Wenn es etwas zu bemängeln gibt an den Liberalen, dann ist es dies: Die traditionelle Partei der Außenpolitik hat zurzeit keine
Im März war ich in einem Zirkuszelt, wo Hans-Dietrich Genscher seinen achtzigsten Geburtstag feierte. So als hätten sie es geahnt, hatten die Liberalen den ewigen Außenminister gleich zur lustigen, irgendwie apolitischen Grundausstattung der Republik verklärt und den Pullunder zu seinem prägnantesten Kennzeichen gemacht: Die Kellner trugen allesamt das ärmellose Textil.
Den ganzen Abend wurde über die Verdienste des Mannes geraunt und angesichts des Gedröhnes, fragte man sich irgendwann: Worin liegen die jetzt eigentlich genau?
Ich möchte keine Majestätsbeleidigung betreiben, aber Genschers Hauptmerkmal war eben, dass er immer da war. Zugegeben, er hat nicht viel falsch gemacht, aber zugegeben: Konnte er das überhaupt?
Wir haben in Deutschland immer Glück gehabt mit der Auslese des politischen Personals und Genscher hat da keine Ausnahme gemacht.
Aber deutsche Außenpolitik lag in Zeiten des Ost-West-Konflikts eben auch ziemlich fest. Die Westbindung wurde durch die Ostpolitik Brandts erweitert, Deutschland hatte, wenn überhaupt, eine diplomatische Mittlerrolle (die Genscher meisterlich ausfüllte), stand aber fest an der Seite der USA. Deutschland war einbetoniert in die Statik des Ost-West-Konflikts. In dieser Weltprovinz Bundesrepublik konnte man sich recht wohl fühlen, Beton gibt ja auch Sicherheit.
Genscher hat die mögliche deutsche außenpolitische Rolle gut ausgefüllt, doch viel Spielraum hätte er gar nicht gehabt.
Trotzdem oder gerade deswegen wurde er zum Inventar der Republik. Der gelbe Pullunder. Wir erinnern uns gern an ihn, denn als er noch durch die Welt flog, lag Deutschland geschützt wie ein Embryo im Mutterschoß der Westbindung. Bewacht und in seiner Freiheit garantiert durch die Vereinigten Staaten.
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