Der Dalai labert
Mittwoch, 25. Juli 2007Was die Buddhismus-Welle über uns verrät
Für die neubürgerlichen Katholizismus-Fans muss es ein Greuel gewesen sein: Da kommt dieser in Orange-Weinrot gewandete freundliche alte Herr mit Pennäler-Brille, Jungs-Grinsen und zum Teil äußerst simpler Botschaft - und eine ganze Garnison von Studienräten, protestantischen Omas und sanftmütigem Jungvolk ist aus dem Häuschen.
Der Besuch des Dalai Lama hat vor allem eins gezeigt: Die ganze Idee, der Katholizismus, am besten samt strenger Lithurgie (gern auch auf Latein), sei auf dem aufsteigenden Ast, war ein totaler Rohrkrepierer des gehobenen Medien-Milieus, wie so vieles vorher auch. Eine Idee, erfunden von Leuten, die ihren aktuellen Gemütszustand und den des Rests schon seit langem nicht mehr auseinanderhalten können.
Der strenge Mann in Rom, von dem vor allem jene fasziniert sind, die endlich Ruhe haben wollten an der Ideen-Front, an der sie unablässig selbst mitgekämpft haben. Leute die schon links, rechts, konservativ, liberal und grün waren und damit ebenfalls nicht glücklich wurden. Für diese Leute müssen harte Sachen her. Katholische Kirche. 2000 Jahre alt. Strenger Chef. Fester Glaubenskanon. Bollwerk gegen Werteverfall. Dolle Sache. Natürlich nur rein theoretisch. Halten wolllen sie sich dann doch nicht dran. Schließlich ist kein Sex vor der Ehe keine so dolle Sache. Oder?
Der Dalai Lama hat gezeigt, wer wirklich Chef ist im Lande der unaufhaltsamen Säkularisation.
Glaube heißt jetzt Spiritualität. Und Leute glauben eben nicht, sondern fühlen sich “irgendwie” zu “irgendwas Höherem” schlichtweg “hingezogen”. Wenn Leute sich, quasi aus dem Nichts heraus, zu etwas “hingezogen” fühlen, ist Obacht angesagt. Dann stimmt irgendetwas nicht.
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