So wie ich das sehe, bin ich gerade das einzige redaktionelle Element auf dieser Website. Ich und die Bilder der Woche, wir rocken hier das Business bei Vanity Fair Online Deutschland. Wir sind noch übrig. Vor fast 3 Jahren saß ich zusammen mit einem ziemlich fähigen und quirligen Team und als rechte Hand der Chefredaktion und der Geschäftsführung an der Entwicklung dieser Seite. Es ist mir eine Ehre, dass ich den Platz unter dem goldenen Logo noch besetzen durfte.
Trotzdem wird es mir hier langsam etwas zu ruhig. Als DJ würde ich jetzt eine Rausschmeißerplatte auflegen und danach mit meiner CD-Kiste unterm Arm nach einer Mitfahrgelegenheit Ausschau halten. Dazu gibt es im Netz noch keine Entsprechung oder um hier mal endlich Diedrich Diederichsen zu zitieren: “Wie klingt Facebook?” Es klingt ununterbrochen und deshalb irgendwie gar nicht gut - noch nicht. Mein letzter Beitrag von dieser Seite aus soll deshalb ausgesucht sein, eine nach oben gespülte Perle.
Horizon 222 haben keinen Wiki-Eintrag und bei Last.fm gerade mal 240 Hörer bisher. Die “Search Saturation” bei Google ist dürftig, niemand kümmert sich richtig um ihr digitales Erbe, das 1992 mit dem Album “Through the Round Window” beginnt und zwei Jahre später schon wieder verblasst. Ihr Bild wirkt im Netz von heute wie ein schlecht archiviertes Foto oder ein Buch, das einem fast in der Hand zerbröselt. Digitaler Abrieb, so etwas gibt es natürlich nicht. Nichts geht verloren, warnen uns ja die Facebook-Skeptiker. Aber hier bleibt alles dürftig, obwohl sämtliches Material von Horizon 222 den stilistisch ähnlichen aber viel bekannteren Acts wie The Orb, Orbital oder Future Sound of London das Wasser reichen kann. Ihr Sound ist schwül und flirrend, gehörig Dub-lastig und oft versetzt mit verfremdeten Sprachsamples, was ja heute leider kaum noch einer macht.
Ein Werbefilmchen von VW, sicher. Aber eins ohne Auto. Und dazu macht es noch sehr viel Spaß, sich das anzuschauen. Die Agentur DDB Stockholm hat sich den ausgedacht und er gehört zur VW-Kampagne “The Fun Theory”. Dahinter steckt natürlich der Gedanke, mehr Autos zu verkaufen, aber hier geht es erst einmal darum zu zeigen, wie man das Verhalten von Menschen verändern kann, indem man den alltäglichen Dingen wie Treppensteigen und Müll entsorgen etwas Spaß hinzufügt. “Piano Stairs” hat zu diesem Zeitpunkt 1 Millionen Abrufe bei Youtube - und ich hab’s heute zum ersten mal gesehen.
Drei Loops aus dem berüchtigten Dancefloor-Furor von Prodigy, woher sie kommen und wie sie verbogen wurden. Anschaulich dargestellt mit einfachsten Mitteln:
In einer Zeitung entdeckte Jarbas Agnelli ein Foto von einer Gruppe Vögel auf elektrischen Freileitungen. Er wollte wissen, wie ein Lied klingen würde mit der Position der Vögel als Noten wie auf den fünf Notenlinien. Mit einem Musikprogramm arrangierte er die Noten genau so an wie die Vögel es ihm gezeigt hatten und baute ein kurzes Video dazu:
Gitarrenlehrer Brodie Cumming spielt hier 100 berühmte Rock-Riffs am Stück in knapp acht Minuten runter. Weniger eine Zirkusnummer als eine schöne Einkaufsliste, alle Titel findet man auf seiner Website.
Habe mir gestern Abend im Münchener Feierwerk ein Konzert von Sophia angeschaut, allerdings nur bis zur Hälfte. Ungefähr acht Musiker inklusive Streichquartett haben es nicht geschafft, den gut gefüllten Saal aufzuladen. Eher wurde mit jedem der schleppigen Songs die Luft im Hansa 39 fader und dicker. Es gibt bestimmt gute Gründe, einen solchen Auftritt zu mögen, denn ich war scheinbar der Einzige, der es nicht mehr ausgehalten hat.
There Are No Goodbyes, das neue Album von Robin Proper-Sheppard, ist weder schlechter noch besser als die ebenfalls hörenswerten Vorgänger. Musikalisches Jammern auf hohem Niveau. Doch was wunderbar auf CD funktioniert, hat auf der Bühne nicht gezündet - oder es hat dort einfach nichts zu suchen.
Seit heute im Netz, der Clip zur zweiten Single “Did You See Me Coming?” aus dem letzten Pet Shop Boys Album “Yes”. Regie geführt hat der ehemalige Bassist von Jesus and Mary Chain, Douglas Hart.
Kid 606, alias Miguel Depredo, die Dreckbeatschleuder aus Kalifornien, hat einen neuen Wumms-Track mit dem unheilvollen Namen “Mr. Wobble’s Nightmare” fertig (schon länger). Dazu gibt es (seit gestern) einen grandiosen Clip aus der Werkstatt von Joel Trussell, einem mir bis heute nicht bekannten Künstler, der für gewöhnlich ziemlich fiese Figuren im 60er-Jahre-Trickfilm-Stil über den Monitor schickt.
Der neue Clip hat jedoch ausschließlich Obst als Darsteller verpflichtet und möchte trotz aller Grausamkeit kein Blut zeigen, dafür aber Saft und Fruchtfleisch literweise und in Mengen. Vielleicht nichts für mitfühlende Vegetarier, aber gutes Futter für Freunde der raumausfüllenden Bässe und Breakbeats von Kid606.
Über Hip Hop kommt ja sonst nicht viel von mir, was aber daran liegt, dass man sich auch irgendwie auf ein paar Dinge im Leben konzentrieren soll. Doch der Comeback-Track von Rapper Talib Kweli and Produzent Hi-Tek (u.a. 50 Cent, Snoop Dogg, Mos Def), die nach einem Jahrzehnt Pause als “Reflection Eternal” wieder ernsthaft was zusammen aufnehmen, trifft einen bestimmten Nerv, und das sicher nicht nur bei mir. Glücklich federnder Soul und saubere Rap-Skills, dazu ein Video-Clip aus der gemütlichen Neighborhood. Das bevorstehende Album wird “Trainspotting” heißen, Erscheinungstermin gibt es aber noch keinen. Werde ich mal weiter im Auge behalten.
Musik ist, wenn man hinhört. Bernhard Lermann, allem verfallen, was sich Geräusch nennt, und in den frühen Neunzigern leidenschaftlicher Fanzinemacher, hört sich für uns um.