#228;ler schreibt &#8220;F&#252;r die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft&#8221; wo eigentlich stehen m&#252;sste: &#8220;F&#252;r die Opfer deutscher Kriege und deutscher Gewaltherrschaft&#8221;, der kennt sich mit sowas aus.</p>
<p>Ein paar Etagen drunter macht Dieter Althaus dasselbe. Er redet von &#8220;Tragik&#8221; und &#8220;Ungl&#252;ck&#8221;, so als g&#228;be es kein pers&#246;nliches Fehlverhalten, als dessen Ergebnis eine Tote auf der Piste zur&#252;ckblieb.</p>
<p>Es ist kein tragisches Ungl&#252;ck &#252;ber Althaus gekommen. Einfach so. Er ist der fahrl&#228;ssigen T&#246;tung schuldig und zurecht vorbestraft.</p>
<p>Eine bew&#228;hrte M&#246;glichkeit Schuld abzutragen, ist Demut. Und Schweigen. Doch Politiker k&#246;nnen nicht schweigen, von Berufs wegen nicht. Und deshalb l&#228;uft die Dieter-Althaus-Interpretationsmaschine bereits auf Hochtouren. Von was man nicht schweigen kann, davon soll man reden, reden, reden: Neues von Althaus. Jeden Tag. Wie geht&#8217;s denn Althaus heute? Wieder ein bisschen besser, Gottseidank.</p>
<p>Schwer zu glauben, dass da nicht auch PR-Strategen mitbasteln.</p>
<p>Schwer zu ertragen ist ein Ministerpr&#228;sident Althaus, wegen etwas, das er noch gar nicht gemacht hat, aber in Zukunft machen wird: In K&#252;rze wird der Mann &#252;ber die Marktpl&#228;tze ziehen m&#252;ssen. Und er wird ein paar S&#228;tze &#252;ber den Unfall verlieren m&#252;ssen.</p>
<p>Und das wird so klingen: In den Abgrund habe er geschaut. Er sei reifer geworden. Er wisse jetzt, wie verg&#228;nglich alles ist und genie&#223;e das Leben ganz anders. Jeder Tag k&#246;nne ja der letzte sein.</p>
<p>Ob Althaus das bezweckt oder nicht, ob er es will oder nicht: Althaus wird klingen, als wolle er den Unfall als etwas verkaufen, das einem gro&#223;artigen Ministerpr&#228;sidenten noch ein bi&#223;chen besser gemacht hat. Das ihm eine ganz neue Tiefe, eine Menschlichkeit und eine Reife gegeben hat, also zu einer Charakterfigur gemacht hat, in einem Milieu, der Politik, dem es doch so an Charaktertypen und gereiften Mensche fehle.</p>
<p>Hoffentlich sagt dann dem Althaus mal einer, dass pers&#246;nliche Reifungsprozesse, f&#252;r die andere mit dem Leben bezahlt haben, keine so sch&#246;ne Sache sind.</p>
<p>Ein Polititiker mit Tiefe und Lebensweisheit, kein abgehobener Staatsmann: Marketing-Vorteil fahrl&#228;ssige T&#246;tung.</p>
<p>Es wird erscheinen, als w&#252;rde Althaus den Unfall instrumentalisieren, so wie er es jetzt in langen Interviews mit der Bild-Zeitung gemacht hat, an deren Ende man sich dabei erwischt, wie man wirklich, etwas benebelt, ausruft: Der arme Mann!</p>
<p>Im Bild-Zeitungsinterview erscheint doch tats&#228;chlich die Pistensau Althaus am Ende als Opfer. Was f&#252;r eine Umkehrung der Verh&#228;ltnisse.</p>
<p>Gern w&#252;&#223;te man, was wohl der Mann zum gereiften Althaus sagt, dessen Frau tot ist und dazu nichts mehr sagen kann.</p>
<p>Nein – Althaus: Der geht einfach nicht.</p>
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		<title>Warum ich Deutschland mag</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2009 11:50:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Anruf beim Einsatzf&#252;hrungskommando der Bundeswehr, Nachfrage, warum ein bestimmter Kontakt bei Flugbereitschaft in K&#246;ln-Wahn seit Tagen quasi nicht erreichbar ist. &#8220;Probieren Sie&#8217;s fr&#252;hestens am Mittwoch oder Donnerstag, da ist jetzt Karneval.&#8221;
Liebe Taliban, Angriff auf deutsche Truppen in Afghanistan bitte auf die Nach-Karnevalszeit verschieben, Bundeswehr-Nachschubwege aus westdeutschem Kernland wegen komischem Kostumfest, sie nennen es Karneval, unterbrochen.
&#220;brigens, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Anruf beim Einsatzf&#252;hrungskommando der Bundeswehr, Nachfrage, warum ein bestimmter Kontakt bei Flugbereitschaft in K&#246;ln-Wahn seit Tagen quasi nicht erreichbar ist. &#8220;Probieren Sie&#8217;s fr&#252;hestens am Mittwoch oder Donnerstag, da ist jetzt Karneval.&#8221;</p>
<p>Liebe Taliban, Angriff auf deutsche Truppen in Afghanistan bitte auf die Nach-Karnevalszeit verschieben, Bundeswehr-Nachschubwege aus westdeutschem Kernland wegen komischem Kostumfest, sie nennen es Karneval, unterbrochen.</p>
<p>&#220;brigens, Taliban, bei Euch ist ja kost&#252;mm&#228;&#223;ig immer f&#252;nfte Jahreszeit. Nur liebe Taliban, in K&#246;ln haben die auch noch Spass dabei und gepopt uind gesungen wird auch.</p>
<p>Viele Gr&#252;&#223;e aus Westdeutschland, dem besten Land der Welt. Es war ein langer Weg von Stalingrad hin zur eingeschr&#228;nkten Dienstbereitschaft wegen Karneval. Und gerade deshalb lieben wir dieses nur bedingt abwehrbereite Land.</p>
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		<title>Ich suche einen Job</title>
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		<pubDate>Thu, 19 Feb 2009 14:43:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<title>Deutschland – ein Psycho-Krieg</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Feb 2009 09:22:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kaiser</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Allgemeines]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Nachfolgerin der Religion ist die Psychologie. An nichts wird geglaubt – au&#223;er an die Psychologie. Ihr bringt man all das entgegen, was man der Religion, die ein leichtes Opfer von kritischem Bewu&#223;tsein ist, verweigert: ihr wird alles geglaubt, vor ihr wird gekuscht, sie ist unfehlbar, sie ist der Heilsbringer. Man sieht das zum Beispiel [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Nachfolgerin der Religion ist die Psychologie. An nichts wird geglaubt – au&#223;er an die Psychologie. Ihr bringt man all das entgegen, was man der Religion, die ein leichtes Opfer von kritischem Bewu&#223;tsein ist, verweigert: ihr wird alles geglaubt, vor ihr wird gekuscht, sie ist unfehlbar, sie ist der Heilsbringer. Man sieht das zum Beispiel daran, dass in Kummer-Sendungen wie &#8220;Domian&#8221; die Geb&#252;ckten und Bedr&#252;ckten regelm&#228;&#223;ig an &#8220;meine Psychologin&#8221; weitergereicht werden. Und regelm&#228;&#223;ig klingt das wie eine Weiterleitung an den Messias, der die Sache schon l&#246;sen wird.</p>
<p>Dieses Land hat eine Obsession mit der Psychologie. Es sind Kleinigkeiten, die das belegen. Hat irgendwo ein schwerer Unfall stattgefunden, wird seit einigen Jahren nicht nur diese Tatsache gemeldet, sondern auch dass &#8220;Psychologen&#8221; vor Ort seien, die fassungslose Angeh&#246;rige betreuen. Worin der Nachrichtenwert dieser Tatsache besteht, bleibt zweifelhaft. Vielleicht ist es die Leistungsschau einer Branche, vielleicht soll auch nur gesagt werden: alles paletti, die Profis sind vor Ort.</p>
<p>Oft wird die Berichterstattung &#252;ber die Psychologisierung unserer Gesellschaft als &#8220;Tabubruch&#8221; gekennzeichnet. Das ist zum Beispiel bei der Berichterstattung &#252;ber traumatisierte Soldaten der Bundeswehr der g&#228;ngige Sound.</p>
<p>Vorweg: Die Entdeckung und Behandlung dieser Krankheit (posttraumatisches Stressyndrom) ist ein Fortschritt der Medizin und zu begr&#252;&#223;en. Das ist das eine.</p>
<p>Dennoch hat die journalistische Modewelle, sich dem Aghanistan-Einsatz &#252;ber das Thema &#8220;Traumatisierung der Soldaten&#8221; zu n&#228;hern etwas Seltsames. Nicht nur ist es kein Tabubruch, das Thema anzusprechen, wie immer behauptet wird: Da seien &#8220;K&#228;mpfertypen&#8221;, gefangen in ihrer M&#228;nnlichkeit, deren Selbstbild es widerspr&#228;che zum Psychiater zu gehen, so raunt es aus den Bl&#228;ttern. Seit 40 Jahren wird M&#228;nnlichkeit demontiert. Von Tabubruch kann also gar keine Rede sein, wenn &#252;ber traumatisierte Soldaten berichtet wird.</p>
<p>B&#246;se Zungen w&#252;rden behaupten: Das mit dem Gefangensein in der eigenen M&#228;nnlichkeit kann so nicht stimmen, den genau dieser Typus ist in der Bundeswehr selten anzutreffen. Wiederum b&#246;se Zungen behaupten: zu selten. Stattdessen herrscht in der Bundeswehr der sozialwissenschaftliche Sound der &#8220;interkulturellen Kompetenz&#8221;. Der &#8220;Staatsb&#252;rger in Uniform&#8221; ist weit entfernt von den Fightern, deren Aufgabe Donald Rumsfeld einst so umschrieben hatte: &#8220;To killl as many Talibans as possible&#8221;.</p>
<p>Nicht der Traumatisierte ist, wenn es um die Bundeswehrberichterstattung geht, das Tabu, sondern der gut ausgebildete K&#228;mpfer, der um das Risiko des Einsatzes wei&#223;, und sich sogar in ihm beweisen will.</p>
<p>Das Tabu ist, dass Soldaten dazu ausgebildet werden, um zu t&#246;ten, und dass das evtl. auch in bestimmten weltpolitischen Konstellationen eine n&#252;tzliche F&#228;higkeit ist. Das ist in Deutschland das Tabu, ganz abgesehen davon, dass es auch ein Tabu ist, deutsche Interessen zu definieren, und was wir bei der Durchsetzung dieser Interessen auch an Menschenleben zu opfern bereit sind. Das ist das allergr&#246;&#223;te Tabu in diesem Land.</p>
<p>Auch ist es ein seltsamer psychologisierender Monolog dieser Gesellschaft, angesichts der Tatsache, das ganze V&#246;lker traumatisiert sind, zum Beispiel das afghanische, sich wieder nur selber zum Opfer zu erkl&#228;ren. Diese Gesellschaft hat eine weitere Obesession: Sie will Opfer sein.</p>
<p>Die Amerikaner hatten 58.000 Tote in Vietnam und bis heute ca. 2300 Tote in Irak. Es r&#252;hmt Deutschland und es ist ein Gl&#252;ck, dass wir in dieser furchtbaren Statistik mit unter 30 Toten zur&#252;ckfallen. Trotzdem ist es seltsam, dass wir – auch mittels Spielfilm – bereits so tun, als sei Afghanistan unser Vietnam. Eine komische Selbststilisierung.</p>
<p>Vielleicht gibt es ja eine psychoanalytische Erkl&#228;rung f&#252;r das deutsche Suhlen im Leid – ausschlie&#223;lich dem eigenen nat&#252;rlich.</p>
<p>Geht es um eine deutsche Armee im Krieg, kann es gar nicht anders sein, als dass die deutsche Vergangenheit in der Berichterstattung mitschwingt.</p>
<p>Die obsessive Berichterstattung &#252;ber die traumatisierte Armee, von durch Tod und T&#246;ten traumatisierten jungen M&#228;nnern ist eine als &#8220;Tabubruch&#8221; hochstilisierte nachgeholte Widerstandshandlung, die nichts kostet. Sie kommt 65 Jahre zu sp&#228;t. Aber die nachgeholten, unfassbar mutigen Widerstandshandlungen sind auch eine deutsche Spezialit&#228;t.</p>
<p>Hitler hat man nicht gest&#252;rzt. Deshalb muss man 64 Jahre sp&#228;ter Eva Herrmann mutig aus der Talkshow schmei&#223;en. Eiine ganze Generation von Deutschen hat einst nicht nur einen ganzen Kontinent traumatisiert, sondern auch sich selbst. Deshalb m&#252;ssen wir jetzt bei der Bundeswehr dr&#252;ber reden. Obwohl es um eine andere Zeit und andere Armee geht, n&#228;mlich die demokratischste und zivilste deutsche Armee aller Zeiten geht. Seltsames Land.</p>
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