Artikel-Schlagworte: „Medien“

Selbstmord, staatlich legitimiert

Donnerstag, 10. Juli 2008

Ein neuer bürgerlicher Radikalismus: der hysterische Schrei nach staatlicher “Sterbehilfe”

Montag, 10:00. Deutschlandfunk, Sendung “Kontrovers”. Wer wissen will, wie das Mittelschichts-Volk tickt, der muss hier reinhören.

Die Sendung ist schon seit Jahren Ort einer immer unverhohleneren Abneigung, ja eines regelrechten Hasses gegen “die da oben”, die “Politikerkaste”.

Am letzten Montag war das Thema Sterbehilfe dran. Der augenblickliche große Aufreger. Stargast: Roger Kusch.

Allgemeine Stimmung der durchgestellten Hörer: nicht ein einziger wendet sich gegen die von Kusch geforderte Legitimierung der aktiven Sterbehilfe.
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Böller von Möller

Mittwoch, 4. Juni 2008

Offensichtlich darf man eines nicht sein, um das Naheliegende zu Afghanistan zu sagen: intellektuell

Wenn es um Afghanistan geht, ist es eine vornehme Aufgabe des Journalismus, der Peter-Scholl-Latourisierung Deutschlands entgegenzuwirken.

Der Talkshow-Haudegen müsste das Feindbild aller Linken sein, die zumindest immer vorgaben, Universalisten zu sein: Es gibt nur einen Menschen und der hat bestimmte Rechte – überall.

Stattdessen ist er ihr Freund und Kronzeuge, denn er sagt auch: Raus aus Afghanistan.

Peter Scholl-Latours Erzählungen führen eine anti-universalistische Figur ein, die immer gewinnt: Der mythische Wilde.
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“Weil er herausragt”

Mittwoch, 30. Januar 2008

Koch hat verloren. An der “F.A.Z.” lag das garantiert nicht

Von Hans-Joachim Friedrichs wird nur ein Satz überliefert, der aber ist ganz gut: “Ein Journalist darf sich mit keiner Sache gemein machen. Auch nicht mit einer guten.”

Angenommen, die gute Sache sei Roland Koch. Dann sieht man das bei der “F.A.Z.” mit dem gemein machen wohl fundamental anders: “Folgten Landtagswahlen den Gesetzmäßigkeiten der Politikwissenschaft, dann wäre die Bestätigung der Regierung Koch am Sonntag eine Formsache gewesen.” (29.1.)

Dass Wahlen aber nicht den Gesetzmäßigkeiten der Politikwissenschaft folgen, das mussten vor der F.A.Z. schon Generation von Studenten schmerzlich erlernen. Und zum Glück ist Demokratie auch keine Formsache. Es geht um Sympathie. Um Stil. Um spontane Zuneigung oder Ablehnung. Ja, wir haben die Fernsehdemokratie. Auch, wenn man darüber in der elitären F.A.Z. - wie ja traditionell im libertären Bürgertum - die Nase rümpft.
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Die Welt ist eine Mattscheibe

Mittwoch, 2. Januar 2008

Medienkritik von links: Walter van Rossum lässt die Katze aus dem Sack

Den Autor Walter van Rossum mag ich eigentlich ganz gern. Das heißt: Ich mochte ihn ganz gern. Vor drei Jahren machte Rossum mit seinem Buch “Meine Sonntage mit Sabine Christiansen” die gleichnamige Moderatorin fertig und das auf eine so schöne Weise, dass ich das Buch kaum noch aus der Hand legen mochte. Lange bevor die FAZ auf die Idee kam die Titel der Christiansen-Sendung als völlig ausreichendes Psychogramm der trüben deutschen Seele abzudrucken, hatte Rossum den Laden als TV-Endlosschleife aus der Produktion des “Juste Milieu” entlarvt.

Die damals schon sichtbaren Tendenzen von Rossums, sich als Sprachrohr der Gewerkschaften und der Linkspartei zu gebärden wenn es um die Wirtschaftspolitik geht, übersah ich, schließlich ist ALLES besser als die Phrasen der Henkels und Hundts.
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“Text nicht gelesen, aber…”

Samstag, 8. Dezember 2007

In Bezug auf den Iran erklingt mal wieder deutsches Triumphgeheul

Wer eine deutsche Universität schon mal von innen gesehen hat, der kennt den Klassiker unter den Seminaristensätzen: Ich habe den Text nicht gelesen, aber…

Meistens folgen dann umfangreiche Ausführungen, die irgendwie mit dem Thema zusammenhängen. Soweit ich weiß, geht nichts über das gute alte Quellenstudium. Offensichtlich ist es aber genau das, was für die deutschen Großkommentatoren vor allem wenn es über Amerika geht – und über heisst immer: gegen – völlig überflüssig ist.

Jörg Lau von der Zeit etwa kann offensichtlich eine ganze Zeit-Seite vollmachen, ohne eine Zeile des CIA-Berichts über die iranische Atombombe gelesen zu haben.
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Dirty Harry gegen Al-Kaida

Freitag, 30. November 2007

…und andere Kuriositäten aus einer ereignisreichen Politik-Woche

Ich habe mir – zugegeben mit einiger Verspätung – das Buch “Der Tod wird euch finden” von Lawrence Wright vorgenommen. Das Buch handelt von der Entstehungsgeschichte der Al-Kaida.

Als das Buch im Frühjahr herauskam wurde es vor allem als Enthüllungsbuch über Bin Laden rezipiert: Unfähig sei der Mann gewesen, wenn es, damals in Afghanistan zum Kampf gegen die Russen kam, wurde ihm schlecht vor Angst, ein Hallodri und der 11. September sei sowieso ein Produkt des Zufalls.

Das ist nun aber aus meiner Sicht überhaupt nicht Thema des Buches. Es hat vielmehr eine andere Hauptfigur, den FBI-Mann John o’ Neill. Und das interessanteste an der Figur ist, dass sie ein Hauptthema des amerikanischen Kinos, das Verhältnis des Einzelnen zum Staat, zur seelenlosen Bürokratie offensichtlich live durchlitten hat.
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Die Juden und der “Stern”

Montag, 8. Oktober 2007

Die guten Deutschen und das obsessive Kreisen um das Eine

Es gibt etwas, das lässt dem “Stern”, dem Flaggschiff des linksliberalen Bürgertums, der so schön die Verwirrung seiner Klientel abbildet (mal wird das Pilgern gelobt, dann war Gott neulich auf einmal tot, wie der “Stern” bewies), einfach keine Ruhe:

Wie ist das jetzt mit den Juden? Was darf gegen sie gesagt werden, ohne gleich ein Antisemit zu sein?

Der “Stern” will es unbedingt ausloten, es scheint ihm ein tiefes inneres Bedürfnis zu sein, so als gäbe es am Ende doch nichts Schöneres und Fälligeres, als endlich gegen Israel sein zu dürfen. Das allein ist schon ein wunderbares Abbild der deutschen Obsession, sich immer und immer wieder mit “den Juden” und Israel zu beschäftigen.

Mal nennen die Deutschen ihre Kinder obsessiv Sara und Esther und finden “das Jüdische” so schön melancholisch und gleichzeitig fröhlich (Klezmer!), dann ist Scharon wieder Hitler und macht das mit den Palästinensern, was die Deutschen mit den Juden gemacht haben.
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Saudi-Arabien: Ein Witz!

Freitag, 31. August 2007

Lawrence Wright in der American Academy/Berlin

Lawrence Wright hat einen Bestseller geschrieben. “Der Tod wird euch finden”. Darin beschreibt er die Anschläge des 11. September als von Stümpern durchgeführte durch viel Zufall und mit viel Glück erfolgreiche Operation. Die Stümperei in der Vorbereitung des Anschlages wurde nur durch eines noch übertroffen: Die noch größere Stümperei der amerikanischen Geheimdienste.

Vielgerühmt wurde das Werk als nüchterne unpathetische Geschichtserzählung eines großen Stilisten.

Gestern nun stellte Lawrence Wright das Buch in der American Academy in Berlin-Wannsee vor.
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Irak spiegelverkehrt

Dienstag, 7. August 2007

Ist im Zweistromland doch alles ganz anders?

Wo steht dieser Satz?

“Ramadi ist ein irritierender Widerspruch zu fast allem, was die Welt über die Situation zu wissen glaubt. Ramadi ist ein Beleg dafür, dass das US-Militär erfolgreicher ist, als es die Welt wahrhaben will. Ramadi zeigt, dass große Teile des Irak, nicht nur die Anbar-Provinz, auch viele andere ländliche Gegenden entlang Euphrat und Tigris heute so gut wie befriedet sind.”

Nein, es ist nicht der “Weekly Standard”, das publizistische Schlachtschiff der sogenannten Neocons.

Es ist der “Spiegel”.
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Acht gegen 80 Millionen

Mittwoch, 11. Juli 2007

…aber nur einer muss durchkommen. Für den Terror des 21. Jahrhunderts gilt: Ein bisschen mehr Panik kann nicht schaden

Diese Woche hat der “Spiegel” nach langer Zeit mal wieder seine Lieblingsrolle spielen können. Klar, das Pipi von Radrennfahrern und was da alles drin ist, lohnt auch der Betrachtung. Aber was ist das gegen die Königsdisziplin, nämlich die Demokratie vor denen da oben zu retten, die mal wieder durchdrehen? Das in guter, alter Landsersprache “Sturmgeschütz der Demokratie” genannte Nachrichtenmagazin war lange außer Dienst aber jetzt konnte es sich als letzte Verteidigungslinie der liberalen Demokratie profilieren. Was damals, in den Sechzigern Franz-Josef Strauss, das ist heute Wolfgang Schäuble.

In seinem Titel läßt es sich der Spiegel, das ist so ein Hobby von ihm, zunächst mal nicht nehmen, die Vereinigten Staaten mit dem Nationalsozialismus in einen Zusammenhang zu bringen. “Bushs furchtbare Juristen” heißt es an einer Stelle und mit dem Begriff “furchtbarer Jurist” ist bekanntlich der Nazi-Scherge Roland Freisler gemeint. Wo also, fragen wir uns, steht eigentlich der amerikanische Volksgerichtshof?

In die selbe Kerbe haut auch Heribert Prantl, der von der “Guantanamorisierung” des deutschen Rechts gesprochen hat.

Amerika, das ist auch hier das Land des Bösen, der große Satan. Und da wollen wir nun wahrlich nicht hin.
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