Artikel-Schlagworte: „Berlin“

Berliner mit Fahne

Sonntag, 27. Juli 2008

In der deutschen Hauptstadt legt Obama den Grundstein für seine Niederlage im Herbst

Wenn die Straße des 17. Juni in Berlin abgesperrt wird, Würstchenbuden, Bierstände und Fernsehleinwände aufgebaut werden, gibt es immer sympathische Verlierer zu feiern.

Verlierer, die für die große Emotion sorgten, von denen man aber immer befürchtete und wusste, dass sie es eigentlich nicht schaffen können.

Zur Abwechslung kam dieses mal nicht die deutsche Fußballnationalmannschaft – diesmal kam Barack Obama, der kommende Präsident der Herzen, der Mann, der im Herbst deutlicher als erwartet die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten verlieren wird.
(more…)

“Gute soziale Mischung”

Dienstag, 6. November 2007

“Studenten, Handwerker, Künstler, Arme”: Bürger lieben’s anti-bürgerlich

Wir lesen im “Tagesspiegel” über die Wandlung des Berliner Touristenviertels am Hackeschen Markt: Das Viertel sei früher (vor 18 Jahren) “sehr lebendig” gewesen, mit einer “guten sozialen Mischung: Studenten, Handwerker, Künstler, Arme”.

Leben Sie auch in einer solchen “guten sozialen Mischung”, also mitten unter “Studenten, Handwerkern, Künstlern, Armen”?

Ich nicht. Ich lebe in einer äußerst unguten sozialen Mischung. Ich gestehe: Ich lebe in einem Viertel, in dem, ich wage es kaum auszusprechen, das Bürgerliche die dominante Rolle spielt.
(more…)

Unser Dorf soll sauber bleiben

Donnerstag, 17. Mai 2007

Neues aus der Provinz – Berlin-Kreuzberg hat ein neues Motto: Kauft nicht bei…Amis!

Das, was früher im deutschen Sprachgebrauch die Scholle hieß, der Ort des authentischen, unverfälschten Lebens, am besten in Selbstversorgung oder umgeben von glücklichen Kleinhandwerkern, die in ihrem Schaufenster sitzend im Schneidersitz Hemden nähen, das wird im Berliner Sprachgebrauch mit dem Wort “Kiez” beschworen. So, oder so ähnlich soll es im “Kiez” auch zugehen, oder so wird er wenigstens zusammenphantasiert, sonst droht der “Ausverkauf”, die “Kommerzialisierung” oder das “Spekulantentum”, der “Zusammenbruch gewachsener Strukturen”.

Natürlich ist die “Kiez”-Idee vom “authentischen Leben” der reinste Kitsch, wie überhaupt das meiste, was als Lebensformen von der Linken propagiert wurde, der reinste Kitsch war. Gerhard Henschel hat dazu schon vor Jahren das Standardwerk vorgelegt (”Das Blöken der Lämmer – die Linke und der Kitsch”).

Nun ist es wieder so weit: Kreuzberg wehrt sich, und man weiß ja, wenn Deutsche sich wehren, ist Obacht angebracht. Der Grund der neuesten Kreuzberger Aufwallung: McDonald’s plant, in der Wrangelstraße (”Wrangel-Kiez”) eine Filiale aufzumachen.

Vom Kiez-Kitsch sind aber keineswegs die üblichen Schwachsinnigen (”Werdet aktiv, Kreuzberg bleibt McDonalds-frei !!!!!!” – indymedia.org) befallen, auf ORB.de, dem Portal des “Rundfunks Berlin Brandeburg” lesen wir dazu: “Die Nachbarschaft ist ein alternativer Kiez mit gewachsenen Strukturen. Viele kleine Unternehmen gibt es hier, darunter Bäckereien und Imbissbuden. Denen könnte es bald schlechter ergehen: In Kreuzberg war McDonalds bisher überhaupt nicht vertreten. Die meisten Wrangelkiezbewohner haben es nicht vermisst.”
(more…)

Die Welt als Coverversion

Mittwoch, 2. Mai 2007

1. Mai in Kreuzberg. Als die “Ton, Steine, Scherben”-Coverband auftrat wurde mir auf einmal so einiges klar über die Welt an sich

Gestern am sogenannten “O-Platz” (Oranienplatz) in Kreuzberg. Ich stehe da also zwischen all den Becksbiertrinkern und mache mir wie immer Gedanken, wie der Alarmismus dieser Trippelbrüder und ihre martialische Aufmachung, die ja (wie passt das eigentlich zusammen) immer irgendwie kriegerisch ist (Springerstiefel, obwohl man ja gegen den Krieg ist) und antiamerikanisch ist (vorgetragen in U.S.-Kampfhosen) – wie also der insgesamt doch jämmerliche körperliche und geistige Zustand dieser Gestalten zu vereinbaren ist, mit der behaupteten Größe und Dringlichkeit der Gefahr: Nazis und Bush (ist dasselbe), Faschismus, Rassismus, Neoliberalismus.

Muss man angesichts der Aramada von topfitten Gegnern nicht selbst darauf achten, dass man sich topfit hält für den Endkampf, dass heisst: weniger Rauchen und Trinken, dafür ein bisschen Sport?

Das alles, dieses Revolutionsmuseum, was sollte das alles?

Ich bekam die Lösung so serviert: Aus den Boxen waberten die Klänge einer Live-Band, die Songs der bekannten (und durchaus in ihrem Genre sehr herausragenden Agit-Pop-Band) Ton, Steine, Scherben mehr schlecht als recht nachspielten. Wer sie nicht kennt: “Macht kaputt, was euch kaputt macht”, “Keine Macht für niemand” sind ihre bekanntesten Songs.

Ich zu einem Nachbar: “Aha. Ton-Steine-Scherben Songs. Wie heißt denn die Band, welche dieselben dort oben gerade so schlecht nachspielt?”

“Das sind doch Ton, Steine, Scherben selbst in Originalbesetzung!”, sagte da mein Nachbar. (Der Sänger klang übrigens wirklich ein bisschen wie Rio Reiser, der ja leider tot ist)

Da wurde mir schlagartig die Gesamtidiotie der Welt bewußt. (more…)