1. Mai in Kreuzberg. Als die “Ton, Steine, Scherben”-Coverband auftrat wurde mir auf einmal so einiges klar über die Welt an sich
Gestern am sogenannten “O-Platz” (Oranienplatz) in Kreuzberg. Ich stehe da also zwischen all den Becksbiertrinkern und mache mir wie immer Gedanken, wie der Alarmismus dieser Trippelbrüder und ihre martialische Aufmachung, die ja (wie passt das eigentlich zusammen) immer irgendwie kriegerisch ist (Springerstiefel, obwohl man ja gegen den Krieg ist) und antiamerikanisch ist (vorgetragen in U.S.-Kampfhosen) – wie also der insgesamt doch jämmerliche körperliche und geistige Zustand dieser Gestalten zu vereinbaren ist, mit der behaupteten Größe und Dringlichkeit der Gefahr: Nazis und Bush (ist dasselbe), Faschismus, Rassismus, Neoliberalismus.
Muss man angesichts der Aramada von topfitten Gegnern nicht selbst darauf achten, dass man sich topfit hält für den Endkampf, dass heisst: weniger Rauchen und Trinken, dafür ein bisschen Sport?
Das alles, dieses Revolutionsmuseum, was sollte das alles?
Ich bekam die Lösung so serviert: Aus den Boxen waberten die Klänge einer Live-Band, die Songs der bekannten (und durchaus in ihrem Genre sehr herausragenden Agit-Pop-Band) Ton, Steine, Scherben mehr schlecht als recht nachspielten. Wer sie nicht kennt: “Macht kaputt, was euch kaputt macht”, “Keine Macht für niemand” sind ihre bekanntesten Songs.
Ich zu einem Nachbar: “Aha. Ton-Steine-Scherben Songs. Wie heißt denn die Band, welche dieselben dort oben gerade so schlecht nachspielt?”
“Das sind doch Ton, Steine, Scherben selbst in Originalbesetzung!”, sagte da mein Nachbar. (Der Sänger klang übrigens wirklich ein bisschen wie Rio Reiser, der ja leider tot ist)
Da wurde mir schlagartig die Gesamtidiotie der Welt bewußt. (more…)